Der Handel mit "Versuchstieren"
Wildfänge, qualvolle Transporte, grausame Zuchtmethoden
das Leiden beginnt schon lange vor dem Versuchslabor.
Einige wenige internationale Konzerne bestimmen seit einigen Jahren den grausamen Markt mit sogenannten Versuchstieren, ein Markt der mit den ständig wachsenden Versuchstierzahlen floriert. Alleine im letzten Jahr wurden laut offiziellen Zahlen des Bundesministeriums für Verbraucherschutz mehr als 2.270.000 Tiere in deutschen Laboren in Versuchen zu Tode gequält. Der Großteil sind hier Mäuse, Ratten, Kaninchen Meerschweinchen und 2115 Affen, 648 Katzen, 4430 Hunde. Nicht erfasst werden hier z.B. Tiere, die in der Aus- und Weiterbildung von StudentInnen, DoktorantInnen und WissenschaftlerInnen eingesetzt, die zur Organentnahme getötet oder zur Zucht einer „Stammlinie“ gehalten werden. Auch nicht erfasst werden all jene Tiere, die die Labore erst gar nicht erreichen, da sie wenige Tage nach der Geburt an den Folgen der Boxenhaltung, an dem Stress und der Enge in den kleinen Käfigen oder bei den Transporten sterben. Zahlen darüber wie viele getötet werden müssen, weil sie nicht die gewünschten Merkmale zeigen oder mit Missbildungen zur Welt gekommen sind, können nur geschätzt werden.
Für die Versuchstierhändler und züchter zählt das einzelne Tier nicht das tierliche Individum wird zum Tiermodell, zum Modell für den Menschen, bei dem es nur darum geht es so praktisch wie möglich für den Menschen zu formen. Egal ob Maus, Ratte, Kaninchen, Meerschweinchen, Katze, Hund oder Affe, jedes einzelne von ihnen empfindet Schmerzen, kennt Gefühle wie Trauer und Freude und will nur eins: leben! Alle diese Tiere werden in den Katalogen der Züchter zu einer Ware, die man nach Alter und Gewicht bestellen kann. Alles ist hier möglich: Inzucht, trächtige Tiere, Jungtiere, Tiere mit Wurf...
Über die letzten Jahre fing man an sich die Tiere immer mehr „zurechtzuzüchten“, bei den neuen Labortieren ist bereits genetisch vorbestimmt, dass sie an der gewünschten Krankheit erkranken oder die gewünschten Symptome zeigen. Alles was überflüssig ist wurde weggezüchtet, bei der „Nacktmaus“ z.B. braucht man kein Fell mehr wegrasieren, bevor die zu testenden Stoffe aufgetragen werden. Da Schweine zu „unhandlich“ und zu teuer in den Futterkosten waren, musste eine neue Zuchtlinie her, das sog. Minipig.
Neuer Trend: transgene Tiermodelle
Der Perversion sind keine Grenzen gesetzt und so übertreffen sich die führenden Konzerne gegenseitig im Entwickeln von gentechnisch verändertern Versuchstieren, sog. transgenen Tiermodellen. Hier werden mit gentechnischen Methoden zusätzliche Gene in das Erbgut der Versuchstiere eingebracht. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieser Gentransfer funktioniert ist sehr niedrig und liegt bei der Maus mit 10 % bis 15 % noch am höchsten, so, dass es offensichtlich ist, dass viele Tiere, bei denen der Transfer nicht geklappt hat, getötet werden. Bei einer weiteren Methode werden gezielte körpereigene Gene ausgeschaltet. Letzteres Verfahren führt zu den sogenannten Knockouts und ist bislang nur bei Mäusen anwendbar. Knockout-Mäuse werden häufig auch „produziert“, um Kenntnisse über die Funktionsweise einzelner Gene zu bekommen. Oft sterben diese Tiere bereits vor der Geburt oder kurz danach, weil lebenswichtige Gene blockiert wurden. Nach Schätzungen wurden inzwischen über 10.000 transgene Tiermodelle entwickelt. Bei den meisten handelt es sich um Mäuse.
Beispiele für sog. transgene Tiermodelle:
Krebsmaus
Der Krebsmaus wurde ein sog. Onkogen ins Erbgut eingeschleust. Dieses Gen führt dazu, dass die Tiere mit großer Wahrscheinlichkeit im Alter von mehreren Wochen oder Monaten an Krebs erkranken. Wissenschaftlich gesehen war die Krebsmaus ein Flop, sie wurde nicht in der Krebsforschung eingesetzt. Krebs ist ein multifaktorielles Geschehen, bei dem nicht nur die Erbanlagen, sondern u.a. auch die Lebensweise, Ernährung, psychische Situtation eine Rolle spielen.
Lesch-Nyhan-Maus
Das Lesch-Nyhan-Syndrom des Menschen ist eine erhebliche Stoffwechselerkrankung, bei der ein Defekt in einem einzigen Gen vorliegt. Menschen, die daran leiden zeigen verhaltens- und neurologische Störungen. Knockout-Mäuse, bei denen das entsprechende Gen blockiert wurde, zeigen keine solchen Symptome.
Cystische Fibrose-Maus
Die Cystische Fibrose (CF=Mukoviszidose) des Menschen beruht auf einem Gendefekt eines einzigen Gens. Inzwischen sind allerdings mehrere Hundert verschiedene Mutationen des CF-Gens bekannt. Bei der CF-Maus wurde das betreffende Gen gezielt „ausgeschaltet“ (Knockout-Maus). Allerdings entwickeln diese Tiere nicht die gleichen Symptome wie Menschen
Connexin-Knockout-Mäuse
Bei einem Gentechnik-Experiment zur Untersuchung eines bestimmten Eiweißes (Connexin) blockierten die Forscher das Gen für diese Eiweiß bei Mäuse-Embryonen. Da Connexin eine wichtige Rolle spielt, wurde erwartet, dass die Mäuse-Embryonen noch im Mutterleib absterben. Entgegen diesen Erwartungen überlebten sie aber die Geburt. Sie konnten allerdings nur mit Mühe atmen und erstickten kurze Zeit später.
Affen in Freiheit gefangen oder in Gefangenschaft gezüchtet.
Obwohl zur Zeit nur noch sehr wenige Fluggesellschaften (Air China, China Eastern Airlines, Japan Airlines, Air Mauritius, El AL, Air France, Tanzania Airlines... ) bereit sind, Affen für Versuchslabore zu transportieren, steigt die Tierzahl seit einigen Jahren. Immer wieder forderten in den letzten Jahren WissenschaftlerInnen der Tierversuchsindustrie, mehr Affenversuche vor allem in der Neuzulassung von Arzneimitteln durchzuführen. Die Tiere werden fast alle importiert, da sich der Bau von Zuchten direkt in Europa in der Vergangenheit als nicht wirtschaftlich erwiesen hat. In den Exportländern werden die Tiere entweder in speziellen Farmen gezüchtet oder in einigen Ländern nach wie vor in Freiheit eingefangen. Die Tiere, die auf den Farmen zu Welt kommen, wachsen in einem Käfig auf riesigen Farmen auf, die Gruppenhaltung und die Enge führen zu schwerwiegenden Kämpfen, zu Verhaltensstörungen, bis hin zur Selbstverstümmelung. Die Tiere, die in Freiheit eingefangen werden, werden brutal aus ihren familiären Zusammenhängen gerissen, der Großteil der Tiere ertragen die Qualen der Gefangenschaft nicht und sterben an den Folgen, meistens noch in den Zuchtbetrieben. Egal ob sie in Freiheit eingefangen oder auf den Farmen geboren wurden, steht bei allen der Zielort fest: nachdem sie unter unbeschreibbarem Stress in Holzkisten bis zu 20 Stunden im Flugzeug waren, enden alle in europäischen oder amerikanischen Laboren. Fest steht auch, dass keines von ihnen eines der Labore lebend verlassen wird.
In Deutschland sind die beiden Labore, in denen die meisten Affen gehalten und ermordet werden, die Covance Laboratories in Münster und das Deutsche Primatenzentrum in Göttingen. Beide führen im Auftrag Tierversuche durch.
Die 3 Affenarten, die am meisten in Laboren verwendet werden, sind Rhesusaffen, Javaneraffen und Pinselohräffchen. Letztere werden wegen ihrer Größe bevorzugt, da sie nicht viel grösser sind als eine Hand in Fachpublikationen sprechen die VivisektorInnen von einem „easy handling“. Die Javaneraffen machen in der pharmazeutischen Industrie den Großteil aus, da sie kleiner sind als der Rhesusaffe und genau den gleichen Zyklus haben wie Frauen. Aus diesem Grund eignen sie sich, laut VivisektorInnen, hervorragend für die sog. Reproduktionstoxikologie, d.h. die Auswirkung von Giften/Stoffen auf die Fruchtbarkeit, die Schwangerschaft und Geburt. Für die Tiere, die die Geburt erleben bedeuten diese Versuche unglaublichen Schmerz und Trauer, da sie sofort wieder von ihren Kindern getrennt werden und diese für die Untersuchungen getötet werden.
Die hauptexportierenden Länder nach Europa sind zur Zeit China und Mauritius.
China
Obwohl es in China nach wie vor mehr als zwei Dutzend Affenfarmen gibt, die für Versuchslabore züchten, sind nur sehr wenige berechtigt Affen zu exportieren. Wildfänge sind offiziell verboten, so, dass nach Angaben der Händler alle in der Gefangenschaft geboren werden. Nach Angaben von Tier- und Artenschutzvereinigungen wurde in den letzten Jahren mehrmals bewiesen, dass diese Bestimmungen sehr leicht umgangen werden, indem in Vietnam in Freiheit gefangene Tiere erst nach China importiert und dann mit anderen Tieren erneut exportiert werden.
Letztes Jahr exportierte China mehr als 13.000 Affen, vor allem nach Europa, Amerika und Japan. Die Hälfte dieser Affen wird von einer Firma mit dem Namen CSIMC (China National Scientific Instruments & Material Import & Export) exportiert. Diese Firma züchtet selber keine Tiere sondern arbeitet mit den Zuchtfarmen zusammen. In Europa arbeiten sie über eine Zwischenfirma, den dubiosen Versuchstierhändler Roberto Hartelust aus Tilburg in den Niederlanden. Alle Tiere werden von ihnen von Peking nach Frankfurt mit Air China transportiert. Von hier aus geht der Weg dann mit Transportern nach Holland, wo ihnen 3 Wochen Quarantäne bevorstehen. Die Tiere, die den Stress überleben, werden von da aus von Hartelust dann an Labore quer durch Europa, u.a. an die Bayer AG Wuppertal, Schering AG Berlin oder das Deutsche Primatenzentrum (DPE) geliefert. Fast jährlich organisiert Hartelust China-Reisen für die europäische Pharma-Industrie, bei der VivisektorInnen die dortigen Zuchtfarmen besichtigen und natürlich die Bestellverträge für das kommende Jahr abschliessen ein rentabler Markt bei einem Preis von fast 2000 Euro pro Tier inklusive dem Transport nach Frankfurt.
Mauritius
Auf Mauritius gibt es zwei Firmen, die Affen züchten und exportieren: die französiche Firma Centre de recherches primatologiques und Bioculture Ltd. Beide beziehen nach wie vor einen Teil ihrer Affen aus Wildfängen, da diese für mehrere Monate im Jahr auf Mauritius erlaubt sind. Werbung machen sie damit, dass sie für jeden in Freiheit gefangenen Affen an eine lokale Artenschutzgruppe spenden. Beide versenden ihre Tiere selber mit Air Mauritius und Air France nach Europa und funktionieren so, dass die Labore sie selber in Frankfurt oder Paris abholen müssen. Der größte Kunde von beiden Firmen ist der COVANCE-Konzern, der bis zum Jahr 2005 Langzeitverträge hat und somit verpflichtet ist jedes Jahr mindestens 2000 Affen abzukaufen. Ein weiterer deutscher Kunde ist das Paul-Ehrlich-Institut in Langen. Beide Zuchtfarmen arbeiten mit Vertretern in Frankreich, die quer durch Europa reisen um vor allem bei Kongressen neue Kunden zu gewinnen.
Ein Überblick über die Konzerne, die im Bereich des Versuchstierhandels führend sind:
Charles River
Die amerikanische Firma Charles River ist nach eigenen Angaben der größte Versuchstierzüchter der Welt und ist mit 40 Anlagen in 18 Ländern vertreten. In Deutschland werden von Charles River in 3 Niederlassungen Tiere gezüchtet. Neben der Tierzucht, führt Charles River selber Tierversuche durch und stellt Käfiganlagen für Versuchslabore her.
97633 Sulzfeld Ratten, Mäuse, Gerbils, Hamster
Sandhofer Weg 7, 09761-4060
88353 Kißlegg - Meerschweinchen, Kaninchen, Mäuse
07563-1800-0
32699 Extertal Hühner, rohe Eier
Hamelner Strasse 3, 05262-5945
www.criver.com
Harlan
Der amerikanische Harlan-Konzern ist der zweitgrößte Versuchstierzüchter der Welt und auch in Deutschland. In ihrer Niederlassung in Borchen (NRW), die durch die Übernahme der Winkelmann Versuchstierzucht entstand, werden neben 800 Hunden auch Tausende Mäuse, Ratten, Meerschweinchen und Kaninchen gezüchtet. In einer zweiten Niederlassung in Walsrode werden von Harlan im Auftrag der Chemie-, Pharma-, und Kosmetikindustrie Tierversuche durchgeführt. In Katalogen von Harlan werden neben Organen und Blutplasma auch voroperierte (lebende!) Tiere angeboten. So kann man z.B. für ca. 13 Euro zusätzlich ein Meerschweinchen bestellen, dem bereits die Milz entfernt wurde.
Harlan stellt auch selber Spezialfutter für Versuchstiere her. Einige Futtersorten sind so zusammengestellt, dass sie nach einer gewissen Zeit bestimmte Mangelerscheinungen oder z.B. eine Fettleber hervorrufen. Schlussendlich produziert und handelt Harlan mit sog. Isolatoren, dies sind spezielle Käfiganlagen in denen Tiere unter sterilen Bedingungen gehalten und gequält werden können.
Harlan Winkelmann GmbH, Gartenstrasse 27, 33178 Borchen, 05251-1315-10
www.harlan-winkelmann.de
Covance Research Products (CRP)
CRP ist die Unterfirma des Covance-Konzernes, die mit sog. Versuchstieren handelt. CRP betreibt in Europa keine Niederlassungen, der Hauptsitz ist Amerika, wo sie der größte Importeur von Affen sind und mehrere Hunde, Katzen und Nagerzuchten unterhalten. Auf Anfrage hat CRP erklärt, dass Hunde und Nager regelmäßig mit Lufthansa nach Deutschland transportiert und Katzen aus Kolumbien importiert werden.
www.crpinc.com
M&B A/S Taconic Inc.
Der amerikanische Taconic-Konzern ist auf die Zucht von Nagern und genetisch veränderten Mäusen und Ratten spezialisiert. In Europa hat Taconic keine Niederlassung, züchtet und verschickt die Tiere aber über ihre Unterfirma M&B A/S aus Dänemark, die viele Kunden in Deutschland unterhalten. Ähnlich wie bei Harlan kann man bei M&B auch voroperierte Tiere bestellen. (s.o.)
www.m-b.dk
RCC
Die Schweizer Firma RCC züchtet Hunde und Nager. In ihrer deutschen Niederlassung betreiben sie ein Auftragsforschungslabor, in dem sie vor allem für die biomedizinische Forschungsindustrie Tierversuche durchführen.
www.rcc.de
Roberto Hartelust BV
Der holländische Versuchstierhändler Roberto Hartelust ist einer der wichtigsten Affenhändler für Versuchslabore in Europa. Er importiert die Affen aus China und liefert an Labore quer durch Europa. Zu seinen größten Kunden zählen die Bayer AG Wuppertal, Schering AG Berlin und das Deutsche Primaten-Zentrum.
Morini
Die italienische Hundezucht Morini ist in der Vergangenheit mehrmals in die Öffentlichkeit geraten als Tiere an der deutsch-österreichischen Grenze beschlagnahmt wurden. Morini liefert u.a. an die Altana AG oder das Laboratorium für Pharmakologie und Toxikologie (LPT), beide in der Nähe von Hamburg.
Kevin Kroemmer
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