Demonstration gegen die Pelztierfarm Schirmer in Rochlitz
Bericht der tierbefreier Ortsgruppe Dresden:
Etwa 120 Menschen demonstrierten am 10. Mai in Rochlitz gegen die "Pelz"farm Schirmer. Es war die dritte größere Demo im Rahmen der Initiative "Pelzfarm Schirmer schließen!"

Nach einer VoKü und mehreren Megaphondurchsagen, startete der Protest gegen 13 Uhr mit einer nachgestellten Häutungsszene auf dem Rochlitzer Marktplatz (links). Gleichzeitig wurde das jährliche Morden auf den "Pelz"farmen weltweit beschrieben. Anschließend ging es für etwas mehr als 1 Stunde, beobachtet von den Rochlitzer BürgerInnen, durch die Stadt. Während des Demozuges gab es Zwischenstopps und Redebeiträge zum Thema "Pelz" und "Kapitalismus und Tierausbeutung". Gegen 15 Uhr wurde die Demo in Rochlitz aufgelöst. Einige Menschen gingen anschließend noch zur Farm.
Hintergrund
Bereits im Jahr 2001 haben die tierbefreier e.V. gegen die "Pelz"farm Schirmer im sächsischen Rochlitz demonstriert. Seit letztem Jahr gibt es erneut Proteste gegen die Farm. Die InitiatorInnen der Kampagne "Pelzfarm Schirmer schließen" schildern im folgenden kurz den aktuellen Stand.

Vor etwa 8 Monaten startete die Initiative „Pelztierfarm Schirmer schließen“. Was ist seitdem passiert?
Die Kampagne "anti-fur" (Initiative gegen die Pelztierfarm Schirmer und Partner bei Rochlitz) startete im Grunde bereits 2001 mit zwei Demonstrationen. Leider blieben weitere aus, nachdem Schirmers leerstehende Zweitfarm in Steinölsa durch eine ALF-Aktion abgebrannt ist. Die Organisatoren waren anschließend starken Repressionen seitens der Polizei ausgesetzt. Wir nahmen die Kampagne 2007 wieder auf, seither gab es zwei Demonstrationen direkt zur Pelzfarm. Zu jeder Demo kamen rund 120 Leute.
Um mehr Interessierte für "anti-fur" zu gewinnen, halten wir kontinuierlich in den alternativen Jugendzentren in unserer Umgebung Vorträge zum Thema "Pelz" und speziell zur Farm in Rochlitz. Infostände in Chemnitz tragen ebenso mit dazu bei. Dadurch kontaktierten wir neue Einzelpersonen und Gruppen wie die "Grüne Toleranz Döbeln", die "Grüne Jugend Chemnitz", die "Arbeitsgemeinschaft Wertewandel Chemnitz", den "Bunten Hof Chemnitz", das "Besetzte Haus Chemnitz", um nur einige zu nennen, die uns in der Organisation teilweise mit unterstützen.
Hat sich die Polizei bei euch auch schon gemeldet?
Bereits zu Beginn von "anti-fur" gab es mehrere Anrufe seitens der Polizei und des Landeskriminalamtes Dresden, sowohl wegen der Homepage als auch wegen eines angeblichen Diebstahl eines Käfiges.
Nach einem gemeinsamen Infostand mit der "Grünen Jugend Chemnitz" in der Innenstadt von Chemnitz bekamen wir eine Zeugenladung des Landeskriminalamtes Dresden. Grund war der angebliche Diebstahl eines Nerzkäfiges. Dieser ist nachweislich nicht gestohlen. Alle Mitglieder der "Grünen Jugend" folgten der Vorladung und wurden eingehend befragt. Die unmittelbaren OrganisatorInnen von "anti-fur" verweigerten die Zeugenaussage.
Direkt im Anschluß eines Vortrages in Rochlitz entschieden sich drei Leute, einen Spaziergang zur Pelzfarm zu machen. Diese wurde von mehreren Zivilfahrzeugen begleitet und endete in einer Personenkontrolle durch eine Polizeistreife. Ein gerade dazugekommener Verwandter Schirmers, unter Alkoholeinfluß stehend, wurde nach einem Handgemenge von der Polizei pöbelnd in Gewahrsam genommen.
Und im Anschluß eines Kooperationsgespräches für die Demo am 10. Mai 2008 in der Stadtverwaltung Rochlitz, wo auch der Staatschutz Chemnitz anwesend war, folgte ein Beamter dem Demoanmelder durch die gesamte Stadt.
Gab es Reaktionen vom Farmbetreiber oder der Menschen in Rochlitz?
Wir unternahmen eine Flyeraktion im Ortsteil Döhlen, wo sich die Farm befindet. Dabei warfen wir in jeden Briefkasten einen Handzettel, mit der Bitte, sich am Protest zu beteiligen. Leider gab es keine Rückmeldungen. Einige AktivistInnen befragten zudem die unmittelbaren NachbarInnen Schirmers und EinwohnerInnen Döhlens, was sie von der Pelzfarm halten. Viele sind gegen eine solche Farm, aber solange Arbeitsplätze geschaffen werden, finden sie es in Ordnung. Die Meinungsbildung ist anscheinend stark von der DDR-Vergangenheit geprägt.
Auch zu den Demos gibt es wenig Unterstützung seitens der Bevölkerung, trotz großer und mehrmaliger Ankündigung in der dortigen Tagespresse. Zur ersten Demo waren neben der massiven Polizeipräsenz noch viele MitarbeiterInnen der Farm vor Ort, um auch teilweise zu diskutieren. Zur zweiten Demo ließen sich keine Angestellten mehr blicken. Schirmer selbst verweist in der Presse immer wieder auf die hohen Standards der Farm, welche über die geforderten EU-Richtlinien hinausgehen. Die Leute, die etwas gegen seine Farm hätten, wollten sich nur profilieren.
Neben etwa 12.000 Nerzen werden auf der Farm auch Marderhunde gefangen gehalten. Wisst ihr wie viele dieser Tiere dort sind?
Schirmer hält rund 12.000 Nerze und Frettchen sowie rund fünf Marderhunde gefangen. Die Marderhunde haben einen etwas größeren Käfig (etwa ein Kubikmeter). Die Zuchtpaare leben zu zweit in einem Käfig, darin befindet sich eine Holzbehausung. Ihre Nachkommen leben allein und ihnen wird eine solche Unterkunft nicht gewährt.
Auf der Kampagnenseite „www.anti-fur.tk“ ist zu lesen, dass die Farm ausgebaut wird um dort demnächst bis zu 41.000 Tiere einzusperren. Könnt ihr dazu was sagen?
Schirmer plant die Farm komplett für 1,5 Millionen Euro umfassend auszubauen, zu erweitern und zu modernisieren. Dies beinhaltet auch den angeschlossenen Innereiengroßhandel. Er kauft Schlachtnebenprodukte auf und verarbeitet diese zu Hunde- und Katzenfutter. Die Sanierung hat bereits begonnen. Woher er diese Investition nimmt ist bislang unklar. Etwa 7000 Nerze sind sog. Zuchttiere. Zwischen August und Oktober sollen 34.000 Jungtiere auf der Farm sein. Diese werden dann ermordet. Der Verkaufspreis für das Fell eines ermordeten Nerzes liegt bei etwa 60 Euro.
Ist es nicht widersprüchlich, dass die Farm ausgebaut wird, während die Bundesregierung erstmals spezifische Tierschutzregelungen für die „Pelztier“haltung in Deutschland erlassen hat? Die in der Verordnung festgelegten Mindestanforderungen machen die Haltung der Tiere ja teurer, wodurch, so der Gesetzgeber, die „Pelztierhaltung“ in Deutschland unrentabel werden sollte.
Offensichtlich scheint auch hier das sog. Tierschutzgesetz keine Verbesserung für die Tiere zu bringen. Die jetzt vom Regierungspräsidium geforderte Käfiggröße muss 1 m³ betragen, für Nerze mit Jungtieren größer. Damit müssen die Käfige größer als bislang sein. Die Pelztierverordnung, die ab 2011 gültig ist, schreibt jedoch noch größere Käfige vor. Ob Schirmer gleich größere Käfige einsetzt ist unklar. Doch egal wie groß die Käfige sind, unser Ziel ist die Schließung der Farm. Es gilt dem Pelzhandel ein Ende zu bereiten.
Für den 10. Mai ist die nächste, größere Demo angemeldet. Wann und wo geht es los?
Am Samstag, 10. Mai 2008 findet die nächste "anti-fur"-Demo statt. Los geht es ab 12:00 Uhr mit einer Kundgebung und Vokü auf dem Marktplatz in Rochlitz (Sachsen). Der Demozug durch Rochlitz startet ab ca. 13:00 Uhr. Geplant ist ein Infostand, eine nachgestellte Häutungsszene und diverse Redebeiträge. Aktuelles sowie die Anfahrt erfahrt ihr unter www.anti-fur.tk.
Unser Anspruch ist antispeziesistisch. Das Universelle Leben sowie Leute mit rechter Gesinnung sind nicht willkommen.

Fotos: die Tierfreunde e.V.
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