Interview

„Wir können den Pelzhandel in Deutschland,
ja in Europa abschaffen!“


Nach dem Ausstieg von P&C haben sich die Ereignisse um die Offensive gegen die Pelzindustrie (OGPI) fast überschlagen. Einer nach dem anderen haben auch Appelrath-Cüpper, Kaufhof und in Österreich Schöps, Turek und Fürnkranz ihren Ausstieg aus dem Pelzhandel angekündigt. Aus dem Grund haben wir Lisa von der OGPI gebeten, uns ihre Eindrücke zu den Ereignissen der letzten Zeit rund um die Arbeit der OGPI zu schildern und ihr dazu ein paar Fragen gestellt:


FRAGE: Hallo Lisa, bitte erzählt uns erst mal kurz was über dich selbst und die OGPI im Allgemeinen.

Lisa/OGPI: Ja, ok, ich bin Lisa von der Berliner Tierrechtsaktion (BerTA). Die Beteiligung an Kampagnen der Offensive gegen die Pelzindustrie ist einer der Schwerpunkte unserer Gruppe. Ich bin seit Anfang an, also seit der C&A-Kampagne, bei der OGPI. Wir koordinieren Kampagnen vor allem gegen Kaufhausketten, die Pelz verkaufen. Wir produzieren auch Infomaterial zum Thema Pelz.

FRAGE: Was war deiner Meinung der Auslöser für P&C West & P&C Nord, sich für den Ausstieg aus dem Pelzhandel zu entscheiden?

Lisa/OGPI: Genau kann ich das auch nicht sagen, leider. Ich würde es auch sehr gerne wissen. Es war sicher eine Kombination von verschiedenen Faktoren und vielen Aktionen. Ein Grund war sicher auch, dass die Kampagne einfach so lange gedauert hat, dass es noch immer regelmäßig Demos vor Läden gab und dass einfach klar war, dass wir die Kampagne nicht aufgeben würden bis Peek&Cloppenburg den Pelzhandel beendet.

Es ist auch deutlich zu sehen, wenn man die Aktionen anguckt, die alle passiert sind, dass die Aktionen der Tierbefreiungsfront immer mehr geworden sind im Laufe der Kampagne und dass die Aktionen auch persönlicher geworden sind, sodass die Verantwortlichen von P&C immer persönlicher betroffen waren von den einzelnen Aktionen. Die Demos vor Kaufhäusern sind von den Verantwortlichen natürlich sehr weit weg, doch wenn Demos vor ihren Wohnhäusern stattfinden, dann sind sie viel eher dazu gezwungen zu reagieren.

FRAGE: Wenn du dir die P&C-Kampagne noch mal vergegenwärtigst, was waren die Aktionen, die dich am meisten beeindruckt haben?

Lisa/OGPI: Oh, da waren echt viele Aktionen, die mich total gefreut und begeistert haben. Was ich ziemlich toll fand war, als die öffentlichen Auftritte von P&C gestört wurden. P&C war sehr oft bei Abi- oder Karriere-Messen mit einem Stand vertreten und z.B. in Hamburg, auch bei einer Abi-Messe, wurden 10-Euro-Gutscheine im Namen von P&C verteilt. Es gab mehrere Aktionen an diesem Tag, aber durch die Tatsache, dass so viele MessebesucherInnen zum P&C-Stand gekommen sind, die die Gutscheine einlösen wollten, haben P&C ihren Stand dann schließlich abbauen müssen.

Auch die Störaktion bei der P&C-Karrierelounge in Köln fand ich ziemlich super. Bei diesen Auftritten will P&C sich immer von seiner besten Seite zeigen und die Aktionen haben dies unmöglich gemacht.

Auch die Dachbesetzung in Wien fand ich super, weil dort klar zu sehen war, dass viele ganz normale Leute die Kampagne toll fanden und gejubelt und applaudiert haben.

FRAGE: Wie fühlt man sich, wenn nach einer so langen Kampagne (4 Jahre!) die Ausstiegs-Presserklärung von P&C ins Postfach flattert?

Lisa/OGPI: Erst mal etwas skeptisch. Man weiß ja nicht vorher, wann so was kommen wird und es ist somit immer überraschend, besonders nach so langer Zeit, und man ist sich nicht sicher, ob‘s wirklich stimmen kann. Als das aber klar wurde, war ich total euphorisch, denn die Proteste bringen doch was – man zweifelt schon manchmal. In Berlin haben wir diese Meldung schon gut gefeiert. Natürlich waren wir auch etwas erleichtert – es macht nicht immer Spaß, schon wieder vor dem gleichen Laden zu stehen.

FRAGE: P&C West hat ja in ihrer Presseerklärung nur von einem vorläufigen Ausstieg aus dem Pelzhandel gesprochen. Wie schätzt du das ein und wie wird die Offensive gegen die Pelzindustrie damit umgehen?

Lisa/OGPI: Tja, diese Presserklärung ist natürlich problematisch. P&C haben natürlich absichtlich ein Hintertürchen offen gelassen. Aber, ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass sie, nach allem was sie erfahren mussten, so schnell wieder einsteigen werden. Wir werden die Sache sehr genau beobachten und so vorläufig ihr Ausstieg ist, ist die Einstellung der Kampagne auch nicht unwiderruflich. Wir werden sehen, was in Zukunft passiert.

FRAGE: Wie schätzt du den Erfolg gegen P&C auf internationaler Ebene ein? Hat er eine Signalwirkung in der Textilbranche?

Lisa/OGPI: Ach, das hat eine Riesenbedeutung, das ist wirklich ein großer Erfolg. Es hat auch eine große Auswirkung auf die Pelzindustrie, die ja eh sehr am Schwächeln ist. Und wenn man bedenkt, wie viele Läden P&C hat, und die alle haben Pelze verkauft, und die werden alle bald pelzfrei sein, das hat schon eine sehr große Bedeutung. Wir dürfen auch nicht unterschätzen, welche Wirkung der Ausstieg von diesen zwei Unternehmen [P&C West & P&C Nord)] auf andere hat. Nach dem Ausstieg von P&C haben wir ja erst Appelrath-Cüpper und dann noch Kaufhof überzeugen können ähnlich zu reagieren und auch aus dem Pelzhandel auszusteigen. Und in Österreich ganz genauso: Schöps, Turek, Fürnkranz sind auch in den letzten Monaten ausgestiegen und das ist direkt oder indirekt auch eine Auswirkung der P&C Kampagne. Andere Unternehmen beobachten den Kampagnenverlauf genau und sie wissen, was auf sie zukommen kann.

Am Anfang der ersten Kampagne gab es so viele Modeketten, die Pelz verkauft haben. Jetzt sind es echt viel weniger, die größten sind jetzt, oder werden, pelzfrei.

FRAGE: In welchem Verhältnis stehen Antipelz-Kampagnen, wie sie die OGPI führt, zum weiteren Bereich der Tierausbeutung insgesamt? Warum engagierst du dich vor allem gegen die Pelzindustrie, die ja ohnehin schon von vielen Menschen abgelehnt wird? Ist das nicht klassische Tierschutzpolitik, da einzusteigen, wo man ohnehin die meisten Leute auf seiner Seite hat?

Lisa/OGPI: Also klassische Tierschutzarbeit ist für mich sich für Reformen zu engagieren oder nur bestimmte Tierarten vor Ausbeutung schützen zu wollen. Die OGPI vertritt eine klare Tierrechts-Position, also die komplette Abschaffung der Pelzindustrie und keine Reformen. Wir versuchen das auch in unserem Infomaterial und auf unserer Website deutlich zu machen.

Genau weil viele Menschen Pelz schon ablehnen sehe ich dir Möglichkeit das zu benützen tierrechtlerische Inhalte rein zu bringen und Menschen dafür zu sensibilisieren und aufzuklären. Und weil die Pelzindustrie ohnehin schwach ist, ist das ein guter Grund, die Pelzindustrie anzugehen. Da können wir eine echte Wirkung haben. Wir können den Pelzhandel in Deutschland, ja in Europa abschaffen!

FRAGE: Wie wird es jetzt bei der Offensive gegen die Pelzindustrie weitergehen, nachdem ein paar so wichtige Kaufhausketten den Ausstieg aus dem Pelzhandel erklärt haben?

Lisa/OGPI: Es gibt immer noch Unternehmen, die Pelze verkaufen. Leider haben wir diesmal kein gemeinsames Ziel gefunden, doch die OGPI in Österreich hat jetzt, nach den ganzen Ausstiegen dort, eine neue Kampagne gestartet gegen Kleider Bauer, und die ist erst mal recht gut angelaufen.

In Deutschland recherchieren wir gerade, um ein Unternehmen zu finden, das für eine Kampagne am geeignetsten ist. Wir schauen, welche Firmen Pelz verkaufen, wie sie sich zum Pelzverkauf äußern, schauen die Firmenstrukturen an und gucken, dass sie möglichst bundesweit vertreten sind.

FRAGE: Gibt’s zum Abschluss noch etwas zu sagen?

Lisa/OGPI: Ich hoffe, dass alle von den erwähnten Erfolgen genauso begeistert sind wie ich. Ich finde, wir können stolz sein. Es war eine sehr harte Kampagne, aber wir haben sie gewonnen und das zeigt, dass wir gewinnen können und dass wir damit auf dem richtigen Weg sind den Pelzhandel abzuschaffen. Ich hoffe deshalb, dass sich alle auch an einer neuen Kampagne beteiligen werden.

Das Interview mit Lisa erschien erstmal in der "Tierbefreiung 53"