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Dem Pelzhandel schwimmen die Felle weg
Rückblick und Augenblick der erfolgreichen Anti-Pelz-Kampagnen der Offensive gegen die Pelzindustrie
Im August erklärten sowohl Peek&Cloppenburg Nord in Hamburg als auch Peek&Cloppenburg West in Düsseldorf, dass sie - nach Abverkauf der Restware - den Pelzhandel einstellen werden. Die Freude war groß, immerhin dauerte die Anti-Pelz Kampagne gegen P&C schon an die 4 Jahre. Doch erst Wochen später zeigte sich, welche Auswirkungen diese erfolgreich beendete Kampagne wirklich hatte...
Die Anfänge der P&C Kampagne
Als am 16. November 2002 TierrechtlerInnen vor Peek&Cloppenburg (P&C) in Wien gegen den Handel mit Pelzprodukten demonstrierten, ahnte noch niemand, dass dies der Anfang der bisher längsten und härtesten, aber auch folgenreichsten Kampagne der Grassroots-Tierrechtsbewegung im deutschsprachigen Raum sein würde.
Eine Woche später gab es auch die ersten Proteste bei P&C Berlin und, nachdem die Offensive gegen die Pelzindustrie (OGPI) das Unternehmen als Ziel ihrer neuen Kampagne ausgerufen hatte, starteten in mehreren Städten in Deutschland lokale Gruppen ihre regelmäßigen Aktivitäten gegen den Pelzhandel bei P&C.
Nach den Erfolgen gegen C&A, den Otto-Versand und die KarstadtQuelle AG setzte die Offensive gegen die Pelzindustrie diesmal darauf, einen wirklich großen, internationalen Bekleidungskonzern aus dem Pelzhandel zu drängen. P&C hatte damals in so gut wie allen seiner über 100 Niederlassungen Bekleidung mit Pelzkrägen, -innenfutter und Accessoires aus Pelz im Sortiment. Besonders in den so genannten Weltstadthäusern, also den besonders großen Filialen, wie etwa in Berlin, Frankfurt/Main oder Wien, war ein guter Teil der Damenoberbekleidung mit Tierpelz bestückt. Und P&C scheute auch nicht davor zurück, Pelze in ihren Schaufenstern auf einigen der wichtigsten Einkaufsstraßen Europas, wie der Zeil (Frankfurt), dem Kuhdamm (Berlin) oder (auf) der Mariahilfer Straße (Wien) anzupreisen.
Die Reaktionen der FilialleiterInnen auf die Proteste waren anfangs je nach Gemüt sehr unterschiedlich: Die einen leugneten schlicht, dass P&C Pelz verkaufe, die anderen fanden es nur zum Lachen, manche fühlten sich offenbar sogar persönlich angegriffen und rissen AktivistInnen Flugblätter aus den Händen. Eines war jedenfalls klar, die P&C-Kampagne erregte die Gemüter, und wenn nicht von Anfang an, dann spätestens nach der ersten Wintersaison von Protesten. Immer wieder gab es heftige Diskussionen innerhalb der Tierrechtsbewegung, ob dieses Unternehmen wirklich zu schaffen sei, ob man sich diesmal vielleicht etwas übernommen habe. Und ein paar Kluge waren auch ganz schnell zur Hand mit "Zielen, die realistisch gewesen wären" oder Gründen, warum P&C einfach nicht zu "knacken" wäre. All diejenigen, die immer gezweifelt haben, sind jetzt jedenfalls eines Besseren belehrt...
Innerhalb nur weniger Wochen waren es bereits ein Dutzend Städte, in denen gegen die tierverachtende Geschäftspolitik von P&C regelmäßig demonstriert wurde.
Die Vorweihnachtswoche, die umsatzreichsten Tage im ganzen Jahr, war für P&C in mehreren Städten von Protesten vor den Eingängen geprägt. Zwar waren es oft nur eine Handvoll AktivistInnen, die da bei jedem Wetter vor den Eingängen der Bekleidungskette mit Transparenten, Infotisch und Unterschriftenlisten standen, doch übersehen konnte man sie dennoch nicht.
Am 21.12.2002 folgte die erste große Aktion des zivilen Ungehorsams bei P&C in Dortmund: Zwei Aktivisten erklommen das Vordach, breiteten ein Transparent mit der Aufschrift "Schluss mit dem Pelzhandel bei Peek & Cloppenburg" aus und informierten durch ein Megaphon die zahlreichen PassantInnen, die sich vor dem Kaufhaus sammelten. Während eine Aktivistin im 'blutigen' Pelzmantel von innen das Schaufenster betrat, wurde von außen rund 50 Liter Kunstblut gegen die Scheibe gekippt. Rund 20 TierrechtlerInnen postierten sich dazu noch vor den Auslagen mit Transparenten und skandierten Parolen. Wie zu erwarten, wurde die Aktion von der Polizei beendet.
Dauerdemos
In den folgenden Wochen, wurde der Protest auf zusätzliche Regionen ausgeweitet und am ersten kampagnenweiten Aktionstag, kurz nach Neujahr 2003, gab es bereits in 14 Städten Aktionen bei P&C. Vor allem AktivistInnen aus dem Ruhrgebiet gelang es damals oft, in lokalen Medien Erwähnung zu finden. Sie verlegten ihre Kundgebungen und Demos vor P&C-Filialen in nahe gelegene Kleinstädte, wo erfahrungsgemäß Proteste mehr Medieninteresse auf sich ziehen.
Diese Art von Protest, also kleine Demos bzw. Kundgebungen mit wenigen AktivistInnen, bildeten das 'Rückgrat' der Kampagne. Von Anfang bis ganz zum Ende der P&C-Kampagne wurden in einigen Städten regelmäßige Proteste vor den Eingängen der P&C Filialen abgehalten. Meist jeden Freitag oder Samstag Nachmittag, wenn die meisten Menschen in den Einkaufsstraßen unterwegs sind, wurde mit Transparent, Infotisch und Flugblättern auf den Pelzhandel bei P&C aufmerksam gemacht. AktivistInnen der Städte Hamburg, Berlin, Wien, Frankfurt und Essen haben praktisch die ganzen vier Jahre lang auf diese Weise den Druck aufrecht erhalten. Darüber hinaus haben viele andere AktivistInnen in ihren Regionen auch häufig Proteste abgehalten, zum Teil auch über Jahre hinweg.
An Aktionstagen fanden in bis zu 25 Städten vor, in und auf P&C Proteste statt. Die rund 1500 Aktionen, die bis zum Ende der Kampagne gezählt werden konnten, waren zum Großteil solche, welche von nur wenigen AktivistInnen getragen wurden.
Abgesehen von kurzen Sommerpausen und trotz Schwankungen, zeigten die ständigen Demos vor den Läden P&C, dass die Kampagne so schnell nicht aufgeben würde, angesichts der Beharrlichkeit und des Durchhaltevermögens einiger lokaler Tierrechtsgruppen.
Ziviler Ungehorsam
Nach wenigen Monaten gingen AktivistInnen dazu über, mit zum Teil Aufsehen erregenden Aktionen des zivilen Ungehorsams P&C's tierfeindliche Geschäftspolitik noch mehr an die Öffentlichkeit zu bringen. Dachbesetzungen, Go-Ins, Lock-Ons und Störaktionen waren für P&C unberechenbare und damit unvermeidbare Unannehmlichkeiten, die sie auch den Großteil der Kampagne begleiteten.
- Go-Ins
Schon bald nach Start der Kampagne begannen TierrechtlerInnen die Proteste auch direkt in die Läden von P&C zu tragen. In kurzen Überraschungsaktionen hielten AktivistInnen im Ladeninneren Demos ab und warfen kleine Wurfschnippsel in großen Mengen, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Meist konnten die AktivistInnen entkommen, die eine oder andere Anzeige wegen Hausfriedensbruch (Deutschland) bzw. Störung der öffentlichen Ordnung (Österreich) gab es leider dennoch.
Ein Go-In, das bei P&C sicher für sehr viel Aufregung gesorgt haben dürfte, fand Ende September 2004 in Hamburg-Mundsburg statt. Aus dem Aktionsbericht: "...Mit Schildern, ca. 2000 Wurfschnipseln und einem Megaphon ausgestattet konnten wir lautstark auf P&Cs Handel mit "Pelzen" aufmerksam machen. Wir brachten an zwei Stellen im Geschäft Alarmpieper an. Die ganze Filialie wurde daraufhin evakuiert. Das Piepen wurde für den Feueralarm gehalten.
Bei den Piepern handelt es sich um streichholzschachtelgroße Geräte. Sie sind in Armyshops erhältlich und funktionieren über einen Stiftmechanismus. Ihr eigentlicher Zweck ist, in Notsituationen auf sich aufmerksam machen zu können. Sie sind nicht ausschaltbar."
- Dachbesetzungen, Lock-Ons
TierrechtlerInnen, die bereit waren, Gerichtsverfahren und daraus folgende Strafen auf sich zu nehmen, haben des öfteren während der Kampagne spektakuläre Dachbesetzungen oder Ankett-Aktionen durchgeführt. Wie schon ganz zu Beginn der Kampagne, waren Dachbesetzungen auch in den letzten Monaten vor der Kapitulation P&Cs noch immer ein spektakuläres und daher effektives Mittel die Öffentlichkeit aufzurütteln: Als im Mai 2006 zwei Wiener TierrechtlerInnen das Vordach der Österreich-Zentrale von P&C erklommen und eineinhalb Stunden durch Megaphon, Flugblätter und Transparent auf den Pelzhandel von P&C aufmerksam machten, sammelte sich eine regelrechte Menschenmenge vor dem Eingang und auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Als die beiden AktivistInnen dann von einer Spezialeinheit der Polizei mit Kletterausrüstung vom rund 4-5 Meter hohen Dach evakuiert wurden, johlte die Menge. Den anwesenden P&C ManagerInnen, war das Spektakel offensichtlich alles andere als angenehm.
Immer wieder ketteten sich AktivistInnen bei P&C fest. An Geländer oder Kleiderständer im Laden oder an die Türen, bevor die Filiale geöffnet wurde. Nach mehreren Aktionen dieser Art, waren Kaufhaus-Securitys in Berlin offenbar schon besonders gut vorbereitet. So ketteten sich ein Aktivist und eine Aktivistin am 08.10.2005, einem Aktionstag gegen P&C, in einer Filiale in Berlin fest. Nach wenigen Minuten Skandieren und Flugblätter verteilen kam das Sicherheitspersonal zu den AktivistInnen und sperrte die Handschellen ganz einfach auf. P&C hatte sich offenbar darum gekümmert, mögliche Schlüssel für Handschellen, im Fall von weiteren Ankettaktionen, zur Hand zu haben. Die Aktion wurde daraufhin - zur Freude P&C's - abgebrochen, die AktivistInnen bekamen allerdings auch keine Anzeigen.
- Störungen bei öffentlichen Auftritten
Es endete mit einem 'blut'verschmierten Infotisch, in Kunstblut getränktem Infomaterial und einem gestörten Vortrag der P&C-Managerin Christine Wald. Die 'Einstieg' Abi-Messe in Berlin (September 2003) ist ein passendes Beispiel, wie immer wieder öffentliche Auftritte von P&C gestört wurden. Als Rekrutierungsmöglichkeit für zukünftige MitarbeiterInnen gedacht, drehten sich die Planungen der P&C-Auftritte auf solchen Messen wohl immer auch um das Thema Sicherheit, da zum Beispiel in Wien jahrelang kein Messeauftritt von P&C ohne Störaktionen stattfinden konnte. Etwas peinlich wirkte dann auch, dass P&C den einzigen Messestand betreute, der permanent von Sicherheitspersonal bewacht wurde. Doch selbst dies hinderte einen Tierrechtler am 05.03.2005 nicht daran, sich zur Galerie der Messehalle in 4 Meter Höhe Zutritt zu verschaffen, ein Transparent mit der Aufschrift "Tiere sterben für Peek&Cloppenburg - Pelz ist Mord!" zu befestigen und per Megaphon die Anwesenden über den Pelzhandel bei P&C aufzuklären. Der Aktivist musste sich so nicht einmal dem Stand von P&C nähern, erreichte aber trotzdem alle MessebesucherInnen.
- Telefonaktionen/Electronic Civil Disobedience
Für den geregelten Ablauf der Geschäfte von Unternehmen wie P&C ist die firmeninterne und -externe Kommunikation von besonderer Bedeutung. Funktioniert diese nicht, kommt es zu Verzögerungen, Stress, eventuell sogar Umsatzeinbußen, und darunter leidet natürlich auch das Arbeitsklima. Dies machten sich anonyme AktivistInnen immer wieder zu Nutze, indem sie zu Telefonaktionstagen gegen einzelne P&C-Manager oder Filialen aufriefen. Nachdem die Telefonleitung des Sekretariats der Geschäftsleitung von P&C stundenlang blockiert war, hoben die Verantwortlichen zum Teil das Telefon nicht mehr oder nur merklich genervt ab.
Nach Jahren von Protesten wurden die Aktionen zunehmend in die Privatsphäre der Verantwortlichen von P&C verlagert: So riefen AktivistInnen zu Telefon- und E-Mail-Aktionstagen auf, als der Geschäftsführer von P&C West, Harro-Uwe Cloppenburg, mit Familie in Malaga/Spanien ein Familienfest feierte. Elisabeth Cloppenburg, wichtigste Gesellschafterin von P&C West, und Patrick Cloppenburg, Sohn von Harro-Uwe Cloppenburg und ebenso beschäftigt bei P&C, wurden tagelang am Telefon im Hotelzimmer bzw. am Mobiltelefon mit Anrufen bombardiert. Der Familie Cloppenburg dürfte damit deutlich geworden sein, dass nach so vielen Jahren Kampagne immer mehr auch persönliche Informationen nach Außen dringen. Dies dürfte mit ein Grund gewesen sein, schließlich der Kampagne nachzugeben.
Anonyme InternetaktivistInnen starteten im Februar 2005 den sog. Electronic Civil Disobedience (ECD), wobei mittels einer speziellen Software im Internet Menschen aus aller Welt miteinander online chatten konnten. Für jedes getippte Wort wurde automatisch eine Mail an P&C und andere mit der Pelzindustrie in Verbindung stehende Unternehmen geschickt. Aufgrund der Teilnahme von über 500 Menschen aus allen Teilen der Welt, muss davon ausgegangen werden, dass dies den E-Mail-Verkehr von P&C temporär erheblich behindert hat. In einem Artikel einer Online-Zeitung (de.internet.com) räumt eine Sprecherin des Deutschen Pelzinstituts (DPI), derer Lobbyorganisation der Pelzwirtschaft, ein, ebenfalls Ziel der Aktion gewesen zu sein. Die Mailflut habe den Arbeitsablauf des DPI "erheblich behindert" , weil zehntausende Mails den Posteingang verstopft hätten.
- Homedemos
Anfangs zeigte sich das P&C Management in Düsseldorf noch gesprächsbereit. Nach wenigen Monaten brachen sie allerdings den Kontakt zur Offensive gegen die Pelzindustrie, die die Kampagne koordinierte, ab und nahmen damit die Haltung ein, die sie bis zum Ende der Kampagne durchzogen: Proteste ignorieren zu versuchen, die Kampagne auszusitzen und am besten alles totzuschweigen. P&C war nie zu einer Stellungnahme den Medien gegenüber bereit. Daher gingen AktivistInnen dazu über, die Entscheidungsträger, also diejenigen Personen, welche die Entscheidungen bei P&C treffen, persönlich zur Verantwortung zu ziehen. Ab März 2003 fanden immer wieder so genannte Homedemos vor den Wohnhäusern von P&C Managern statt. Zwar wurde diese Form des Protests im Laufe der Kampagne immer weniger benützt, sie wurde dann aber vor allem in den letzten Monaten wieder intensiv bemüht, um die Entscheidungsträger öffentlich zu machen und ihr Umfeld über ihre Verantwortung zu informieren.
Ende Oktober 2005 hielten TierrechtlerInnen erstmals vor dem Haus Harro-Uwe Cloppenburgs eine unangemeldete Fackelmahnwache zur Erinnerung an die Millionen Opfer der Pelzindustrie ab. Nicht nur der massive Polizeieinsatz erregte Aufmerksamkeit, aufregend war auch der Auftritt Hendrik Cloppenburgs, Sohn von Harro-Uwe und selbst Manager bei P&C West: Er forderte Aktivisten zum Faustkampf auf und wollte mit ihnen um die Ecke gehen, "es unter sich ausmachen". Harro-Uwe Cloppenburg selbst war an diesem Tag leider im Urlaub in Spanien, doch die anwesende Haushälterin war sehr interessiert an den Anliegen der TierrechtlerInnen und gab auch ihrerseits einiges an Informationen aus dem Leben des Herrn Cloppenburg zum Besten.
weiter mit Teil 2