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P&C kündigt Ausstieg aus dem Pelzhandel an
Aktionsreicher Sommer dürfte den Ausschlag gegeben haben
Auf diesen Tag haben alle PelzgegnerInnen lange gewartet: Am 16. August 2006 erschien in der österreichischen Zeitung „Der Standard“ ein Artikel mit der Mitteilung, dass Peek und Cloppenburg West aus dem Pelzhandel aussteigen wird. Noch am selben Tag bestätigte P&C diese Information telefonisch und in einem Schreiben an die „Offensive gegen die Pelzindustrie“. Demnach will P&C West alte Bestände noch bis zum 31.12.2006 „abverkaufen“. Nur zwei Tage und unzählige Telefonate später gab auch P&C Nord, das nach eigenen Angaben völlig unabhängig von P&C West wirtschaftet, den Pelzausstieg bekannt. P&C Nord wurde in seiner Presseerklärung konkret: „Aufgrund des aktuellen Interesses der öffentlichen Meinung möchte die Unternehmensleitung der Peek&Cloppenburg KG Hamburg erneut darüber informieren, dass seit Anfang der 90er Jahre jeglicher großteiliger Pelzverkauf mit Rücksicht auf die Interessen des Tierschutzes eingestellt wurde.“ Weiter teilt das Unternehmen mit, dass nun auch alle „Kleinst-Applikationen“ mit Pelz bis Mitte 2007 verschwunden sein werden.
Einschränkungen
In den letzten Monaten hatten sich die Gerüchte verdichtet, dass innerhalb von P&C über einen Ausstieg aus dem Pelzhandel gestritten wird. Die Freude und Genugtuung, endlich - nach vier Jahren der Kampagne mit insgesamt 1460 dokumentierten Aktionen diesen großen Erfolg für die Tiere errungen zu haben, ist berechtigt, führt aber nicht dazu, nun alle Flugblätter gegen P&C zu schreddern. Im Gegensatz zu P&C Nord gaben P&C-West-VertreterInnen bei Telefonanfragen keine Begründungen für den Pelz-Stopp an. Ohne eine Korrektur der Geschäftspolitik mit einer Fixierung der Ablehnung von Echtpelz kann P&C sich ein Hintertürchen offen halten, um eines Tages wieder ins Pelzgeschäft zurückzukehren. Und mehr: Am Telefon wurde sogar ausgeplaudert, dass sich die Geschäftsführung Ende 2007 noch einmal zusammensetzen möchte, um die Entscheidung zu überdenken und gegebenenfalls zu korrigieren.
Heißer Sommer vor dem Herbst
Der traditionelle „Heiße Herbst“ gegen den Pelzhandel bei Peek & Cloppenburg begann dieses Jahr ein wenig früher. Seit Beginn der Kampagne gegen P&C im Dezember 2002 hatte es nie so viele Aktionen in der sonst eher ruhigen Sommerphase gegeben wie in diesem Jahr.
Dass Peek und Cloppenburg Pelz verkaufte (und noch immer verkauft), hat wirtschaftliche Gründe. Für P&C ist „Pelz“ eben nicht die Haut eines ermordeten Individuums, sondern eine Textilie. Was in den Regalen bei P&C verkauft wird, entscheiden einige wenige. Als Geschäftsführer stehen vor allem Harro-Uwe-Cloppenburg (P&C West), sowie James Cloppenburg und Dirk Schröder (P&C Nord) im Mittelpunkt. Die Geschäftsführer bekamen den Druck einer Antipelz-Kampagne in den letzten Monaten vermehrt zu spüren. Nachdem bereits die ALF (Animal Liberation Front) bei zwei Autos auf James Cloppenburgs Grundstück im September letzten Jahres die Scheiben verätzt und den Lack abgebeizt hatte, wurde er in letzter Zeit des öfteren auf weitaus weniger militante Weise von AktivistInnen besucht. Am 21. Juni führten AktivistInnen an der Privatadresse von James Cloppenburg eine so genannte Home-Demo durch. Das Ziel von Home-Demos ist es, den Tätern klarzumachen, dass ihre Verantwortung für den Mord an so genannten „Pelztieren“ nicht aufhört, wenn sie ihr Büro verlassen, sondern dass auch der private James Cloppenburg für den Mord an nichtmenschlichen Tieren verantwortlich ist. Bereits am 29. Mai wurden laut Aktionsbericht der AktivistInnen 300 Flugis in der direkten Nachbarschaft verteilt. Drei Tage später sprühten überdies Unbekannte „JAMES CLOP. MÖRDER OGPI.DE“ an die Wand einer S-Bahn-Haltestelle in James Cloppenburgs Nachbarschaft. Auch Dirk Schröder wurde nicht von Home-Demos verschont: Zwei Mal demonstrierten TierrechtlerInnen vor seiner Privatwohnung und verteilten insgesamt rund 1.500 Flugblätter über ihn in seiner Nachbarschaft.
Neben drei weiteren Home-Demos in Hamburg wurden zwei in Ratingen, eine in Grambeck, eine in Düsseldorf und eine in Berlin durchgeführt. Betroffen waren dabei der Filialleiter einer P&C Filiale, der Geschäftsführer von P&C West Harro-Uwe Cloppenburg, ein Mitglied der P&C-Nord Unternehmensleitung, einer der Gesamtprokuristen der Nord KG und mehrere KommanditistInnen.
KommanditistInnen als Aktionsziele
Getreu nach dem Prinzip „know your enemy“ ist es wichtig, über seinen „Gegner“ Bescheid zu wissen, um zu verstehen, wie bspw. ein Unternehmen funktioniert und wie die Entscheidungsfindung abläuft. Peek & Cloppenburg West und Nord sind Kommanditgesellschaften und sehr familiär orientiert. Alle KommanditistInnen der Nord KG müssen beispielsweise Familienmitglieder sein, um als Teilhaber an P&C Nord beteiligt sein zu dürfen. KommanditistInnen erhalten Teile der Gewinne, die P&C erwirtschaftet; die Höhe steht in Relation zu der Höhe der Eigenbeteiligung an P&C.
Seit kurzem standen diese verstärkt im Fokus der Aktivitäten. Immer wieder waren sie Ziel von sich in letzter Zeit häufenden, sogenannten „Telefonaktionstagen“, bei denen private oder berufliche Telefon- oder Faxnummern veröffentlicht wurden und dazu aufgerufen wurde, zu einem bestimmten Zeitpunkt dort anzurufen, um die Telefonleitungen lahm zu legen und Druck auf die Verantwortlichen zu erzeugen. Meist wurden auch E-Mail- und Postadressen veröffentlicht, was dazu führte, dass einige Menschen an diese Adressen Waren von Online-Versänden o.ä. schicken ließen, oder die E-Mail-Adressen in Werbe-Newsletter eintrugen. Dem Nord-Kommanditisten Jörg Cloppenburg wurde sogar ein Leichenwagen bestellt. In einem anonym verschickten Aktionsbericht heißt es „heute mittag wurde für jörg cloppenburg ein bestattungsunternehmen beauftragt um ihn abzuholen...“.
Eine besondere Form des Telefonprotests ereignete sich um den 11. Juli dieses Jahres: Vermutlich aus familieninternen Quellen erfuhren PelzgegnerInnen, dass sich die Familie von Harro-Uwe Cloppenburg im spanischen Malaga aufhielt, um dort in einem Hotel den Geburtstag seiner Frau Irmelin zu feiern. Ein anonym im Internet verbreiteter Aktionsalarm rief dazu auf, die Party zu stören. Kontaktnummern des Hotels, die Handynummer des 24-jährigen Cloppenburg-Sohns Patrick, der auch Teil des Familienkonzerns ist, sowie die direkte Durchwahl zu den Bungalows von Harro-Uwe und von Elisabeth Cloppenburg wurden veröffentlicht. Es wird wohl ein Schock für den versammelten Cloppenburg-West-Clan samt Freundeskreis gewesen sein, als sie bemerken mussten, dass die AktivistInnen sogar ihre privaten Urlaube stören.
Direkte Aktionen - Unterstützung durch die Tierbefreiungsfront
Auch die Animal Liberation Front begann, KomanditistInnen als Ziel ihrer Aktionen zu wählen. Der Nord-Kommanditist Jörg Cloppenburg musste wohl am Morgen des 16. Juni mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren, da seine Autos von AktivistInnen der Animal Liberation Front fahruntüchtig gemacht worden waren - Reifen waren zerstochen, Scheiben verätzt, Schlösser verklebt und der Lack abgebeizt. In ihrem BekennerInnenschreiben warnt die ALF die P&C KommanditistInnen: „wir wissen wo wir euch treffen können. alle gesellschafter von puc sind dran. keine kompromisse.“
„Coplan corporate images“ - diesen Namen werden sich die AktivistInnen der OGPI wohl merken. Die ALF verübte in der Nacht auf den 2. August einen Anschlag auf den Jaguar von Rolf Conradi, dem Geschäftsführer der Firma Coplan, welche seit neuestem die PR-Arbeit für Peek und Cloppenburg West macht. (Anmerkung der Redaktion: Die Geschäftsleitung der Firma Coplan teilte den tierbefreiern e.V. nach Veröffentlichung des BekennerInnenschreibens mit, dass sie seit Beginn des Jahres 2006 „nicht mehr für das Unternehmen Peek und Cloppenburg tätig ist.“)
Laut BekennerInnenschreiben wurde die Nobelkarosse des Herrn Conradi mit Lackabbeizer überkippt, alle Reifen zerstochen, die Schlösser verklebt und der Auspuff mit Montageschaum zugespritzt. Die ALF wies darauf hin, dass „SOLANGE PEEK&CLOPPENBURG PELZE VERKAUFT“ auch „ALLE GESCHÄFTSPARTNER ZIEL DER KAMPAGNE“ sind.
Darüber hinaus schlugen die AktivistInnen der verschiedenen ALF-Zellen an mehreren anderen Aktionsorten zu. Im westfälischen Münster wurden die Scheiben einer Filiale mit Pflastersteinen beworfen, in Hamburg wurden die Türen des Waren- sowie der Personaleingangs einer P&C-Filiale verklebt und bei einer Escada-Filiale in Velden/Österreich wurden (ebenfalls) die Schlösser verklebt, da Escada P&C mit Pelzen belieferte. Im österreichischen Langenzersdorf wurde ein Warenlager von Peek und Cloppenburg angegriffen: „WIR HABEN IN DER NACHT DIE MEISTEN FENSTER UND GLASTÜREN IM ERDGESCHOSS DES WARENLAGERS IN LANGENZERSDORF ZERSCHMETTERT: ETWA ZWANZIG STÜCK: DANN HABEN WIR EINE GRÖSSERE MENGE STINKENDE BUTTERSÄURE IN EIN GROSSRAUMBÜRO MIT ETWA ZEHN COMPUTERN UND IN DIE LAGERHALLE MIT KLEIDUNG GEWORFEN: COMPUTER UND KLEIDUNG TRAF AUCH BUTTERSÄURE.“ Das BekennerInnenschreiben endet mit den Zeilen „WIR HABEN DEN LÄNGEREN ATEM FÜR DIE TIERE: ALF“
Demos, Demos und noch mehr Demos...
Wie immer standen AktivistInnen der Offensive gegen die Pelzindustrie derweil mit anhaltender Ausdauer in verschiedenen Städten vor den P&C Filialen, um dort die Bevölkerung auf den Pelzhandel von P&C aufmerksam zu machen. Besonders geballt wurden P&C Filialen zum Aktionstag am 27. Mai „belagert“. Vor insgesamt 24 verschiedenen Filialen von P&C wurde demonstriert. Einen Tag vor dem Aktionstag sind AktivistInnen in Wien Peek und Cloppenburg sprichwörtlich „aufs Dach gestiegen“. Zwei AktivistInnen der Basisgruppe Tierrechte (BAT) aus Wien führten eine Dachbesetzung durch und skandierten vom Vordach der Filiale Maria-Hilfer-Straße aus Parolen und hielten Banner gegen den Pelzhandel bei P&C. Erst nach über einer Stunde konnte die Polizei die beiden vom Dach herunterholen. Etwas mehr zu tun hatte die Polizei auch am 29. April in Kiel, wo eine Demo gegen P&C durch die Kieler Innenstadt führte. Gut 120 PelzgegnerInnen und TierbefreierInnen hatten sich eingefunden, um lautstark durch Kiel zu ziehen und die Bevölkerung über P&C´s Pelzhandel aufzuklären.
Vom 23. bis zum 30. Juni wurde eine Aktionswoche ausgerufen, in der Flugblätter an die Mitarbeiter von P&C verteilt wurden, um diese darüber aufzuklären, was es bedeutet in einem Pelz verkaufendem Unternehmen zu arbeiten und um sie zu motivieren, sich im Konzern für eine pelzfreie Kollektion stark zu machen. Im verteilten Flugblatt wurde darauf hingewiesen, dass nicht die „einfachen“ Angestellten, sondern lediglich die Entscheidungsträger Ziel der Kampagne sind. Viele Gruppen berichteten neben Ablehnung auch von Zuspruch seitens der Angestellten. Kein Wunder, da P&C in Holland beispielsweise pelzfrei ist, weil die Angestellten sich weigern, Pelz zu verkaufen und Pelzlieferungen wieder zurück nach Deutschland schicken.
Die Offensive gegen die Pelzindustrie wird nun sicherlich ganz genau beobachten, ob P&C seine Versprechen einhält. Der Erfolg bei P&C zeigt eines deutlich: Die Offensive lebt nicht davon, dass Menschen sich Artikel durchlesen und den Verlauf der Kampagne im Internet verfolgen. Erfolg stellt sich dann ein, wenn Menschen aufstehen und handeln. Und je mehr Menschen so oft wie möglich handeln, desto früher wird der Pelzhandel abgeschafft sein. JedeR kann seinen oder ihren Teil beitragen.
Kim-Alex Patricia