Aktion
Wien: Verleihung des Austrian Creative Fur-Award gestört
Fell als „edelstes Nebenprodukt der Nahrungskette“
Zur neunten Preisverleihung des Austrian Creative Fur-Award, die von der österreichischen ‚Bundesinnung der KürschnerInnen’ im Heeresgeschichtlichen Museum unter dem Motto ‚Pelz im Zeitgeist’ veranstaltet worden ist, gelangten zwei TierrechtlerInnen der 'Basisgruppe Tierrechte’ auf die Bühne des Geschehens. Ein Bericht aus der 'Tierbefreiung 54'
Pünktlich zur Prämierung des Gewinnermodells liefen sie auf den Laufsteg und hielten ein Transparent mit der Aufschrift ‚Pelz ist Mord’ hoch. Acht Sicherheitskräfte überwältigten sie nach kurzer Zeit und übergaben sie der Polizei. Gleichzeitig demonstrierten vor dem Eingang des Museums zwanzig Tierrechtlerinnen lautstark.
Die PR-Veranstaltung Austrian Creative Fur-Arward zielt darauf, ‚Pelz’ weiterhin als tragbaren Rohstoff für die Modeindustrie zu propagieren und vor allem unter jungen ModemacherInnen und InteressentInnen Nachwuchspotenziale für ‚Pelz’mode heranzuzüchten. Den Wettbewerb trägt die Kürschnerinnung mit führenden Modeschulen Österreichs aus, Zielgruppen sind SchülerInnen und StudentInnen. Das diesjährige Motto des Wettbewerbs hieß ‚Pelz Natürlich Natürlich Pelz’, unter dem die jungen ModemacherInnen ihre Entwürfe einreichen konnten. Das Stichwort Natürlichkeit stand mit der einzigen Bedingung zur Teilnahme in Verbindung: „Es durften nur Felle von Tieren aus der Nahrungskette (Lamm, Schaf, Ziege, Rind etc.) verwendet werden!“ (Pelz-Design Austria1). Auch der Bundesinnungsmeister Othmar Sladky betonte: „Die Modelle wurden aus dem edelsten Nebenprodukt der Nahrungskette gefertigt und sind somit ein absolutes Naturprodukt“.
Dass das Fell von Tieren wohl keineswegs als Naturprodukt von den Bäumen gepflückt wird, sondern ausschließlich durch Tötung leidensfähiger Lebewesen überhaupt erst benutzt werden kann, ist das eine. In Zeiten, wo Bioprodukte boomen, versuchen selbstredend auch PelzvermarkterInnen auf den Wagen aufzuspringen und mit Labeln wie ‚Naturprodukt’ ein besseres Gewissen zu schaffen. Da das Fell der Tiere eh durch ihre Bestimmung zum ‚Nutztier’ abfällt, muss man es dementsprechend auch ‚verwerten’. Klingt in einer tierverwertenden Gesellschaft logisch, doch nur fadenscheinig: „Durch Begriffe wie ‚Nutztierfelle’ wird bewusst versucht, die Hemmschwelle für ‚Pelz’ wieder zu senken, indem suggeriert wird, dass die betroffenen Tiere ohnehin und aus Notwendigkeit in Gefangenschaft gehalten und getötet werden müssen, sodass die Verwendung ihrer Häute und Felle eine Art des ‚Abfallreceyclings’ darstellen würde. Tatsache ist jedoch, dass die angeblichen ‚Abfälle’ von sogenannten Nutztieren wie beispielsweise Leder und Felle wesentlich dazu beitragen, dass die Tierausbeutungsindustrie weiterhin ein profitables Geschäft bleibt. Damit werden empfindungsfähigen Lebewesen in Rohmaterialien für industrielle Verarbeitungen verwandelt“, schreibt die Basisgruppe Tierrechte in ihrer Pressemitteilung. Auch dient diese PR-Masche dazu, den hauptsächlichen Marktanteil ihres blutigen Geschäftes zu verschweigen: So verdient sich die Pelzindustrie vorrangig durch gezüchtete und begehrte Pelze wie ‚Nerz’, ‚Fuchs’ etc. ihren Profit und ist damit neben ihren PelzabnehmerInnen hauptverantwortlich für die unzähligen weltweiten ‚Pelztier’farmen und die Jagd auf frei lebende ‚Pelztiere’.
Die grundsätzliche Aussage und Bedingung des Wettbewerbs, dass alle Felle sozusagen als Ausschussware von Tieren stammten, die der Mensch als Nahrungslieferanten missbraucht und tötet, konnte sogar anhand der eigens veröffentlichten PreisträgerInnenliste als Lüge entlarvt werden. So finden sich in der Liste der 17 DesignerInnen, die in die Endrunde gelangten, neben Tibet- und Toskana-Lämmern, Ziegen und Kaninchen ebenso Bisam, Biber und Persianer, deren Fleisch bekanntlich nicht gegessen wird, sondern die nur ihres Felles wegen gezüchtet bzw. umgebracht werden. „So ist zum Beispiel ‚Karakul-Persianer’ der ‚Pelz’ eines meist noch ungeborenen Schafes, welches vor der Geburt aus dem Leib der Mutter herausgeschnitten wird. Aber selbst wenn die Angaben der KürschnerInnen der Wahrheit entsprechen würden: Für die betroffenen Tiere macht es keinen Unterschied, ob sie ihres Pelzes oder anderer Körperteile wegen ihrer Freiheit und ihres Lebens beraubt werden.“
Die wiederkehrenden Störungen solcher Veranstaltungen verbuchen die PelzpropagandistInnen mittlerweile wohl unter der Rubrik ‚immer wiederkehrende Kolateralschäden’, so wie auch die Fur-Info Nr. 3 selbstherrlich verlauten lässt: „[...] heutzutage ist eine Veranstaltung ohne einen Auftritt der ‚Tierschützer’ ein NO-Event.“ Und bei den meisten der ModedesignerInnen und ZuschauerInnen der High-Society ist wohl auch Hopfen und Malz verloren. Dies umso mehr, wenn es sich um rein egozentrische Menschenmodelle wie die ‚Lagerfeld-Muse’ Carmen Kreuzer handelt, die von Pelz Design Austria wie folgt zitiert wird: „Jacken aus Fellen sind eine Art von Luxus für mich, auf den ich nicht verzichten will. Und ein bisschen Luxus muss schon sein... Ich habe einige Pelzjacken von meiner Mutter geerbt. Außerdem passen Pelze sehr gut zu Divas und eine Diva bin ich ja wohl!“
Störungen von und Demonstrationen gegen ‚Pelz’ und ‚Pelz’propagandistInnen jedoch sind weiterhin wichtige Symbolhandlungen, um der Pelzindustrie Gegenwind zu verschaffen und über ihr skrupelloses Treiben auf Kosten unzähliger Lebewesen aufzuklären. In der Presse schwanken die Informationen zwischen Einbrüchen und einem Wiedererstarken des Geschäftes mit ‚Pelzen’. Zahlen und Informationen können gefälscht sein. Jedoch gilt: Durch die Globalisierung wird sich auch in Zukunft die Einfuhr von Fellen aus den Billigarbeitslohnländern wie China mit ihren unzähligen ‚Pelzfarmen’ verstärken und die Preise für ‚Pelzprodukte’ (und damit ein weiteres Hemmnis gegen den Kauf von ‚Pelz’) senken lassen. Gleichzeitig jedoch bleiben die jahrzehntelangen Aufklärungsarbeiten von PelzgegnerInnen gesellschaftlich nicht ungehört, zumindest scheiden sich in der Öffentlichkeit beim Thema ‚Pelz’ die Geister. Michel Weber, Sprecher der Basisgruppe Tierrechte in der Presseerklärung: „Allein die Tatsache, dass die Bundesinnung der KürschnerInnen glaubt behaupten zu müssen, beim Austrian Creative Fur-Award würden ‚ausschließlich Felle aus der Nahrungskette’ verwendet, beweist, dass selbst sie sich der schwindenden Akzeptanz des blutigen Produktes Pelz bewusst sind.“
Tina Möller
1. Die Marke Pelz Design Austria wurde von den KürschnerInnen Österreichs geschaffen, um sich in der Öffentlichkeit unter einer gemeinsamen Marke präsentieren zu können. Unter dieser Marke finden alle Aktivitäten der Öffentlichkeitsarbeit statt.