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Das Gefühl und das Wissen, dass hier Unrecht geschieht - Tina Möller über die soziale Katastrophe der Tierausbeutung lesen

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Tierbefreiung - das aktuelle Tierrechtsmagazin:



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Carol. J. Adams: Zum Verzehr bestimmt – eine feministisch- vegetarische Theorie



erschienen bei Guthmann Peterson
ISBN: 3-900782-14-8





Das Gefühl und das Wissen, dass hier Unrecht geschieht

Tina Möller über die soziale Katastrophe der Tierausbeutung

Manchmal ist es erst so ein Gefühl, ein Gefühl, dass etwas grundlegend falsch ist. Als Christina (Tina) Möller als Kind mit ihren Eltern in jedem Jahr Urlaub auf einem Bauernhof machte und dort zu Ehren der Gäste stets ein Schwein geschlachtet wurde, hat sie sich im Wald versteckt und versucht, an etwas Schönes zu denken. „Ich habe die Gewalt an mir selbst gespürt und nicht verstanden, warum diese sein muss. Meine Eltern haben gesagt: Das ist halt so.“ Aufgrund des Gefühls, beim Biss in Fleisch Unrecht zu tun, ist die heute 35-jährige Dortmunderin mit 21 Vegetarierin geworden, kurz darauf vegan. Die starre Gewohnheit, Tiere und tierliche Produkte zu konsumieren, ist ihr noch in Erinnerung. Wer damals Vegetarierin oder Veganerin wurde, habe jedoch außer Grünkernbratlingen kaum ein Fertigprodukt in den Lebensmittelgeschäften gefunden, das nicht aus „Tier“ bestand. Heute ist dies anders: Es gibt tierfreies Gyros, vegane Nuggets, Sojakäse und Sojajoghurt.

Doch das Problem der Gewalt gegen Tiere in unserer Gesellschaft ist ohnehin nicht ernsthaft ein Problem des Kochlöffels, sondern ein Problem der Ethik. Diesen Gedanken griff die Tierrechtsgruppe „Vegane Offensive Ruhrgebiet (VOR)“ auf, der sich Tina Anfang der 90er Jahre anschloss. Veganismus ist die praktische Umsetzung einer auf die Mensch-Tier-Beziehungen angewandten Gesellschaftkritik, keine Diät und kein Spleen, wie Tinas Eltern ihre kulturelle Neuorientierung anfangs bezeichneten. Kopfschütteln erntete Tina wahrscheinlich genau aus diesem Grund, als sie mit der VOR begann, vor Metzgereien, Fischimbissständen, Lederwarengeschäften und Bettengeschäften (Daunen) zu protestieren; eine Diät würde akzeptiert, ein Spleen ignoriert werden, die Infragestellung der moralischen Grenzziehung zwischen „dem Menschen“ und „dem Tier“ jedoch regt auf. Schließlich ist sie eine Absage an die letztverbliebene Gewissheit, widerspruchslos aus einem biologischen Unterschied eine soziale Katastrophe machen zu können.

Tierrechtsarbeit ist somit hauptsächlich Katastrophenmanagement, das den „einen Lösungsweg“ jedoch nicht kenne. Aus diesem Grund hat sich Tina bis heute an verschiedenen Tätigkeitsbereichen und Tierrechtsgruppen beteiligt: der „VOR“, dem „Dortmunder Aktionsforum für Tiere“, der „Offensive gegen die Pelzindustrie“ und dem Verein „die tierbefreier“ und dort Flugblätter und Unterschriftenlisten erstellt, Transparente gemalt, an Demonstrationen und Jagdsabotagen teilgenommen, Tiere befreit, Informationsstände durchgeführt. Tina ist vor allem die Aufklärungsarbeit wichtig. „Solange Menschen Tiere als Ware betrachten, wird sich nichts großartig ändern.“ Zu dieser Aufklärungsarbeit könne auch die Wissenschaft beitragen. Mit 30 hat Tina ihre Beamtenlaufbahn beendet, über den zweiten Bildungsweg das Abitur nachgeholt und ein Studium der Erziehungswissenschaften mit Schwerpunkt Frauen- und Geschlechterforschung begonnen. Ihr Studium habe Tina geholfen, Zusammenhänge zwischen den verschiedenen Unterdrückungsformen und -strukturen besser zu verstehen und ein Wissen für das zu erwerben, was sie früher bereits aus dem Gefühl heraus als falsch wahrgenommen hat, weil es Unrecht ist.

Melanie Bujok

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