Von ‚dummen’ Gänsen und ‚schwarzen’ Schafen
Über den Zusammenhang von Sprache und Bewusstsein

In den letzten Monaten ging es heiß her in den Medien. Die so genannte Vogelgrippe beherrschte wochenlang die Tagespresse und die Angst vor einer Übertragung auf den Menschen war groß. Worte des Mitleids mit den Tieren, die lebendig begraben, vergast oder notgeschlachtet wurden, hörte man freilich selten bis gar nicht. Manchmal hörte man hier und da ein Bedauern darüber, dass das sonstige ‚Freiland-Federvieh’ nun in engen Ställen eingepfercht werden müsse. Aber wie so oft ging es meist darum, welche Gefahren für den Menschen von solchen Vogelepidemien ausgehen könnten.

Eines war besonders deutlich: Man sprach oft gar nicht über Tiere, über Individuen, über einzelne leidensfähige Wesen, sondern über ‚Geflügel’. Ein Wort, das weit verbreitet ist und mit dem vor allem Vögel bezeichnet werden, die für den Verzehr vorgesehen sind. Hühner, Gänse, Puten, Enten, Tauben und sonstige Vögel werden durch die Bezeichnung ‚Geflügel’ zu einer abstrakten Masse, mit der man nur schwer Mitleid haben kann.

Dieses Beispiel ist eins von vielen, das zeigt, dass Sprache ein alltägliches, aber kein unwichtiges Instrument ist, wenn es darum geht, Dinge beim Namen zu nennen. Denn es kommt darauf an, wie und mit welchen Begriffen man Tatsachen oder Geschichten darstellt.

Dass die Wirkung von Sprache nicht zu unterschätzen ist, das zeigen die beiden Artikel der Wiener TierrechtlerInnen Florian Esch und Susi Harringer, die sich auf verschiedenen Wegen mit diesem Thema beschäftigt haben. Ihre Erkenntnisse und Überlegungen werden sie uns auf den nächsten Seiten mitteilen. Wir freuen uns, sie für dieses Thema gewonnen zu haben und danken ihnen sehr dafür. Aber nun lest selbst...