(Fortsetzung 2)

Der Kampf gegen die Pelzeinzelhändler hatte einen Wendepunkt erreicht. Es wurde geschätzt, dass nun zwischen 60% und 70% der Pelzverkäufe auf Kaufhäuser entfielen. Es wurde Zeit, die Kaufhäuser in Angriff zu nehmen, und die ersten Kampagnenziele waren Edelson und House of Fraser.

Die Kampagne begann mit höflichen Protesten, Flugblätter verteilen, Briefe schreiben und führte schließlich zu wütenderen Demos und Besetzungen, in der Hoffnung, dass dies eher dazu führe, die Kaufhäuser zu einem Pelzausstieg zu überzeugen. Doch die Kaufhäuser waren ein schwierigeres Ziel als die Pelzläden. Als ziemlich große Unternehmen waren sie weniger leicht verwundbar durch Taktiken wie Boykott-Kampagnen. Es war auch schwieriger, die Öffentlichkeit dazu zu bewegen nicht dort einzukaufen, da sie außer Pelz auch eine breite Auswahl an anderen Produkten verkauften.

Nach kurzer Zeit schlossen sich ALF-Aktivisten der Kampagne an und begannen sich auf die Kaufhäuser zu konzentrieren. Die Kampagne eskalierte schnell und im Jahr 1985 wurden House-of-Fraser-Kaufhäuser im ganzen Land angegriffen. Da die Kaufhäuser so groß waren, wurden kleinere Beschädigungsaktionen wie einige zerbrochene Fenster als Aktionen ohne große Auswirkungen angesehen, und das Gefühl, dass mehr getan werden musste, wurde größer. Eine neue Taktik wurde entwickelt: Aktivisten liefen an einem Gebäude entlang, um dabei ganze Reihen von Glasfenstern so schnell wie möglich mit einem Hammer zu zerschlagen und dann schnell in die Nacht zu flüchten. In einer koordinierten Aktionsnacht wurden mit dieser Taktik sieben verschiedene House-of-Fraser-Filialen im Norden von England attackiert. Bei einem Laden wurden 30 große Schaufenster mit Hämmern eingeschlagen. Nach dem Zerschlagen zweier Fenster des Kendals Kaufhauses in Manchester wurden zwei Aktivisten von Polizisten, die auf der Lauer gelegen hatten, verfolgt. Einer konnte fliehen, und obwohl die andere Aktivistin festgenommen und wegen mutwilliger Zerstörung angeklagt wurde, wurde sie letztendlich freigesprochen.

Zu dieser Zeit wurden auch Ätzmittel als geeignetes Instrument entdeckt. So konnten Fenster ohne Geräusche und Alarm zerstört werden. Der Pelzhandel war das erste Angriffsziel dieser neuen Waffe, und bei einigen großen Kaufhäusern wurden über 50 Fenster verätzt.

Bald breitete sich die Kampagne auf zwei andere große Kaufhausketten aus, John Lewis und Debenhams. Aber die Kaufhausunternehmen lehnten es trotz dieser Angriffe ab aufzugeben. Sie waren große Unternehmen, und sie würden sich nichts von „Kriminellen“ diktieren lassen.

Daher entschieden sich einige Aktivisten die Kampagne noch weiter zu treiben. Rackhams, ein House-of-Fraser-Laden in Sheffield, Nordengland, war das Ziel von vielen Protesten und Zerstörungsaktionen, und lokale ALF-Aktivisten hatten davor gewarnt, dass sie das Gebäude zerstören würden, wenn sie ihre Pelzabteilung nicht schließen.

Im Dezember 1985 wurde ein kleiner Brandsatz in einer Zigarettenpackung unter einem Sessel in Rackhams Möbelabteilung in der oberen Etage versteckt. Der Brandsatz war mit einem Zeitzünder ausgestattet, und entzündete sich erfolgreich um Mitternacht, als der Laden menschenleer war. Eine kleine Flamme entstand und diese entzündete die anderen Möbel und bald stand das ganze Haus in Flammen. Wie geplant löste dies die Sprinkleranlage aus, und sämtliche Etagen wurden unter Wasser gesetzt, was schwerwiegende Schäden an dem Gebäude verursachte und fast den gesamten Bestand des Kaufhauses zerstörte. Es wurde geschätzt, dass über eine viertel Million Pfund Schaden durch Feuer, Rauch und Überflutung entstand.

Jetzt erst realisierten die Kaufhäuser und die Behörden wirklich, mit wem sie es zu tun hatten. Die Regierung entschied sich dazu, Maßnahmen zu ergreifen gegen das, was nun als ernst zunehmende Bedrohung gesehen wurde. Unter dem Druck der Geschäftswelt gründete die Regierung eine Spezialeinheit, um die Tierbefreiungsbewegung zu untersuchen. Diese Spezialeinheit wurde bekannt unter dem Namen ARNI (Animal Rights National Index), das nationale Tierrechtregister. Tatsächlich war es jedoch nur eine Datenbank, um Informationen über bekannte Aktivisten und Kontakte usw. zu sammeln. Die Leute, die geschickt wurden, um die Brandstifter ausfindig zu machen, waren aus dem Anti-Terror-Kommando der Polizei, welches zu der Zeit an einem brutalen Krieg in Nordirland beteiligt war.

Im Februar 1986 verhaftete die Polizei über ein Dutzend Aktivisten rund um Sheffield, darunter auch einige, die die Verantwortung für den Rackhams Anschlag trugen. Sie benutzten den Fall außerdem um Londoner Büros von Gruppen, die die ALF unterstützten, zu durchsuchen. Leute, die sie für „Anführer“ der ALF hielten, wurden verhaftet.

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