Die Vier von Newchurch: Jonny Ablewhite

Hi,

nur ein paar Worte, um meine aktuelle Zwickmühle zu erklären. Noch haben sie uns die Kehle nicht durchgeschnitten!

Das 12-Jahre-Urteil des Richters basiert ausschließlich auf Hinweisen, die er von der Polizei und der Staatsanwaltschaft erhalten hat. Dies geschah in Form einer Zusammenfassung – einer Chronologie aller „kriminellen“ Aktionen, beginnend mit der Meerschweinchen-Befreiung 1999.

In der Folge wurde ich aufgrund dünnster Vermutungen mit nahezu jeder dieser Aktionen irgendwie in Verbindung gebracht. Das ging soweit, dass ich es irgendwann langweilig fand, immer und immer wieder meinen Namen zu lesen. Diese „Verbindungen“ waren meist ganz eindeutig an den Haaren herbeigezogen. Zum Beispiel wurde ich als „Haupt-Demonstrant“ identifiziert (was immer das auch heißen mag: vielleicht der Größte oder der Haarloseste??) und daraufhin für eine Sachbeschädigung verantwortlich gemacht, die zwei Monate später passierte.

Meine Anwälte haben mir vorher gesagt, dass diese fadenscheinigen Informationen und die daraus gedrehten Rückschlüsse vor Gericht zu einer Verurteilung führen würden. Diese ganze Liste mit angeblichen Beteiligungen und Verstrickungen in illegale Aktivitäten war in Wirklichkeit eine massive Manipulation. Aber machen wir uns nichts vor: Es ging in diesem ganzen Fall gar nicht darum, die Wahrheit herauszufinden.

Ich glaube nicht, dass ich noch eine Strafmilderung erhalten kann, denn ich fürchte, dass der Richter längst entschieden hat, dieser gewaltigen Lügenwelle Glauben zu schenken. Ich kann echt kaum glauben, wie wichtig diese angeblichen Indizien für einen Fall dieser Art sind. Es ist so, dass schwache Behauptungen und aus dem Zusammenhang gerissene, irrelevante Nebensächlichkeiten, die rein gar nichts aussagen, plötzlich gegen einen verwendet werden als wären es forensische Beweise!

Die empörenden Gesetzesänderungen, die Vorverurteilungen legalisieren, zusammen mit Rückschlüssen aus angeblichen Indizien und dazu noch die massenhaften Lügen und Märchengeschichten in den Medien haben zu dieser langen Gefängnisstrafe geführt. Das ist zwar makaber, aber es ist die bittere Realität. Das müssen wir uns alle vergegenwärtigen. Wenn es nicht darum ginge, dass ich nun zahlreiche Jahre ins Gefängnis muss, würde ich vermutlich einen zynischen Lachanfall bekommen.

Mein Anwalt hat mir ganz klar gesagt, dass ich ohne ein Schuldeingeständnis die Höchststrafe von 14 Jahren bekommen würde, egal, ob es nun die Wahrheit ist oder nicht. Die Staatsanwaltschaft hat so viele angebliche Beweise über sechs Monate zurückgehalten, um uns dann kurzfristig unter Zeitdruck zu setzen. Nachdem der Richter seine bösen Anschuldigungen vorgetragen hatte, blieb mir lediglich eine Stunde Zeit, um darauf zu reagieren und damit eventuell mein weiteres Schicksal zu bestimmen. Das einzige, wozu mein Anwalt mir raten konnte, war ein Schuldeingeständnis, um die 14 Jahre zu vermeiden. Den Versuch, mich vor Gericht zu rechtfertigen, hielt er für ein aussichtloses Unterfangen. Meine einzige Hoffnung war, dass ein Schuldeingeständnis in Verbindung mit einem Einspruch mir die Möglichkeit einer Rechtfertigung geben würde. Aber dieser Einspruch wurde von der Staatsanwaltschaft bewusst zurückgewiesen.

Dieser Einspruch hätte dazu gedient, die Ausmaße der eigenen Schuld zu erklären und einzuschränken. Anschließend wäre ich dementsprechend verurteilt worden. Doch diese Möglichkeit hätte dafür gesorgt, mir die Menschenwürde wiederzugeben. Ich wäre nicht mehr der Sündenbock für alles gewesen und vermutlich wäre ich nicht für alle diese Aktionen verurteilt worden, für die ich nicht verantwortlich bin, inklusive der Grabschändung.

Das jedoch hätte den Absichten der Polizei und der Staatsanwaltschaft widersprochen. Sie hätten den vor Voyeurismus sabbernden Medien nicht die Geschichte einer allumfassenden Verschwörung von mythologischem Ausmaß auftischen können. Sie wussten auch, dass diese Hysterie die kürzlich bekannt gewordenen Skandale um im Tierversuch getestete Medikamente in den Schatten stellen würde.

So vieles in dieser Sache war geplant. Wir wissen, warum. Das Brandmarken von einzelnen Personen als „Anführer“ von „organisierten kriminellen Vereinigungen“ ist ein ausgeklügeltes und bedeutendes politisches Werkzeug. Es kann genutzt werden, um die unglaublichen Strafen für sogenannte Groß-Konspirationen zu rechtfertigen. Es kann ebenfalls dazu benutzt werden, diese „Anführer“ als repräsentativ für die ganze Tierrechtsbewegung darzustellen – indem man einen dämonisiert, dämonisiert man alle.

Anteilnehmender Protest und dessen moralische Ziele und Argumente werden dann von den Massenmedien marginalisiert, genau wie der Wille und die Empfindungen der Bevölkerung. Diese Schilderungen werden dazu benutzt, um der Öffentlichkeit einzureden, dass jede politische und moralische Empörung etwas mit diesen „extremistischen Netzwerken“ zu tun hat. So können die Menschen dann beeinflusst werden, sich selbst nicht an Demos zu beteiligen oder nur ihre Meinung zu sagen, aus Furcht, selbst dämonisiert zu werden. Das ist eine stillschweigende Indoktrination. Wie wir diesen Prozess stören und unterbrechen, wird entscheidend sein für unseren zukünftigen Erfolg als moralische Aktivisten in einer von Vorurteilen und Einschüchterungen geprägten Umgebung.

Niemand innerhalb der Polizeiabteilungen, die an den vielen überaus teuren Operationen rund um Newchurch beteiligt waren, kann die Wahrheit eingestehen, dass es in der Tierrechtskampagne eben keine Führungshierarchie gibt, die noch dazu irgendwelche illegalen Aktivitäten kontrolliert oder initiiert hat. Dass es auch verstreute Gruppen mit unhierarchischer, dezentraler und autonomer Struktur gibt, das passt einfach nicht in deren Logik. Das Eingeständnis dieser Realität – eben dass ich nicht für jede beliebige Aktion in den letzten sechs Jahren verantwortlich zu machen bin – würde gleichzeitig das Eingeständnis bedeuten, dass es nach wie vor eine unzählige Menge an ungelösten „Verbrechen“ in dieser Gegend gibt. Außerdem würde es ihren Stolz verletzen, ihren Medienberichten widersprechen und sie sogar Beförderungen kosten. Mehrere Millionen Pfund an Steuergeldern wären dann offensichtlich verschleudert worden und letztlich wären auch so lange Gefängnisstrafen nicht zu rechtfertigen gewesen.

Nun ist es klar, dass ich eine sehr lange Zeit absitzen muss. Doch wenn ich meine Situation mit der der terrorisierten und gequälten Tiere vergleiche, um zu bemessen, ob und wie sehr ich mich beklagen soll, dann kann das Ergebnis nur lauten: nicht viel! Ich bekomme gutes Essen. Die Briefe von Freunden, Familie, Tier- und Erdbefreiungsaktivisten sind sehr inspirierend. Vielen Dank für Eure Zeit und Unterstützung.

Die Verurteilung

Es ist klar, dass Richter Pert überhaupt kein Interesse an der Realität hatte. Er hat alle Strafmilderungen und Entlastungen ignoriert. Den Fakt, dass wir immer wieder betont haben, nichts mit der Grabschändung zu tun zu haben, hat er ignoriert. Alle unsere Einsprüche wurden ignoriert und natürlich auch alle Fakten über Tierversuche wurden ignoriert.

Es ist auch offensichtlich, dass Richter Perts Abschlussrede schon vorbereitet war, da er allen strafmildernden Umständen gar keine Beachtung schenkte. Natürlich war dieses gerichtliche Trauerspiel eine einzige Inszenierung für die kreischende Pressemeute. Und natürlich werden wir gegen die Entscheidung in Revision gehen!

Ich danke allen, die uns im Gericht unterstützt haben und uns die Stärke von vielen gegeben haben. Ihr seid alle fantastisch!

Für Bill Rodgers und Betty Wang. Für die Tiere und für die Erde.

Jonny

Offene Briefe der "Vier von Newchurch"

- Jonny Ablewhite

- John Smith

- Josephine "Jo" Majo

- Kerry Whiteburn