Buchbesprechung
„Ich habe immer das Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen, schrecklich!“
Angela Grube: Vegane Lebensstile. Diskutiert im Rahmen einer qualitativen/quantitativen Studie vorgestellt von Tina Möller
(Fortsetzung) In dem quantitativ erhobenen Teil ihrer Studie hat Angela Grube die Fragebögen von insgesamt 150 Veganer/innen (davon 52 % Frauen und 48 % Männer) aus unterschiedlichen Bundesländern (die meisten, nämlich 38 %, aus dem bevölkerungsstärksten Land NRW) ausgewertet, die sich aufgrund der Aufrufe zur Teilnahme an ihrer Studie gemeldet hatten. Untersucht hat sie dabei die Kategorien Alter, Schulbildung, Berufliche Tätigkeit, Herkunft nach Bundesländern, Motive für einen vegetarischen und veganen Lebensstil, (bisherige) Dauer des vegetarischen und veganen Lebensstils, Anzahl der Veganer/innen im sozialen Umfeld, Konsum- und Kaufverhalten, auslösende Faktoren, Soziale Akzeptanz und Stellenwert des Veganismus im Leben der Befragten. Ein wichtiges Ergebnis dieser Auswertung ist die Feststellung, dass die untersuchten Veganer/innen vor allem ethisch-moralische Gründe anführen und als auslösende Faktoren für die Entscheidung zum veganen Lebensstil am häufigsten ‚Literatur/Medien’ ankreuzten. Und auch bei dieser Untersuchungsform wird deutlich, dass jeder zweite/jede zweite Veganer/in Schwierigkeiten im sozialen Umfeld hat. „Die Hälfte der Untersuchungsteilnehmer fühlt sich von der Umwelt ausgegrenzt und nennt Schwierigkeiten in Beruf, Schule oder Studium.“ So verwundern die Ergebnisse der letzten zwei Fragen kaum, die lauten: ‚Glaubst du, dass die Pädagogik etwas für Veganer tun muss?’ Und ‚Werden deiner Meinung nach Veganer in unserer Gesellschaft ausgegrenzt?’. Knapp 80 % stimmen zu, dass die Pädagogik etwas für Veganer tun muss, 14,4 % stimmen mit der Antwortkategorie ‚teils/teils’ zu. Dass Veganer/innen in unserer Gesellschaft ausgegrenzt werden, glauben insgesamt 94,6 % (je 47,3 % kreuzten hierbei ‚ja’ bzw. ‚teils/teils’ an). Dieses Ergebnis bestätigt die hohe Bedeutung der vorliegenden Studie, die als ein Startschuss für eine sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Mensch-Tier-Verhältnis und dem veganen Lebensstil in der Pädagogik angesehen werden kann.
Untermauert wird die Studie ‚Vegane Lebensstile’ durch eine ausführliche Definition des Veganismus’ und die Nachzeichnung seiner historischen Entwicklung, ebenso durch eine übersichtliche Darstellung der unterschiedlichen (ethisch-moralischen, ökologischen, ökonomischen, gesundheitlichen und religiösen) Motive für einen veganen Lebensstil. Auch der pädagogische Background, nämlich die theoretische Fundierung der Zusammenhänge von Lebensstil, Identität und Bildung, kommt nicht zu kurz.
Es ist eine großartige und bedeutende Arbeit über Veganer/innen in Deutschland. Die Autorin zeigt nicht nur auf, mit welchen Schwierigkeiten Veganer/innen im Alltag zu kämpfen haben und welche Unverständnis und Widerstände ihnen entgegengebracht werden, sondern formuliert gleichzeitig notwendige pädagogische Konsequenzen, die als ein Affront gegen die derzeitige Agenda der Pädagogik begriffen werden kann! Grube formuliert Gedanken und Ansprüche an die Erziehungswissenschaft, die das gesellschaftliche Bewusstsein für das vorherrschende gewaltsame Mensch-Tier-Verhältnis nachhaltig verändern könnte!
Zurzeit arbeitet Angela Grube an einer weiteren und vertiefenderen Studie über Veganer/innen in Deutschland, die als Doktorarbeit angelegt ist. Grundlage ihrer Auswertungen und Erkenntnisse werden 650 Fragebögen sein, die von vegan lebenden Menschen in Deutschland ausgefüllt wurden. Die TIERBEFREIUNG wird zu gegebener Zeit darüber berichten.
Angela Grube
„Vegane Lebensstile
Diskutiert im Rahmen einer qualitativen/quantitativen Studie“
2. (überarbeitete) Auflage, 148 Seiten
ibidem-Verlag, Stuttgart 2006
22 Euro