„Jagd ohne tote Füchse ist wie Sex mit Kondom“
Trotz Verbots terrorisieren die traditionellen Jäger mit ihren Hundemeuten wieder Wälder und Felder in England
Am 1. November begann in Großbritannien die zweite Saison der Fuchsjagden nach dem Verbot von Fuchsjagden. Was sich unlogisch anhört, ist eine Folge der laschen Gesetzgebung und der nahezu komplett fehlenden Kontrolle des sogenannten Verbots.
Nach Angaben der Countryside Alliance, der großen Lobbyorganisation für die Fuchsjagd, genießen die Jagdgesellschaften deutlich mehr Unterstützung als vor dem Verbot. Die Mitgliederzahlen würden steigen und sogar zwei neue Hundemeuten seien gegründet worden. Offiziell halten sich alle der 185 Jagdgesellschaften an die neuen Regeln. Die meisten würden ihre Hunde lediglich auf zuvor gelegte Fährten aus Fuchs-Urin hetzen und „einen schönen Reit-Ausflug in der Natur genießen“. Etwa 50 Gesellschaften nutzten die Hunde, um Füchse aufzuscheuchen und diese dann mit Hilfe von Gewehren und Greifvögeln zu erlegen.
Die Polizei verlässt sich darauf, dass sich die Jäger an die Vorschriften halten und „versehentliche Fuchstötungen“ durch die Hunde freiwillig melden. Doch die Countryside Alliance gibt unumwunden zu, dass eine solche Vorgehensweise eher unüblich sei. Überhaupt sieht man auf dem Land die Fährtenjagden lediglich als Übergangslösung an, mit der die Infrastruktur der Jagd-Bruderschaft aufrechterhalten werden soll. Sobald eine neue Regierung im Amt sei, so geht man hier davon aus, würde die Fuchsjagd in ihrer traditionellen Form wieder legalisiert. Otis Ferry, der penetrante Jagd-Lobbyist und Sohn des Sängers Bryan Ferry, macht in der Zeitung „Independent“ keinen Hehl aus seiner Ablehnung der Fährtenjagd: „Das ist wie Sex mit Kondom, einfach nicht das richtige“, sagt er. Wenn die Regierung nicht wechselt, dann würde er auswandern, so Ferry weiter. Vielleicht findet er ja ein Land, in dem die Fuchsjagd erlaubt und Kondome verboten sind.
In einem jedoch hat Ferry Recht. Er sagt: „Es ist naiv zu denken, dass die Füchse seit dem Verbot ein glücklicheres Leben führen.“ Anstatt von Hunden zerfetzt zu werden, die angeblich nur alte und schwache Füchse erwischten, würden die Füchse nun vergiftet, vergast, in Fallen gefangen oder erschossen. Dies sei so schlimm, dass ohne die Hundemeuten sogar der Fuchsbestand in England gefährdet sei. Eine Behauptung, der Wissenschaftler widersprechen. Nach einer Studie der Universität Bristol liegt die Zahl der Füchse stabil bei 250.000 Tieren. Jedes Jahr würden 450.000 Jungtiere geboren und genauso viele Füchse würden Krankheiten, Gewehren, Fallenstellern und Autos zum Opfer fallen. Die traditionelle Fuchsjagd hätte jährlich nur 20.000 Tiere getötet und hätte dadurch keinen nennenswerten Einfluss auf die Population. „Hunde töten die Füchse besonders grausam. Deshalb wurde das verboten“, erklärt Studienleiter Professor Stephen Harris. Vor dem Verbot behaupteten die Jäger, nur durch sie könnte die Fuchs-Population eingedämmt werden. Nun sagen sie das Gegenteil - dass die Füchse ohne sie aussterben. Kein Argument ist ihnen zu billig, um es für ihr brutales Hobby heranzuziehen. (jr)