Honecker neuer Schutzpatron der Jäger?

Zahlreiche Demos gegen Hubertusmessen in ganz Deutschland


„Hubertus, warum verfolgst Du mich?“ Diese Frage stellt in der Legende Christus in Gestalt eines Hirsches dem Jäger Hubertus (eigentlich Eustachius) im 7. Jahrhundert. Hubertus kehrte in sich und verzichtete ab sofort auf das Jagen und schloss Frieden mit den Tieren. Völlig absurd, warum Jäger und sogenannte Christen ausgerechnet diesen Heiligen, der ein Tierschoner und nicht ein Tierschänder war als Symbol für die Jagd wählen. Aber selbst wenn es anders wäre: Die heute gängige Praxis, Tiermörder (im Voraus) zu segnen, ist abgrundtief zu verurteilen. Mit diesen Sätzen demonstrierten TierrechtlerInnen am 5. November in Frankfurt gegen die Hubertusmesse im Kaiserdom.

Bei den Protesten gegen die Hubertusmesse in Solingen versuchten die meisten JägerInnen die Demo mit einem Lächeln zu ignorieren. Mehrere Exemplare liefen dann aber doch vor Wut rot an, als sie von einem Demonstranten aufgefordert wurden, „doch lieber Honecker, Ceaucesku oder Göhring als Schutzpatron“ zu wählen.

Ein Dorn im Auge waren auch zehn laute Tierrechtlerinnen den GottesdienstbesucherInnen im Altenberger Dom (Bergisches Land). Rund 150 LodenträgerInnen, von denen ca. 130 die 70 wohl schon überschritten hatten, mussten vor Messebeginn vor der verschlossenen Kirchenpforte warten und boten so ein willkommenes Ziel für die schlagkräftigen Argumente der JagdgegnerInnen. Ein Jagdopa musste die Messe schon nach zehn Minuten wegen eines Schwächeanfalls wieder aus der Kirche geschafft werden. Ob es die Aufregung über die Demo oder das schlechte Gewissen war…? Nach der Messe wollten die JägerInnen auf dem Vorplatz dem Rumposaunen von drei verschiedenen Jagdhorn-Kapellen lauschen. Der Moderator forderte die DemonstrantInnen auf, während der Musikstücke ihre Rufe zu unterlassen, um die Musiker nicht zu stören. Als Antwort erhielt er, dass es nur dann möglich sei, die Jagdmusiker in Frieden zu lassen, wenn die JägerInnen im Gegenzug auch die Tiere in Frieden lassen. So schallten also weiterhin Sprüche wie „Blutgeil – Weidmannsheil“ oder „Jäger sind widerliche Mörder“ als Untermalung des Konzerts über den Domplatz. Sogar mit dem Argument, man habe im Gottesdienst für die DemonstrantInnen gebetet, sollten sie zum Schweigen gebracht werden. Erstaunlich wie lange die BläserInnen durchhielten, obwohl die nicht minder musikkritischen JagdgegnerInnen auch mit ihrer Meinung zur musikalischen Leistung nicht hinterm Berg hielten. Rufe wie „Anfänger“, „Dilettanten“ und „Aufhören“ wurden ignoriert und stattdessen munter weiter die Backen aufgepumpt, um schräge Töne zu produzieren. Um drohenden Hör- und Hirnschäden zu entgehen, verließen die DemonstrantInnen nach einer halben Stunde den Ort des Grauens, nicht ohne eine baldige Wiederkehr anzukündigen.

Im katholischen Köln untersagte die Polizei den Demo-TeilnehmerInnen, die BesucherInnen der St.-Aposteln-Kirche vor dem Gottesdienst anzusprechen oder ihnen gar ein Flugblatt in die Hand zu drücken. Auch das Rufen von Parolen war verboten. Begründet wurde diese Auflage mit dem Grundrecht auf freie Religionsausübung, zu der nicht nur die Messe selbst gehöre sondern auch die mentale Vorbereitung auf selbige. Eine Konfrontation mit den Inhalten der Kundgebung sei hier nicht zumutbar, so die Kölner Polizei. Da eh kaum jemand in die Kirche ging, beschränkten sich die JagdgegnerInnen auf eine vierstündige Information der zahlreichen shoppenden PassantInnen.

Am Schloss Rheydt in Mönchengladbach hatte die Polizei extra zwei zusätzliche ernst dreinblickende Zivilbeamte abgestellt, die um die Demo herumschlichen. Dies sei nötig, da es hier in der Vergangenheit zu Beleidigungen im Rahmen der Hubertusmessen-Demo gekommen sei, so der Einsatzleiter. Ob damit der vor drei Jahren geäußerte Wunsch von Pastor van der Vorst gemeint war, für JagdgegnerInnen die Inquisition wieder einzuführen, konnte oder wollte der Polizist nicht beantworten. Der Protest verlief ruhig. Es wurden hunderte Anti-Jagd-Broschüren verteilt. Ein Jäger drohte damit, einen Demonstranten in den Wassergraben zu werfen. Taten ließ er zum Glück nicht folgen, denn sonst wäre der Demonstrant vermutlich verhaftet worden.

Hubertusmessen gab es auch noch in zahlreichen anderen Städten. Ein gutes Zeichen, dass sich auch außerhalb der UL-Sekte Widerstand gegen diese perfide Form der Tierausbeutung regt.


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