Es geht nur um die Trophäe

Der spanische König Juan Carlos hat in Russland einen angeblich mit Wodka betäubten Bären erschossen. Eine jagdliche Glanzleistung. Genau wie die von Freiherr von Gemmingen-Hornberg. Ihm gelang ein Weltrekord mit dem Abschuss eines Hirschs in Bulgarien. Der Weltrekord bezog sich auf das Gewicht der Hörner: 16 Kilo. Bloß kam heraus, dass das Tier zahm und in einem österreichischen Gehege gemästet worden war. Weltrekord aberkannt. 20.000 Euro hatte der Freiherr beim Reiseanbieter auf den Tisch gelegt – um dann so schändlich betrogen zu werden, der arme Jäger.

Die Süddeutsche Zeitung nahm diese beiden Fälle zum Anlass, um den Markt der Jagdreisen einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. 6,4 Millionen Jäger gibt es in der EU, in Norwegen und der Schweiz, etwa 20 Prozent davon, also 1,3 Millionen, fahren zum Jagen auch ins Ausland und geben dafür jährlich etwa 660 Millionen Euro aus. Die meisten reisen ins nah gelegene Osteuropa, wo viele Wälder noch wildreicher sind als bei uns. Aber 30 Prozent der Auslandsreiser unternehmen Fernreisen. Nach Schätzungen reisen 50.000 Deutsche regelmäßig ein- bis zweimal pro Jahr ins Ausland. Die klassischen Großwildjäger wollen Bären in Russland, Löwen in Namibia oder Moschusochsen in Grönland schießen. Jeder dritte deutsche Jagdtourist hat schon einmal in Afrika gejagt, und jeder fünfte hat bereits einmal große Fleischfresser erlegt.

Für die ungefähr 100 deutschen Anbieter von Jagdreisen boomt nach eigenen Angaben das Geschäft seit drei Jahren wieder. Zuvor hätte es einen Einbruch gegeben, erklärt ein Sprecher der Firma Westfalia in der Süddeutschen. Was die Jäger ins Ausland treibt, ist eindeutig. Nur das Jagderlebnis zählt und die Trophäe muss garantiert sein. Mit Urlaub kombinierte Angebote (etwa Ferien am Balatonsee mit Jagdausflug) gibt es zwar auch, sind aber die Ausnahme. Bei Westfalia Jagdreisen verkauften sich zuletzt Jagden auf Steinböcke in Kasachstan und Kirgisien besonders gut. 2000 bis 4000 Euro geben die Kunden im Schnitt aus, natürlich kann es manchmal viel mehr sein. Wenn es etwa auf das Marco-Polo-Argali, ein Bergschaf mit gewaltigen Hörnern im Pamirgebirge in Tadschikistan, geht, so kostet das 27.000 US-Dollar. Jagdreiseveranstalter leben vor allem von den 10 bis 15 Prozent Provision aus dem an den jeweiligen Staat zu zahlenden Trophäenpreis.

Laut Bundesamt für Naturschutz, das die Einfuhr von Jagdtrophäen gemäß dem Washingtoner Artenschutzabkommen (Cites) regelt und überwacht, wurden in den vergangenen zwei Jahren 102 Leopardenfelle, ebenso viele Wolfskulps, 57 Löwen- und 97 Braunbärentrophäen legal nach Deutschland eingeführt. Die Dunkelziffer dürfte hoch sein, zumal gerade in ärmeren Ländern Korruption an der Tagesordnung ist. Der organisierte Schmuggel von illegal erschossenen Tieren ist inbegriffen.


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