„Ein unwürdiges Dasein, ein unerträglicher Anblick“
Neue Film- und Bilddokumentationen sowie Strafanzeigen gegen ‚PelzfarmerInnen’
(Fortsetzung)
Was zum Teufel ist ein ‚vernünftiger Grund’?
Am 2. Dezember sind alle Anzeigen an die entsprechenden Staatsanwaltschaften gesandt worden. Bisher haben Die Tierfreunde e.V. von den meisten Staatsanwaltschaften ein Aktenzeichen erhalten und die Info, dass ermittelt wird. Einige haben die Ermittlungen bereits eingestellt (!). Die Begründungen sind wie gewöhnlich in Tierschutzrechtsfragen haarsträubend. So begründet die Staatsanwaltschaft Itzehoe am 22.12., dass Umfragen wie die der EMNID uninteressant seien. Im Ergebnis sei die Haltung von ‚Pelztieren’ und deren Tötung zur Herstellung von Pelzartikeln weiterhin ein genehmigungsfähiges Vorhaben. [...] Vielmehr sei davon auszugehen, dass sich die Betreiber der Pelzfarm Klagges auf behördliche Genehmigungen, die wiederum Grundlage der derzeit einschlägigen Gesetze sind, berufen können.“ Eine andere Staatsanwaltschaft argumentiert, dass die Pelzgewinnung sehr wohl ein vernünftiger Grund darstelle. „Soweit Sie und möglicherweise auch andere Teile der Bevölkerung subjektiv eine andere Auffassung vertreten, vermag dies an der geltenden Rechtslage nichts ändern.“ Dazu Jürgen Foss: „Wo das stehen soll, vermag die Staatsanwaltschaft allerdings nicht sagen eben weil es nirgendwo steht.“ Wenn ein vernünftiger Grund darin besteht, dass er gesellschaftlich anerkannt ist, dann belegt die EMNID-Umfrage das Gegenteil. Auch die durch die Bundesregierung festgelegte neue ‚Pelztierhaltungsverordnung’ entspricht nicht der Meinung des Großteils der Bevölkerung, denn dieser fordert eine Abschaffung der ‚Pelztier’farmen.
„Wie dem auch sei, wir hoffen, dass mindestens eine der Staatsanwaltschaften die Anzeige zur Anklage bringt. Eine Anklage vor Gericht wäre als richtungweisendes Beispiel sehr wichtig. Zumindest tut man sich bei der Justiz sehr schwer mit diesem Thema was denn nun ein vernünftiger Grund sei und was nicht. Gegen alle Einstellungen der Ermittlungen haben wir Beschwerde eingelegt“, so Foss.
„Den Tieren geht es wirklich gut“
In seinem Bericht resümiert Jörg, dass die Veröffentlichungen der Aufnahmen von deutschen ‚Pelzfarmen’ hoffentlich dazu beitragen werden, einem generellen Pelzverbot ein großes Stück näher zu kommen. „Unser Ziel ist es, die vorliegenden Dokumentationen in TV-Sendungen zu platzieren, um den öffentlichen Druck zu erhöhen. Es sind die ersten Aufnahmen dieser Art aus deutschen Pelztierfabriken und die einzig aktuellen Aufnahmen guter Qualität überhaupt aus deutschen Farmen. Nur durch eine Verbreitung in den Medien werden wir auf breiter Front Emotionen wecken und Widerstand aufbauen. Pelzverkauf und Herstellung gehören abgeschafft und verboten.“
Erste kleine Erfolge haben sie schon gehabt: Die größte Aufmerksamkeit erzielte wohl eine Thematisierung in der Informationssendung REPORT MAINZ in der ARD, die Anfang Januar einen kritischen Bericht mit Videomaterial aus dem Repertoire der Recherchetour sendete.
Herr Prof. Dr. Heiner David, Leiter der Abteilung Verbraucherschutz im Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, brachte dabei vor laufender Kamera das ‚Dilemma’ des Rechtssystems auf den Punkt: „Es gibt im Tierschutzgesetz eine Regelung, dass man Tiere ohne vernünftigen Grund nicht töten darf. Das wird auch in bestimmten Bereichen beachtet. Aber bei der Pelztierhaltung ist es schwierig. Denn wenn man ein Töten verbieten würde, dann würde man den Pelztierhaltern die Möglichkeit nehmen, den Beruf auszuüben und auch würde man ihnen das Eigentum wegnehmen. Und so etwas ist nach dem Grundgesetz verboten.“ Das Nichttötungsgebot hat keinerlei Wirkung, wenn der Beruf und das ‚Eigentum’ des Ausbeuters in Gefahr ist. Welch eine Farce!
In einer Pressemitteilung schrieben Die Tierfreunde u.a.: „Das Deutsche Pelzinstitut in Frankfurt reagierte nervös auf diese Nachricht und gab REPORT MAINZ ein Interview nur unter der Bedingung, dass die Anzeigen der Tierfreunde e.V. weder im Beitrag noch in der An- oder Abmoderation erwähnt werden.“
Und da wären wir schon wieder beim Deutschen Pelzinstitut mit der Schallplatte Frau Kolb. Das einzige, was sie im REPORT MAINZ-Interview zu den Filmaufnahmen zu sagen hatte, war das übliche, haarsträubende Schallplattenhafte. Den Tieren mache die Enge nichts aus, es gehe ihnen „hervorragend“, „wirklich gut“ und die gezeigten Filmaufnahmen stammen gewiss nicht aus Deutschland, denn die kenne sie alle. Welches Ausmaß von (gespielter oder nicht gespielter) Naivität, Leugnung, Skrupellosigkeit und Verblendung LobbyistInnen annehmen können, übersteigt doch wirklich jede Vorstellungskraft!
Tina Möller
Der ausführliche und persönliche Bericht über die Recherchetour ist zu lesen unter:
www.die-tierfreunde.de oder unter
www.offensive-gegen-die-pelzindustrie.org
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