Der Beginn eines lebenslangen Leidens
Ein Bericht über industriealisiertes Hühnerleid
Tagtäglich begegnen sie uns: frittierte, gegrillte Hühnerteile zu Schleuderpreisen, verlogene „Hühnerparadiese“ und „All-you-can-eat“ - (Fr)esstempel veräußern „Broiler“ „Nuggets“, Hühnerbrustfilets, Ober- und Unterschenkel, Flügel, Hälse…in Teilen verpackt oder als ganze Körper aufgespießt. Tendenz steigend. In den vergangenen Jahren hat sich der Anteil an getöteten und verzehrten Hühnerkörpern pro Kopf um 40% erhöht.
Der Fastfoodwahn erschuf das Designerhuhn. In keiner anderen Tierzucht ist das Ergebnis der erzwungenen Anpassung eines Tieres an den erforderlichen Produktionsprozess so weit vorangeschritten wie beim Lebewesen Huhn. Eine lebende Maschine, rationell, marktorientiert und profitmaximiert auf Leistung getrimmt. Unterschlagen wird, was sie immer noch sind und bleiben: Leidensfähige Individuen, die dem Grauen der Intensivzucht gnadenlos ausgeliefert sind.
Ihr Leben beginnt immer noch als kleines piepsendes Flaumbällchen: Ein anrührendes, schutzbedürftiges unbeholfenes Wesen, das Herzen erweicht und jeder niedlich findet. Sie sind Werbeträger, Sympathieträger und bevorzugte Hauptakteure in Kinderbüchern und verspieltes Detail der Bauernhofillusion. Sie sind der Inbegriff für Unschuld und das zarte, beginnende Leben.
Verschwiegen wird indessen, was Hennenzüchter und Brütereibesitzer Küken und ihren Eltern tagtäglich an Grauen bereiten:
Für Züchter und Mäster gilt, nützliche und wirtschaftlich effizient verwertbare Küken zu foltern, mästen und zu erniedrigen, um maximale Eierlegeleistung zu erzwingen oder körperlich überdimensionale, minimal überlebensfähige Masttiere zu erschaffen. Dabei wird das erschreckende Ergebnis stetig zu Lasten des ausgebeuteten Tieres noch günstiger genormt: Aus 1,6 kg Spezialfuttermischung wird in 5 Wochen 1 kg Fleisch. Eine Quote, die beim Rind oder Schwein bislang nicht möglich ist und dramatische Folgen für die Milliarden leidenfähiger Individuen hat.
Unnütze, unprofitable männliche und auch weibliche Tiere fallen der Selektion zum Opfer. Sie werden lebendig zu blutigem Mus im Homogenisator zerquetscht, zerhäckselt oder vergast, massenhaft; über sechzig Millionen pro Jahr. Dies geschieht nicht nur in Deutschland, sondern auch bei Nachbarn wie Holland und Belgien, die für den deutschen Markt Legehennenküken produzieren.150 Millionen Tiere allein in Westeuropa. Auch in „Produktion“ für die Mast werden in den Brütereien rentable Küken von den unrentablen Küken selektiert und brutal getötet.
Millionenfaches Leid, vom Schlüpfen bis zum qualvollen Tod in der Schlachterei
Im Gewerbegebiet Ost, der Behr Industry Freiberg GmbH, mitten in Sachsen, kündigen die ersten Bauarbeiten des lange brach gelegenen Gebietes an der B173, dramatische Veränderungen an. Geplant ist die Ansiedlung der Aviagen GmbH, einem Tochterunternehmen der EW Group.
Das Unternehmen Aviagen GmbH, mit Sitz in den USA, wird hier Europas größte Zuchtbrüterei mit einer Jahresproduktion von 42 Millionen Eintagsküken errichten. Auf einer Fläche von ca. 4,5 ha werden für die Ansiedlung ca. 10 Millionen Euro investiert, die Produktion soll bereits ab 2008 beginnen und es werden rund 25-30 Arbeitsplätze entstehen.
Ab 2008 werden hier mit Seriennummern betitelte, leidensfähige Individuen maschinell abgefertigt, produziert, computergesteuert automatisch ausgebrütet, aussortiert und verladen, verfrachtet und weiterverkauft. (Quellen: Freie Presse Freiberg, Freiberger Blick)
42.000.000 Küken werden zukünftig jährlich aus Sachsen exportiert, um als Elterntiere für zukünftige Masttiere zur Broilergewinnung degradiert zu werden.
42 Millionen Individuen werden geboren um in konzentrierten Ausbeutungsmechanismen ihr kurzes Dasein zu fristen und zu sterben. Zuwendung, soziale Nähe und Wärme, Mutter-Kind-Beziehungen wird es für diese Tiere niemals geben. Sie sind zu Maschinen degradiert, ihr Leben ist reduziert auf den Wert des Endprodukts.
Die Küken
Als serienmäßiges Produkt erwachen sie in der maschinell gesteuerten Brutmaschine zu Leben, in einer endlosen Menge weiterer gelber Flaumbällchen. Der eigentliche Schlupfvorgang, das Aufpicken des Eis sowie das Aufheben des Deckels ist eine große Anstrengung für das Küken. Beim Schlupf verlagert das Küken häufig Kopf und Körper und pickt immer mehr Löcher in die Schale. Es stemmt sich gegen die Schale und schlägt mit seinem Hinterkopf gegen die Schale, bis endlich das Eiende wie ein Deckel aufspringt. Nicht selten leisten die Eltern Schlupfhilfe, indem sie von außen dem Küken helfen, das Ei zu öffnen. In der Menge der Eier einer Brüterei kämpfen sie sich dicht an dicht ins Leben. Verlorene Tierkinder, die unablässig nach der Mutter und Geborgenheit piepsen und sich dabei an den Nächsten drängen, bis der ihnen auch verloren geht.
Sie werden sortiert, geimpft und verladen. Der ernorme Stress, der den kleinen Tierkindern ohne ihr natürliches Umfeld in der ferngesteuerten Umwelt auf Fließbändern bereitet wird, ist nicht zu erfassen. Hände greifen nach ihnen, sortieren aus und werfen je nach vorbestimmtem Zweck das Leben in einen Abfalleimer oder eine Frachtkiste. Zwischen all den Lebenden sind immer auch tote und sterbende Küken, die den Start in die Brutalität nicht überleben.
Tausendfaches Piepsen und Zwitschern der suchenden Tierkinder schallt durch die Brüterei.
Sie werden auf Fließbänder geworfen, geschüttet und verfrachtet, nicht wissend, das ihnen ein lebenslanger Horror bereitet wird und dieser gerade eben begonnen hat.
Technisiertes und industriealisiertes Hühnerleid
Die Industrialisierung des Huhns hat längst den biologisch geführten Bauernhoferzeuger überholt und die Nachfrage nach Industriehähnchen erhöht, die inzwischen nur noch aus den Laboren einer Handvoll internationaler Zuchtkonzerne stammt. Aviagen, einer der größten Züchter wird von einer einflussreichen deutschen Agrarholding um Erich Wesjohann geführt.
Optimierte Tiere der Aviagen GmbH bedeuten den Weg von der Gensequenz über Hühnerprototypen zu Brutfabriken, Masthallen und Fließband-Schlachthöfen bis zum „Chicken-Nugget.“
Aviagen und Cobb-Vantress decken bereits knapp drei Viertel des Weltmarktes in der Zucht ab. Industrielle Zuchtlinien aus Industrieländern verdrängen nahezu vollständig lokale, regional angepasste Rassen.
Unternehmen wie Aviagen produzieren die sogenannte Großelterngeneration. In ihre Brütereien werden Lastwagenweise befruchtete Eier geliefert und in temperierten Hallen ausgebrütet. Palettenweise werden die frisch geschlüpften Tiere weltweit verschickt. Nach Angaben des Logistikkonzerns Lufthansa Cargo gehören Küken sogar zu den 50 am meisten per Luftfracht transportierten Gütern überhaupt. Der Großteil geht derzeit in den Nahen Osten, in dem die Vereinigten Arabischen Emirate riesige Geflügelfarmen entstehen lassen.
Verschickt werden die Küken an spezialisierte Vermehrungsfirmen, in denen die Tiere in klimatisierten Brutschränken ein paar Generationen lang vervielfältigt werden. Erst die letzten Nachkommen werden an die Mäster weitergereicht, in Folteranlagen gemästet, gequält, geschlachtet und zerstückelt.
Undurchsichtige Zuchtpraktiken
Das neue Tierzuchtgesetz in Deutschland hat die Tierzucht privatisiert, dem Staat obliegt die Rolle des Überwachens. Das Monitoring durch das Landwirtschaftsministerium, um die genetische Vielfalt zu überwachen, ist nicht vollständig gewährleistet, da wichtige Teile der Zucht Betriebsgeheimnisse sind.
Der konzentrierte Verlauf der Zucht wird stetig optimiert. Für alle heutigen Mast- und Legehühner sind in strenger Inzucht gehaltene Elterntiere die Voraussetzung. Jede Inzuchtlinie für sich ist noch nicht genug degeneriert und getrimmt, erst ihre Kreuzung macht die Nachfahren zu Turbohühnern. Die zur Züchtung vorgesehenen Tiere leben in Einzelgefängnissen und werden hinsichtlich ihrer jeweiligen Leistung getestet. Nur geeignete Tiere überleben das Selektionsverfahren und müssen der weiteren Zucht dienen, bis nach ca. 5 Generationen das geeignete „Endprodukt Turbohuhn“ entstanden ist. Basis ist das Hybrid-Verfahren aus der Pflanzenzüchtung. Hühner sind in diesem Sinne Doppelhybriden, da durch die Züchtung zunächst die Tiere der Inzuchtlinien vermehrt werden.
Das Hybridhuhn
Elterntiere zweier solcher Linien (A und B) werden verpaart, deren Küken landen in Vermehrungsbetrieben. In Aufzuchtbetrieben werden ihre Kinder bis zur Geschlechtsreife gehalten und mit Hähnen gepaart, die aus einer Kreuzung der Inzuchtlinien C und D stammen. Erst diese Kreuzung führt zu jenen drei bis vier Millionen Hennen, die in die Aufzucht- und Legeställe gelangen. Und erst diese ABCD-Tiere vereinen all jene grausam degenerierten und in Züchterkreisen als positiv bewerteten Merkmale, die zuerst auf die vier Ursprungslinien verteilt waren.
Der mit rund fünfzehn Milliarden Tieren größte nationale Geflügelmarkt der Erde ist heute zu neunzig Prozent von westlichen Hybridhühnern abhängig.
Und der Markt weitet sich aus. China zeigt reges Interesse an leistungsfähigen Hühnern, die den regionalen Bedingungen angepasst sein sollten und noch kostengünstiger gemästet werden können. Daran wird gearbeitet, und der zweifelhafte Erfolg wird weitere Opfer in industrialisierten Farmen kosten.
Die „Erich Wesjohann Gruppe“ ist Eigentümerin von einigen der bedeutendsten Hennenzuchtunternehmen auf dem Weltmarkt:
- Lohmann Tierzucht AG (Cuxhaven),
Legehennen
- Hy-Line (Des Moines, USA),
Legehennen
- H&N (Redmond, USA), Legehennen
- Aviagen (Hauptsitz Huntsville, Alaba- ma, USA, sowie Newbridge bei Edin - burgh, Großbritannien), Weltmarktführer Masthennenzucht und Putenzucht
(Quelle: Wikipedia)
Etwa 230 Millionen Wesjohann - Küken schlüpfen beispielsweise jährlich in den Fabriken von „Wiesenhof“. Vier Millionen Hühner aus konventioneller Haltung vermarktet das Unternehmen in der Woche. Dagegen nur ca. 8000 „Weidehähnchen“ aus Auslaufhaltung und ca. 800 Bio-Hühner zur Broilerherstellung. Der Anteil von Bio- und Weidehühnern an der Produktpalette von Wiesenhof liegt nur bei ca. 0,3 Prozent.
Befruchtung, Aufzucht, Fütterung, Medikamentation und Schlachtung die komplette Produktionskette ist fest in der Hand eines Hennenzuchtunternehmens. Vertragslandwirte bekommen beispielsweise Wesjohann - Küken, die mit Wesjohann Futter und Medikamenten ausgestattet werden und werden dann auch in Wesjohann Schlachtereien getötet, zerlegt und verpackt.
Nur ein paar Züchter haben das Monopol auf die Zucht und damit die Produktionskette und die Preise monopolisiert.
Dabei wird mit System dem Verbraucher und der Öffentlichkeit suggeriert, es handle sich um innovative Formen der Tierzucht und artgerechte Tierhaltung, weil das optimierte Huhn den Anschein erweckt, höchst leistungsfähig und dabei „gesund“ zu sein, Verschwiegen wird dabei, welch grausame mechanisierte Industrialisierung sich dahinter verbirgt, die dem Huhn jedwede artgerechte Lebensweise abspricht und es zum Massenartikel und Höchstleistungs-Produzenten degradiert. Verschwiegen wird auch, dass kaum ein Huhn auf Grund zahlreicher degenerativer Erkrankungen die geforderte Mastzeit von wenigen Wochen je überleben könnte.
Der weitere Weg der Zucht
Australische Wissenschaftler verfolgen weitere Züchterische Ansätze:
Es sollen therapeutische Immunisierungen mittels Aerosolen oder über das Trinkwasser untersucht und eingesetzt werden, um die Abwehr der Tiere zu optimieren. Und weiterhin auch das molekularbiologische Verfahren der sogenannten RNA-Interferenz getestet werden, um den Abwehrmechanismus von Geflügel gegen das Vogelgrippe-Virus zu stärken.
Die Kinder der Elterntiere: ein L ben in der Intensivmast
Ihr Leben ist vorbestimmt, um als Broiler zu enden. Gemästete und gequälte Lebewesen, deren einziger Sinn darin bestehen wird, zu essen, zu verkrüppeln und zu leiden.
Lebenslange Isolation, Transporte durch halb Europa - ein Leben was letztlich der Unternehmer aber auch der Konsument den Tieren bereitet und der Anwohner, der die Duldung dieser tierverachtenden, konzentrierten Produktion in Kauf nimmt.
Ein Huhn in einer Legebatterie hat einen „gesetzlichen Anspruch“ auf 550 Quadratzentimeter. In der Mast ist die Bodenhaltung die Norm der Gefangenschaft. Der Begriff „Bodenhaltung“ suggeriert einen „verbesserten Zustand der Lebensbedingungen“. Bis zu 23 Hühner müssen auf einem Quadratmeter leben, dabei bleibt jedem Tier gerade mal ein Lebensraum von etwa 450 Quadratzentimetern. Weniger als das Huhn in der Legebatterie zugestanden bekommt.
40.000 und mehr Hühner verbringen in meist fensterlosen Hallen, ohne einen einzigen frischen Grashalm unter ihren Füßen, unter Dauerkunstlichtbestrahlung - damit sie auch nachts ununterbrochen essen - fünf Wochen lang auf und in ihren eigenen Ausscheidungen und werden anschließend getötet.
„Ständige tierärztliche Kontrollen“ sind reiner Hohn und Gewissensberuhigung für den „Verbraucher“, denn eine Versorgung des Einzelnen ist weder angedacht noch durchführbar. Kranke und schwache Tiere werden vielleicht mit gezieltem Genickbruch eine schnelle Tötung erleben, realistischer ist jedoch, dass sie am Boden im Dreck verdursten, verhungern oder an ihren Schmerzen nach Tagen dem Tod erliegen. Eine Verlustrate von 5% und mehr sind bereits einkalkuliert.
Tierfabrik = systematische Verstümmelung leidensfähiger Individuen
Der Hunger der Hochleistungs-Bruthennen:
Durch einseitige Zucht zum Hochleistungsmasthuhn wurde das Sättigungszentrum im Gehirn ausgeschaltet - die Tiere in der Broilermast sind sättigungsdepriviert, sie essen bis sie durch ihr Gewicht umfallen. Ihre Füße können den schweren Körper nicht mehr tragen, manche Tiere schaffen den kurzen Weg zum Futtertrog oder zur Tränke nicht mehr. Rund 3 Millionen Tiere sterben jährlich während der Mast, noch bevor sie auf brutale Weise getötet werden.
Die Elterntierkücken werden ihr Leben lang unter ständigem Hunger leiden. Ihr Sättigungszentrum wurde manipuliert, so dass sie ständig essen müssen. Diesen Hunger können die Elterntiere nie stillen, denn dann würden sie nicht lange genug leben, um genügend Nachkommen zu zeugen, die ebenfalls ständigem Hunger ausgesetzt sind, um in nur wenigen Wochen Mastzeit 1,6 Kilo auf die Waage zu bringen. Die Auswirkungen der Zucht auf hohe Leistung verstärken sich für die Elterntiere enorm. Die Hühner müssen restriktiv gefüttert werden, weil sonst „inaktzeptabel hohe“ Todesraten die Folge sind. Folglich leiden die Tiere unter ständigem Hunger. Sie zeigen Verhaltensstörungen wie stereotypes Picken, Übertrinken und Federpicken sowie Kannibalismus. Auch die zuchtbedingten, schmerzhaften Beinschäden verschlimmern sich mit zunehmendem Alter der Tiere. Die Elterntiere gelangen üblicherweise nie in ihrem Leben aus den Ställen, haben nie das Tageslicht gesehen und auch keine Körner zum Picken erhalten, sondern spezielle Futtergemische, die selbst mit gnadenlos kupiertem Schnabel noch aufnehmbar sind.
Hähnchen-Mast
Die Hähnchen-Mast wird oft auch als „bäuerliche Bodenhaltung“ deklariert. Mit 22 Tieren pro Quadratmeter herrscht qualvolle Enge, nicht anders als bei den Hennen der Legelinien. Die Mäster, die diese teure „Qualität“ erwerben, müssen die Kosten niedrig halten und erhöhen die „Besatzdichte“ Es werden einfach mehr Tiere pro Quadratmeter zusammengepfercht. Nach der neuen Richtlinie werden sich in Zukunft bis zu 26 Masthühner auf einem Quadratmeter Stallfläche drängen. Dies entspricht dem beschlossenen Maximum von 42 Kilogramm pro Quadratmeter. Dort vegetieren sie vor sich hin, essen ohne jemals ein Gefühl der Sättigung zu erreichen. Weil das Skelett einen solchen Körper auf Beinen nicht mehr halten kann, kippen die Tiere vornüber und sind in den letzten Tagen, manchmal Wochen ihres kurzen Lebens zur Verkrüppelung und Bewegungslosigkeit verdammt. Skelett, Sehnen und Bindegewebe sind der unnatürlichen Gewichtzunahme nicht gewachsen. Über 70% der Tiere haben frühzeitig verkrüppelte Beine, wobei infolge einer durch Vitaminmangel bedingten Fersengelenkerkrankung die Achillessehne abgleitet, das Bein sich nach außen verdreht und sie nur mühsam auf einem Bein umherhumpeln können.
Manche verhungern und verdursten, weil sie die Futtertröge und Tränken nicht mehr erreichen können. Andere sterben an Kreislaufversagen, weil das Herz der Belastung durch den aufgeblasenen Körper nicht standhält. Am Ende der Mast liegen die Vögel häufig apathisch in der feuchten verkoteten Einstreu in den Massenställen und leiden an schmerzhaften Entzündungen des Brustmuskels, den sogenannten Brustblasen.
Eitrige Lungenentzündung, plötzlicher Herztod, Nierenblutung, Leberverfettung und zahlreiche Infektionskrankheiten wie Husten, Nasenausfluss und Bindehautentzündung erleiden viele Tiere während der mörderischen Mastzeit. Eine Hauptursache des vorzeitigen Masttodes ist der plötzliche Tod durch Aortenriss, durch hochgradige Verkalkung der Ader und hohen Blutdruck. Typische Alterskrankheiten in einem frühen noch kindlichen Lebensalter ihres Daseins.
Verluste bis zu ca. 5 % gelten für den Mäster in seinen „Produktionseinheiten“ als normal. Das Leid des einzelnen Individuums ist uninteressant. Im Sommer quellen oft auf Grund der hohen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit die Kadaverbehälter mit an Überhitzung gestorbenen Hühnern über. Der geschundene Körper ist nur auf das Wachsen des Muskelfleisches getrimmt. Die inneren, lebenswichtigen Organe kommen diesem Anspruch nicht nach.
Die Industrialisierung des Huhns ist eine bis ins letzte Detail auf reine Effizienz geplante und getrimmte Landwirtschaft. Turbohennen, weisen in der qualvollen Enge der Ställe eine genetisch erhöhte Veranlagung für Verhaltensstörungen auf. Der Einfachheit halber wird den Tieren erbarmungslos der vordere Teil des Schnabels mit einer glühenden Scheibe gekürzt. Diese äußerst schmerzvolle Verstümmelung verstört die Küken in ihren ersten Lebenstagen, führt zu anhaltenden Phantomschmerzen und nimmt ihnen die Möglichkeit, sich je normal zu putzen und zu picken.
Hohe Vitamingaben (A, D3), die eigentlich Mangelerkrankungen vorbeugen sollen, erhöhen die Angriffslust zusätzlich. Die Hühner fügen sich in dem schrecklichen, abnormalen beengten, reizarmen und stupiden Lebensraum blutige Wunden zu, reißen sich gegenseitig die Federn aus.
Mit unnachahmlicher Arroganz behaupten Geflügelproduzenten mit grinsenden Werbeversprechen, dass ihre Hühner zu den Glücklichen gehören und dicke weiße abgepackte Schenkel Ausdruck gesunden Wohlbefindens seien.
"Produktionsverluste“
In den Brutschränken der Brütereien bleiben etwa 15% aller zu bebrütenden Eier als nicht befruchtet, zu langsam ausgebrütet oder mit abgestorbenen Embryonen liegen. In gewerblichen Brütereien die gängige Praxis. Eier, aus denen bis zum 21. Tag keine Küken geschlüpft sind, werden in den Abfall aussortiert und im Muser zerschreddert. Dort wird das Küken lebendig in Stücke gerissen und anschließend zu Eiweißfutter verarbeitet. Oft piepsen unter der Schale die Küken das erste Mal, um kurz bevor sie das Licht der Welt erblicken mit der Mutter Kontakt aufzunehmen. Ihr Leben endet bevor es begonnen hat.
Die Brüder der Legehennen:
In speziellen Brütereien für Legehühner ist kein Platz und kein Verwendungszweck für männliche Küken vorgesehen. Die unerwünschten Männchen werden schon an den Federn erkannt und sofort selektiert.
Die mit dem Aussortieren der Küken beschäftigten Mitarbeiter können dank dieser als „Feather-Sexing“ bekannten züchterischen Innovation etwa 4000 Küken pro Stunde aussortieren. Die unerwünschten männlichen Küken der Legelinien werden, weil sie kaum Fleisch ansetzen, getötet. Die aussortierten Hennen fahren auf dem Laufband zum Impfen, die kleinen Hähne werden in den Tod gestoßen : Entweder durch Vergasen in einem 30 Sekunden dauerndem Todeskampf , oder lebendig durch eine Schreddermaschine, den sogenannten Homogenisator. Die Hahnenküken kommen nach der Selektion auf ein Fließband, werden dann in einen Trichter geworfen, in dem sich ein rotierendes Schlagwerk befindet. Darin werden die lebenden Tiere im Akkord zerdrückt, zermust, zerfetzt.
Beim Kosten sparenderen Vergasen werden in einer Tonne achtlos Küken übereinander geworfen und Kohlendioxid eingeleitet. Die untersten zerbrechen und ersticken schon vor dem Vergasen an der Last ihrer Geschwister. Die obersten schreien noch längere Zeit piepsend nach der nicht vorhandenen Mutter ... Verhaltensforscher nennen das „Verlassenheitsweinen“ und Ausdruck größer Angst und seelischer Not.
Schmerzempfinden, Leidensempfinden, Ängste, Stressempfinden… kein Mitarbeiter, kein Unternehmer ist davon berührt. Gefühllos verrichten sie eine Arbeit, die andere Lebewesen in einer Massentötung sofort vernichtet und weiteren Individuen ein lebenslanges Martyrium aufzwingt, das ebenfalls in Massenvernichtungen enden wird.
Die Zuchterfolge der „Hühnerproduktion“ führen jährlich in unterschiedlichsten Brütereien zu Millionen vergaster, geschredderter Küken.
Nach einem Jahr Legeakkord-Alptraum ist auch für die Schwester das Lebensende gekommen.
Der „gemeine Wert“ eines Tieres errechnet sich in Züchterkreisen aus dem Wert des Eintagskükens (EK), dem Wert der verkaufsfertigen Junghenne (JH) und der Anzahl der vergangenen Aufzuchtstage bis zu Tötung (dn).Eine simple Rechnung: EK + ((JH- EK)/dmax) x dn = „Gemeiner Wert“, demonstriert die tatsächliche Wertlosigkeit des Lebens und den reinen Wert der zu erbringenden Leistung. Bei Legehennen haben nur die weiblichen Küken einen Wert, da in den üblichen Preisen der Wert der männlichen Küken bereits eingerechnet ist.
In der Natur legt jede Henne eine Pause zur Mauser ein, in der sich das Gefieder erneuert. Die Mauserpause ist bei der Eierindustrie unerwünscht. Die Eier nach der Mauser würden etwas größer sein, und der Zyklus verläuft nicht nach Standard und somit sind die Hennen für den Betrieb unwirtschaftlich und werden getötet.
Die Brüder der Masthennen:
In den Brütereien für Masttiere werden in ähnlichen Anlagen bei den Hybridlinien sowohl Hennen als auch Hähne zu Broilern gemästet. Entspricht die Leistungsfähigkeit der männlichen oder weiblichen Küken einer Linie nicht den Anforderungen der Mast werden diese von versiertem und geschultem Fachpersonal schnell und ohne Emotionen aussortiert. Sind keine weiteren Wege zur Mast für diese Küken vorgesehen, werden auch sie beispielsweise noch lebend auf dem Fließband weitertransportiert und rutschen in einen Schredder, oder werden in großen Tonnen lebendig vergast.
Ziel weiterer Zuchtmethoden
Verschiedenen Forschungseinrichtungen suchen nach Möglichkeiten, das Geschlecht des Huhns schon beim unbebrüteten Ei festzustellen - und damit Eier statt Küken „zu sexen“. Dazu müssten Zellproben genommen und analysiert werden, aber die notwendige winzige Keimmembran ist im geschlossenen Ei extrem schwer zu lokalisieren. Nur ein teures und aufwendiges Magnetresonanz-Verfahren könnte eine Analyse ermöglichen. Derzeit gibt es keine ökonomische Möglichkeit das Geschlecht der Küken vor dem Schlüpfen zu bestimmen. Mit viel Augenwischerei könnte sich damit lediglich das Gewissen erleichtert werden um den Tötungstermin vorzuverlegen. Ziel der Überlegungen ist, eine Rechtfertigung für über 40 Millionen Eier zu finden, die von den Legehennen jährlich „umsonst“ gelegt werden müssen.
Auch die meisten Bio-Betriebe beziehen ihre Küken aus den konventionellen Brütereien, und ersparen damit nicht das „Sexen“ der Küken.
Ziel weiterer züchterischer Ansätze ist das „Kombihuhn“, ein weiterer Schritt zur absoluten Degeneration und Industrialisierung des Tieres. Ein Huhn, das sowohl auf Eierlegen als auch auf Fleischansatz gezüchtet wird, könnte noch mehr Effizienz bedeuten. Millionen getötete männliche Küken der Legelinien sollten demnach vor der Tötung noch eine Mastleistung vollbringen. Da diese nicht normgerecht ausfallen wird, bestehen Überlegungen, sich in Fachkreisen darauf zu einigen, diese Tiere in Teilstücken und nicht als Körper auf den Markt zu bringen.
Mehr Kosten für Geflügelfolterer und Verbraucher werden jedoch den „Bedarf“ an billig erzeugten und getöteten Tieren nicht aufheben.
Umweltbelastungen durch Massentierhaltungsanlagen und Industriealisierungsprozesse
Weltweit werden 45.895.000.000 Hühner in Mastanlagen gequält und getötet.
Ca. 40% der Weltgetreideernte wird an Tiere verfüttert, anstatt es für Menschen zu benutzen.
Die Unmassen an Gülle und schädlichen Immissionen die bei der Leistungszucht -und Massentierhaltung entstehen, verseuchen Land, Luft und Grundwasser, das gasförmige Ammoniak belastet den Menschen, andere Tiere und die Umwelt. Ein Hauptproblem bleibt die Entsorgung der ständig wachsenden Menge tierischer Exkremente, die nach wie vor auf die Felder verteilt werden. Stickstoff in Form von Ammoniak gilt hauptverantwortlich für das Waldsterben, und wird zu rund 85% durch die Emmissionen der Tierhaltung verursacht.
Der Staubmix in Intensivtieranlagen ist komplex und besteht aus:
Pflanzenbestandteilen, Bakterien, Schimmelpilzen, Insektenresten, Milben,
Kotresten, anorganischen Staubanteilen (Erdreste, Quarz-, Tonstaub), Mineraldünger, Chemikalienresten aus Pflanzenschutzmitteln. Durch den Einfluss von löslichen Bestandteilen kann es zu toxisch irritativen entzündlichen Reizerscheinungen und zur Entwicklung von Allergien kommen, die sich im Bereich der Schleimhäute der oberen und unteren Atemwege bei Mensch und Tier manifestieren.
Moderne Filteranlagen versuchen die Gefährdung der Umwelt zu reduzieren, um Hühnerfarmen aus ökologischen Gründen zu vertreten, ganz verhindern können diese die Umweltbelastungen nicht. Das Tier in der Folteranlage ist jedoch permanent den eigenen und den konzentrierten Ausscheidungen der Mitgefangenen ausgeliefert und den schädlichen Einflüssen der Intensivhaltung mit all ihren Folgen ausgesetzt. Beißender Ammoniakgehalt in der Atemluft schädigt den gesamten Organismus. Ein Ausmisten während der Mastdauer ist nicht vorgesehen.
Brutale Schlachtungsmethoden
Schon viele Stunden vor dem Abtransport zum Schlachthof bekommen die Tiere keine Nahrung mehr. Dieser abrupte Abbruch der einzigen Lebensgewohnheit, die sie je hatten, führt zu unerträglichem Stress und zusätzlicher Not. Dieser absichtliche Nahrungsentzug hat nur einen Grund: Es soll vermieden werden, das der Darminhalt nach der Tötung das Fleisch verschmutzt. Zudem kann Nahrung, die 30 Stunden vor dem Tod verabreicht wurde, nicht mehr in Fleisch umgewandelt werden. Eine solche Nahrungsmittelverschwendung wird konsequent ausgeschlossen. Am Ende eines langen Leidensweges lernen diese Tiere noch den unerträglichen Hunger kennen.
Viele Tiere sterben schon beim Einfangen und Transport zum Schlachthof. „Geflügel- erntemaschinen“ oder „Greiferkolonnen“ sammeln bei gedämpftem Licht erbarmungslos und ohne Rücksicht die Tiere ein, ungeachtet dessen, ob sie diese dabei verletzen. Sie werden weder gefüttert noch getränkt, sind in die Transportkisten gepfercht. Die Transporter fahren vorzugsweise in der Nacht. Nicht selten brechen sich die Tiere beim Transport Flügel und Knochen, werden von Artgenossen erdrückt oder sterben vor Angst.
In der Schlachterei werden die Hühner aus den Transportkisten gerissen, mit dem Kopf nach unten in die Förderkette gehängt, durchlaufen ein Elektrobetäubungsbad, rotierende Messer, das Brühbad und die Entfederungsanlage. Voller Schmerz bäumen sich die Tiere auf und versuchen, der grauenvollen Situation zu entrinnen. 1/3 bis 2/3 der Hühner sind nicht betäubt. Sie erleben den Schlachtvorgang bei vollem Bewusstsein. Dann wird ihre Hauptschlagader durchtrennt, über einer Rinne bluten die toten Körper aus. Anschließend werden sie fünf Minuten bei über 50 Grad abgebrüht, gerupft und schließlich zerstückelt. Finisher, Kröpfebohrer, Halshautschneider, Hälsekneifer, Innen-und Außenwäscher und Lungensauger zerteilen automatisch den Körper.
Verwertet wird jede einzelne Faser des zu Tode gemarterten Tieres. Konsumenten der Industrieländer bevorzugen vorwiegend das Brustfleisch des Tieres. Über einen gigantischen globalen Fleischhandel wird der verschmähte Teil der Tiere wie Schenkel und Füße, sowie der Rest vom bis aufs Letzte abgeschabten Knochen als Schlachtabfall nach Osteuropa, etwa in die Ukraine oder nach Bulgarien, auch Russland und China verkauft.
Das organisierte Verbrechen europäischer Geflügelzüchter hat den Kreislauf des Brütens und Tötens fest im Griff. Die nächsten Küken sind bereits geschlüpft und werden innerhalb der folgenden 35 - 40 Tage zu Tode gefoltert.
"Dummes Huhn?"
Die stereotype Einstellung der Menschen gegenüber dem sensiblen Wesen Huhn ist gekennzeichnet von abwertendem Sprachgebrauch, wie beispielsweise: „dummes Huhn“. Paradoxerweise wird aber gern jemand beschützend unter seine „Fittiche“ genommen. Zwiegespalten, wie in vielen solchen Fragen, ist das Verhältnis des Menschen zum Huhn.
Schlüpfende Küken symbolisieren einen mutigen, selbsterkämpften Weg ins Leben, assoziieren Tapferkeit und Entfaltung. Und dennoch, so wie das Gelb des ersten Flaums verschwindet, verflüchtigen sich auch die Zuneigung und die Bewunderung des Menschen.
Geflügelproduzenten zeichnen moderne Hühnerparadiese, glückliche Hühner und durchorganisierte „Lebensmittelproduktion“ in die Köpfe der Verbraucher. Das Küken der romantischen Vorstellung ist ein Fließbandhuhn, ein Förderbandküken, ein Rohstoff, der nicht als individuelles Leben wahrgenommen wird.
Abzüglich der Betriebskosten ist ein Küken in der Hand der „legitimen“ Mastvergewaltiger eine effiziente Umsetzungsmaschine. Ihre Lebenserwartung von 15-20 Jahren wird komprimiert auf leistungsorientierte wenige Wochen, die in der gefühllosen Mechanik der Brüterei beginnt und im Schlachthof endet.
Der selbstgekrönte, grenzenlos nach Macht und Profit strebende Mensch setzt sich tagtäglich millionenfach und kaltblütig über das Lebensrecht, die Sehnsucht nach Selbstbestimmung und freier Entfaltung anderer Mitlebewesen hinweg. Gnadenlos und gierig wird entrissen, selektiert, kupiert, verstümmelt, gefoltert und getötet.
Annett Baum