Tiere sind keine Ware!
Dresden: Kundgebung gegen Tiertransporte
Unter dem Motto „Tiere sind keine Ware - Tiertransporte stoppen“ demonstrierten am 18. Mai etwa 50 Menschen vor dem Westin Bellevue Hotel in Dresden. Grund war die Eröffnung der Jahrestagung der Animal Transport Association (AATA) einer Interessensvertretung, welche sich für den globalen Handel und Transport von Tieren einsetzt. Die Tierrechtsgruppe in Dresden hatte zum Protest aufgerufen.
Die AATA ist ein Zusammenschluss von weltweit agierenden Unternehmen, die Tiertransporte durchführen. Hauptsitz der AATA ist Houston, Texas (USA). Die meisten Mitglieder der Gesellschaft stammen ebenfalls aus den USA. Auf ihrer Tagung in Dresden ging es u. a. um Sicherheitsbestimmungen beim Transport von sogenannten Versuchstieren, den Transport von „Ein-Tages-Produkten“ (gemeint sind Eintagesküken) und erneut widmeten die TeilnehmerInnen einige Stunden der Tierbefeiungsbewegung. Unter dem Tagungspunkt „Understanding Animal Activism vs Animal Extremism“ ging es um „Tierrechtsaktivismus in UK“ und ein „Zusammenarbeiten gegen diese Aktivisten“. Bereits auf ihrer Konferenz 2007 in San Diego / USA sprachen auf Einladung der AATA verschiedene ReferentInnen über „Tierrechtsterrorismus“. „Wenn sie oder ihr Unternehmen in der Tierindustrie tätig sind, werden sie zum Ziel“ so das Fazit 2007. Anwesend waren in San Diego auch VertreterInnen des FBI. Gesetze wie das amerikanische Animal Enterprise Terrorism Act (AETA ) wären ohne Lobbygruppen wie die AATA sicherlich nicht verabschiedet worden.
Gegen 12 Uhr startete die Kundgebung. Bereits eingesprochene Texte wurden abgespielt, Musik, Megaphonsirenen, Trillerpfeifen und immer wieder Sprechchöre wie „No Excuse for Animal Abuse“, „Stoppt Tiertransporte“, „Blood on your hands“ oder „Shame on you“ verfehlten ihre Wirkung nicht. Die KongressteilnehmerInnen hatten einen anderen Empfang erwartet und waren sichtlich genervt. Die bereits anwesenden TeilnehmerInnen des Kongresses versammelten sich hinter den Fenstern des Bankettzentrums und fotografierten eifrig. Anreisende TeilnehmerInnen in Bussen und PKWs wurden mit Sprechchören begrüßt und gingen meist ohne Kommentar in die Hotellobby. Insgesamt keine angenehme Atmosphäre für die weit angereisten TeilnehmerInnen zum Kongressauftakt. Als nach einigen Stunden AktivistInnen bis in die Hotellobby liefen und dort mit Transpis und Schildern lautstark gegen Tierausbeutung zu protestieren, kam es noch zu einer kurzen Rangelei mit dem Sicherheitspersonal.
Bereits im Vorfeld wurden in der Nachbarschaft Flyer über Tiertransporte und die Lobbyvereinigung AATA verteilt. Einige AnwohnerInnen zeigten während der Demo ihre Sympathie für den Protest und auch viele Hotelgäste /TouristInnen reagierten positiv. Weniger positiv war das Verhalten der Ordnungshüter. So wurden nach Aufforderung des Veranstalters die Personalien einer Demoteilnehmerin festgestellt. Nicht weil diese gegen Gesetze oder Auflagen verstoßen hat. Sie hatte lediglich fotografiert. Der Veranstalter fürchtet, dass die Fotos zu Straftaten benutzt werden könnten.
Zu den Sponsoren des Kongresses zählte u.a. Aviagen. Das Unternehmen errichtet in Freiberg / Sachsen Europas größte Kükenzucht (TIERBEFREIUNG berichtete, Ausgabe 58). Ein weiterer Sponsor war der niederländische Versuchstierhändler Hartelust. Das Unternehmen RC Hartelust BV ist einer der wichtigsten Händler von sogenannten „Versuchtieren“ in Europa und importiert alle erdenklichen Spezies von Meerschweinchen bis zu Affen aus dem außereuropäischen Raum, um diese an Labore in Europa zu verkaufen.
Schon vor dem Kongress gab es innerhalb der AATA Streitigkeiten. Die unsägliche Tierschutzorganisation „World Society for the Protection of Animals“ (WSPA) wollte aktuelles Filmmaterial über die grausame Wirklichkeit der Langstrecken Tiertransporte während des Kongresses zeigen. Organisationen wie die WSPA plädieren für einen „humaneren Umgang“ mit Tieren und für kürzere Transportzeiten. Die VeranstalterInnen lehnten jedoch ab das Filmmaterial zu zeigen. Zur Begründung hieß es, man habe zwar das Material gesichtet, es sei jedoch kein befriedigendes Portrait der Branche.
Der Protest war der britischen Tierrechtlerin Jill Phipps gewidmet. Jill verstarb am 1. Februar 1995 bei Protesten gegen Lebendtiertransporte in England, nach dem sie von einem LKW überrollt wurde.
Link: http://dresden.antispe.org
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