On the road – against fur

Anlässlich der bundesweit größten Tierrechtsdemonstration in Frankfurt gegen die Pelzmesse „Fur & Fashion“ wollten wir zur Mobilisierung eine Fahrradkarawane von Salzburg nach Frankfurt organisieren und so eine Strecke von rund 600km zurücklegen. Krankheiten sowie technische Probleme raubten uns dabei schon die Zeit während der Planung. Doch wir ließen uns dennoch nicht abhalten, die Fahrradkarawane rechtzeitig zu starten. Spontan wurde sogar noch zusätzlich eine Demonstration während der Pressekonferenz zur ersten Quartalsbilanz von ESCADA organisiert.


1. Tag (29. Februar 2008):

Allen Mutes begann die Tour in Aschheim bei München vor dem Hauptsitz der ESCADA AG. Kaum den S-Bahnhof verlassen, verweigerten uns PolizistInnen den direkten Weg zu unserem Veranstaltungsort. Der Grund war eine von ESCADA organisierte Gegenveranstaltung, die den einzigen Zweck hatte, uns möglichst fern zu halten, damit die geladenen PressevertreterInnen uns ja nicht bemerkten. Zusätzlich wurden die VertreterInnen von der Presse auch noch extra von einem anderen S-Bahnhof chauffiert, was uns aber nicht davon abhielt, unseren Protest gegen den Pelzhandel fort zu führen, sonder unseren Enthusiasmus nur noch bestärkte. So zogen wir unsere Demonstration umso entschlossener durch und ließen die Gegenseite vor Scham verblassen. Als die Konferenz beendet war bekamen wir doch noch ein paar JournalistInnen zu Gesicht. Rasch machten sich 2 AktivistInnen auf den Weg, sie mit Flyern zu informieren, was die Polizei sowie das private Wachpersonal von ESCADA kläglich versuchte zu verhindern.

Nach diesem Spektakel mussten wir mal wieder feststellen, wie sehr wir doch die Exekutive auf Trab halten, denn alle PelzgegnerInnen wurden von der Polizei sowie vom Staatsschutz verfolgt, um zu schauen wie viele Personen im Zug nach Salzburg mitfahren. Dabei war es egal, wie man unterwegs war, ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, der S-Bahn oder mit dem Auto. So erholten wir uns nach dem heiteren Katz & Maus-Spiel im Zug, um frisch gestärkt unsere Proteste vor einer ESCADA-Filiale in Salzburg fort zu führen. Vor dem Laden in Salzburg wurden wir schon von PelzgegnerInnen aus der Stadt erwartet. Nach schnellem Aufbauen wurde die Demonstration sehr strukturiert vollzogen. Den leichten Nieselregen ignorierten wir, um so mehr ließen wir PelzträgerInnen sowie ESCADA-KundInnen spüren, was für ein Leid sie anrichten. Ladenschuss bedeutete auch das Ende der Demonstration, so schwangen wir uns auf die Räder und fuhren noch ein Stückchen die Salzach hinunter.

2. Tag:

Gestärkt vom Frühstück und ohne Erwartungen, was der Tag mit sich bringen mag, ging es in der Früh gleich los in Richtung Rosenheim. Alle waren gut gelaunt und der Himmel strahlte. Doch der Schein trügte, auf halbem Weg nach Rosenheim zeigte Orkan Emma seine Kraft. Den Berg hinunter fahren wurde genauso anstrengend, wie hoch zu fahren. Doch wir fuhren unerschrocken weiter, bis direkt vor uns ein Baum auf unseren Weg umkippte. Als wir hinter uns sahen, dass ein Auto von einem anderen Baum getroffen wurde und immer mehr Feuerwehreinsätze kamen, beschlossen wir unsere Strecke mit dem Zug nach Rosenheim fort zu setzen. Zum nächstgelegenen Bahnhof hin wurden wir zusätzlich noch von Hagel überrascht, was aber nicht die einzige Überraschung sein sollte, denn genau an diesem Tag fuhr wegen Bauarbeiten auch noch kein Zug. So blieb uns nichts anderes über als uns noch 10 km durch das Wetter zu kämpfen, um an einen Bahnhof zu kommen, an dem noch Züge fahren sollten. Die kommenden Kilometer wurden noch zusätzlich von einem Schneesturm erschwert, was das Fahren auf den Rädern zeitweise unmöglich machte und uns dazu zwang, sie zu schieben. Am Bahnhof angekommen, erfuhren wir die Botschaft, dass aufgrund des Unwetters keine Züge mehr in Richtung Rosenheim fuhren. An dem Punkt hatten wir unsere Demonstration für den heutigen Tage schon fast aufgegeben, bis im letzten Moment doch noch die Durchsage kam: „Bis Rosenheim ist die Strecke wieder geräumt. Züge in Richtung München fahren wieder bis Rosenheim.“ Hektik kam auf, denn wir hatten nicht mal 2 Minuten um unsere Sachen zusammen zu packen und zum richtigen Gleis zu gelangen. In letzter Sekunde, dank geschickter Teamarbeit, ist es uns gelungen, so dass wir gerade noch rechtzeitig Rosenheim erreichen konnten. In Rosenheim hieß es keine Zeit zu verlieren, denn der Ladenschluss vom örtlichen BiBa rückte immer näher. Während der Demonstration mussten wir feststellen, dass die Stadt wohl selten eine Demonstration mit so viel Energie gesehen hat. Die BiBa-Verkäuferin schloss gleich die Türen ab, eine Menschentraube voll neugieriger Blicke bildete sich rasch um die Demonstration und Polizeiautos tauchten aus allen Ecken auf. Nach getaner Arbeit ging es dann weiter Richtung München.

3. Tag:

Heute war Sonntag, der einzige Tag ohne Demonstrationen. Obwohl wir uns Zeit lassen konnten, beeilten wir uns dennoch nach München zu kommen, um noch ein paar organisatorische Dinge erledigen zu können.

4. Tag:

Mit neuen MitstreiterInnen ging es gleich sehr früh los nach Aschheim zum Hauptsitz der ESCADA AG, um den MitarbeiterInnen des Konzerns den Wochenstart zu „versüßen“. Mit unseren Stimmen und den verschiedensten Instrumenten skandierten wir unseren wütenden Protest heraus. Natürlich blieben uns auch hier die Polizei, die Sicherheitskräfte und der Staatsschutz wieder nicht erspart. Und abermals wurde die Fahrradkarawane von einem Streifenwagen verfolgt, der diesmal nicht einmal Halt vor Fußgängerunterführungen oder anderen Hindernissen gemacht hatte. Die zweite Station an diesem Tage war die Theatinerstraße in der Münchner Innenstadt. Dort demonstrierten wir auf Grund der Auflagen etwa 100 Meter von der dortigen ESCADA-Filiale entfernt. Auch hier waren wir kaum zu überhören, Fahrradklingeln, Hupen, Trommeln und Töpfe unterstützten unsere Stimmorgane bei der Kundgabe unseres Protestes. Eine Passantin stellte sich spontan in unsere Reihen und schloss sich unserem Protest an. Positive Resonanz bekamen wir auch von JournalistInnen eines Jugendmagazins, die unsere Statements in der nächsten Ausgabe abdrucken wollen, und von dem veganen Restaurant „Zerwirk“, das uns alle zu einem kleinen Snack einlud. Nach Speis und Trank bekamen wir vom Zerwirk noch 3 Tafeln vegane Schokolade geschenkt und konnten uns mit neuer Kraft nach Augsburg aufmachen, wo uns ein köstlicher Grillabend auf einem Bauwagenplatz erwartete.

5. Tag:

Frisch erholt ging es auch am fünften Tag am Morgen gleich weiter mit den Rädern, dieses Mal nach Ulm. Mittags nach einer kleinen Streckenpause bei unserem Infobus, der uns auf dem Weg von München bis Frankfurt treu begleitet hatte, kam es zu einem Fahrradunfall der von einem unachtsamen Fußgänger verursacht wurde. Wir ließen den Schock ruhen und machten uns mit allem Eifer wieder auf die Socken. Auch dieser Zwischenfall konnte uns nur wenig Zeit stehlen, doch wir waren nicht aufzuhalten. In Ulm wurde uns ein herzliches Willkommen von den TierrechtlerInnen und -befreierInnen entgegengebracht. Vor Ort gibt es kein Geschäft vom ESCADA-Unternehmen, trotzdem konnten wir die Bevölkerung über die Kampagne informieren und den vielen Interessierten unterschiedlichste Möglichkeiten anbieten, sich aktiv zu beteiligen, um so ihren Teil gegen die Tierausbeutung beizutragen. Wir sind glücklich, so viele motivierte Menschen vor Ort getroffen zu haben und haben auch gleich die Gelegenheit genutzt, um neue Kontakte zu knüpfen. Nach diesem Spektakel machten wir uns, aus zeitlichen Gründen, wieder auf um ein Stückchen in Richtung Stuttgart zu radeln, doch dabei wurden unsere tapferen FahrradaktivistInnen in der Dunkelheit von einem Schneeregen überrascht.

6. Tag:

Der Tag begann mit einer Fahrt durch die leicht mit Schnee bedeckte schwäbische Landschaft. Irgendwann in einem Wald sahen wir wieder einmal was für eine Kraft Orkan Emma am Wochenende zuvor hatte. Hunderte ausgerissene Bäume versperrten uns den Weg und wir mussten uns einen neuen Weg suchen. So irrten wir eine Zeit lang durch den Wald, doch am Rande des Waldes sahen wir das Emma nicht nur negativ uns gegenüber gestimmt war, ein umgestürzter Hochsitz erfreute unsere Weiterfahrt. Bei unserer Mittagspause mussten wir uns aus Zeitnot und schwindenden Kräften für ein rechtzeitiges Erreichen der ESCADA-Filiale in Stuttgart für eine Zugfahrt entscheiden. In Stuttgart wurden wir von einer Traube von PelzgegnerInnen in Empfang genommen, die schon Stunden zuvor mit einem Infostand und Kostümen die Bevölkerung über Tierausbeutung informierten. So mussten wir Schwung in Demonstration bringen und peppten sie mit unseren Parolen ein bisschen auf. Danach ging es ein letztes Mal ein kleines Stückchen mit dem Zug stadtauswärts.

7. Tag:

Nach einer frostigen Nacht gab es für die FahrradfahrerInnen eine herrliche Talfahrt unter blauem Himmel am Neckar entlang Richtung Heidelberg. Dieses Mal traf es dafür das Team vom Infobus, denn die Räder drehten bei dem feuchten Boden auf der Wiese durch. Dank der Hilfe eines zufällig vorbei kommenden Lieferwagens, der unseren Bus aus der misslichen Lage befreite, konnte die Fahrt dann doch noch fortgeführt werden. In Heidelberg begannen wir unsere Demonstration zunächst alleine dafür direkt vor der örtlichen BiBa-Filiale. Die meisten PassantInnen haben uns interessiert nach den Gründen für unser rhythmisches Skandieren gefragt. Mit all unseren Kräften und Hilfsmitteln zeigten wir auch hier unseren Protest gegen die Tierausbeutung. Bis wir dann ein paar Meter weiter mussten, wo die lokale Tierrechtsgruppe das „Tierfreunde Mobil“ aufgebaut hatte und einen aktuellen Film zeigte. Der Film gab alle Details über die Pelzindustrie preis, von der Geburt junger Nerze über deren Häutung bis zu der Verwendung ihres Fells als Modeobjekt. Dass die Demonstration vor BiBa vorbei war, ließ uns aber nicht davon abhalten, die PassantInnen auch vor dem Laden über die Machenschaften des Konzerns zu informieren. Es waren dann zwar nur zwei AktivistInnen vor dem Geschäft, doch sie hatten eine Unmenge an Enthusiasmus und überzeugende Argumente. Nach dieser erfolgreichen Aktion ging es dann auch gleich weiter Richtung Darmstadt.

8. Tag:

Heute ging es zum vorletzten Stopp der Fahrradkarawane, vor dem großen Finale in Frankfurt, nach Darmstadt. Dort hatten einige AktivistInnen vor Ort schon einen großen Infostand aufgebaut und verteilten fleißig Flyer und sammelten Unterschriften. Wir begannen sofort unsere Transparente und Geräuschutensilien auszupacken, um mit unserem Protest auch hier, wie die Tage zuvor, fort zu fahren. Wie in den anderen Städten zuvor musste auch an diesem Tag die BiBa Filiale in Darmstadt merken, welche Scham und welche Belästigung es nach sich ziehen kann, sich an der systematischen Gewalt gegen über Individuen zu beteiligen. Die Ordnungshüter stellten sich an diesem Tag mal wieder auf die Seite der AusbeuterInnen und versuchten kläglich, uns mit Einschränkungen unseres Rechts auf freie Meinungsäußerung, einzuschüchtern. Dies führte sogar so weit, dass einem Aktivisten – wörtlich - „das Rumhampeln“ verboten wurde. Doch auch hier haben wir wieder einmal unseren Protest mit aller Kraft bis zum Ende durchgezogen, trotz aller Versuche, uns daran zu hindern. Nach diesen Machtspielchen mit der Polizei ging es mit neuen MitstreiterInnen weiter in Richtung Frankfurt. Die letzten Abendstunden vor dem Ziel der Fahrradkarawane genossen wir an einem gemütlichen Lagerfeuer.

9. Tag (8. März 2008):

Endlich mal ein Tag, an dem wir eine Stunde länger schlafen konnten, denn bis Frankfurt war es nicht mehr weit. Trotzdem machten wir uns, voller Vorfreude auf die anstehende Demonstration, rasch auf den Weg. Als wir unser Ziel in Frankfurt erreichten, war schon ein Trubel ausgebrochen. Infostände aus den verschiedensten Städten waren schon aufgebaut und alle UnterstützerInnen der Proteste gegen die „Fur & Fashion“ erledigten noch letzte Vorbereitungen. Zum Start der Demonstration hielt auch ein Aktivist der Fahrradkarawane eine Rede, um Erfahrungen, Erlebnisse und vor allem einen Dank, an alle die das Projekt unterstützt haben, auszusprechen. Diese Ansprache heizte der Masse an TierrechtlerInnen und TierbefreierInnen so ein, dass die Demonstration beginnen musste. Die Fahrradkarawane bildete am Ende des Demonstrationszuges einen Fahrradblock, um auch hinten für Stimmung in den eigenen Reihen zu sorgen und den vorbei ziehenden TierausbeuterInnen zu zeigen, dass wir vor ihnen keine Ruhe geben werden. Nach dieser Demonstration nutzten noch einige von uns die Aftershowparty zur Demo, um den Tag nach der anstrengenden Woche mit Musik ausklingen zu lassen.

Fazit

Der direkte Vergleich von den verschiedenen Städten zeigt, dass es wichtig und auch interessant ist, in Städten zu demonstrieren, wo sonst nie Proteste stattfinden. Außerdem haben wir ein Zeichen setzen wollen, dass es auch für weitere Strecken noch andere Alternativen zum Auto als die Bahn gibt, vor allem ökologischere und sinnvollere. Der Kreativität sind da keine Grenzen gesetzt und dieses Projekt weckte auch bei uns neue Ideen. Zeit und Kreativität sind immer eine gute Investition für eine abwechslungsreiche, erfolgreiche und spaßige Protestbewegung. Darum gebt euer Bestes, denn wir sind nicht viele im Kampf gegen die Ausbeutung, doch gemeinsam sind wir stark und nichts kann uns stoppen!!

Link: http://mai.antispe-sued.de/


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