Der Tierversuch gehört abgeschafft
in Würzburg und dem Rest der Welt
Anlässlich des „Internationalen Tages zur Abschaffung der Tierversuche“ (24. April) fand am 19. April 2008 in Würzburg eine lautstarke Demo gegen diese Art der Tierausbeutung statt. Es war die erste Demo seit 3 Jahren gegen Tierversuche allgemein und das Tierversuchszentrum der Uni im Speziellen.
TierrechtlerInnen vor Ort protestieren seit Jahren gegen die Forschung am Tier, die an zahlreichen Unilaboren der Stadt statt findet, doch abgesehen von mehreren Mahnwachen vor den Orten des Grauens, gab es in den letzten Jahren aufgrund der örtlichen Nähe zu der Glaubensgemeinschaft „Universelles Leben“ (in und um Würzburg stark vertreten) und dem damit verbundenen Ärger bzw. den Auseinandersetzungen und Verwechslungen („Ach, ihr setzt euch für Tiere ein, seid ihr vom UL?“) keine richtige, große Demo mehr in der Stadt am Main. Das Problem ist mittlerweile gelöst, das UL wie bei fast allen anderen Tierrechtsaktionen in Deutschland absolut unerwünscht und dank deutlicher Distanzierungen auch tatsächlich fern geblieben. In den vergangenen 4 Jahren sammelten die lokalen TierrechtlerInnen rund 14.000 Unterschriften, die sich explizit gegen die in Würzburg statt findenden Versuche sowie der Forderung einer tierversuchsfreien Forschung aussprechen. Eine Protestkarten-Aktion, bei der Postkarten an diejenigen, die für das ZEMM verantwortlich sind (u. a. Unipräsident Axel Haase und die abgewählte OB Pia Beckmann) unterzeichnet werden konnten, wurde bis heute von etwa 6.000 Menschen unterstützt. Würzburg ist mit dem teuersten Tierversuchszentrum Deutschlands, dem ZEMM (Zentrum für experimentelle, molekulare Medizin, Baukosten 31 Millionen Euro) eine der deutschen Hochburg der tierexperimentellen Forschung und es demonstrierten rund 200 TierrechtlerInnen und TierversuchsgegnerInnen gegen die Ausbeutung von Tieren im Versuch. Bei der von den „Ärzten gegen Tierversuche“, „Menschen für Tierrechte Würzburg“ und dem Bündnis TieRe veranstalteten Aktion wurde ein Zeichen gegen die weltweit statt findenden Tierversuche gesetzt und zum Ausdruck gebracht, dass wir eine tierversuchsfreie Forschung fordern und Tierversuche aus ethischer, medizinischer und wissenschaftlicher Sicht abzulehnen sind. Mehrere DemoteilnehmerInnen nahmen einen weiten Weg auf sich (u.a. München, Allgäu, Gütersloh und sogar aus dem hohen Norden), um uns in unserem Anliegen zu unterstützen. Hätte uns der Dauerregen nicht einen Strich durch die Rechnung bzw. die gute Planung gemacht, wir sind uns sicher, dass die Veranstaltung dann mit noch mehr Leuten über die Bühne gegangen wäre. Vereine, die mit einem Infostand die PassantInnen und BürgerInnen informierten, waren: Menschen für Tierrechte Nürnberg, Ärzte gegen Tierversuche, TIRM, Die Tierfreunde e. V. Ortgruppe Mittelfranken/Nürnberg, animal 2ooo, Radixversand und die Katzenhilfe Würzburg. So viele Vereine haben sich noch nie zuvor auf dem Würzburg Markplatz versammelt, um für das Ende aller Tierversuche einzutreten. Schon von weitem war unser „Blickfang“ auf dem Marktplatz gut ersichtlich eine mit roter Farbe bemalte Pyramide aus weißen Betttüchern, welche symbolisch als Leichenberg stehen soll, für die 48.000 nichtmenschlichen Tiere, die die Uni dieser Stadt jährlich der vermeintlichen Forschung Wissenschaft opfert. Ein Berg von 48.000 toten Mäusen würde so hoch und groß sein wie diese Pyramide. Es gab reichlich Infomaterial, Snacks und T-shirts, Buttons etc. zu kaufen. Für vegane Verpflegung war bestens gesorgt: von Burgern, über Muffins, Kuchen, Tiramisu und Baguette mit Sojafrischcreme reichte die Auswahl. Für musikalische Unterhaltung sorgte die Band „Die Singvögel“ mit einer Mischung aus Folk, Pop und Rock. Verschiedene Redebeiträge, u.a. über die Situation der Tierversuche in Würzburg, den Tegenero Skandal (2006 testet eine Würzburger Pharmafirma einen Wirkstoff an menschlichen Probanden. Diese erlitten schwere Schäden, welche in den zuvor durchgeführten Tierversuchen nicht abzusehen waren) oder über die ethische Seite von Versuchen an Tieren, sorgten für Abwechslung und Information. Es sprachen u.a. Margit Brücklmeier, Vorsitzende von animal 2ooo sowie die Tierschutzlehrerinnen Roswitha Folkers-Wein (aus Schortens) und Catrin Freiberg (aus Leipzig). Die Demo sorgte ihm sonst so ruhigen Würzburg durchaus für Aufsehen. Als sich der Demozug gegen 12:30 lautstark skandierend durch die Innenstadt, vom Markplatz, über die Residenz und wieder zurück zum Marktplatz, bewegte. Unzählige Banner machten den Menschen klar, was wir wollen: Die Abschaffung aller Tierversuche! „Schluss mit dem Profit auf Kosten der Tiere“ und „Tierfolter stopp, Tierversuch Boykott“ ertönte es immer wieder aus der Menge. Zahlreiche DemoteilnehmerInnen verteilten Infoflyer an die PassantInnen in der Innenstadt. Den Menschen, die in Geschäften oder Cafés waren und aufgrund der Sprechchöre aufhorchten und uns durch die Glasscheiben zum Teil interessiert und erstaunt anschauten, wollten wir durch unsere Lautstärke ebenfalls klar machen, dass wir hier und jetzt den Tieren eine Stimme verleihen und ein Ende der Ausbeutung fordern. Während des Demozugs, der von dem „Anti-Tierversuchsauto“ angeführt wurde, wurden Zahlen und Fakten zu Tierversuchen verlesen. Wir wollten, dass die Öffentlichkeit informiert wird über das Grauen, das tagtäglich empfindsame Lebewesen zu ersetzbaren Wegwerf-Messinstrumenten degradiert, unter dem Deckmantel der Wissenschaft. Tierversuche sind grundsätzlich aus vielerlei Gründen abzulehnen und behindern unter Umständen die Forschung sogar erheblich. Sie liefern keinerlei Sicherheit und sind ein Armutszeugnis für die moderne Wissenschaft. Susanne Pfeuffer, Presseprecherin der „Menschen für Tierrechte Würzburg“, kritisierte, dass trotz der Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz die Tierversuchszahlen weiter steigen und dass Versuche am Tier nur selten zu einer medikamentösen Therapie beim Menschen beitragen würden. Sie erklärte, dass in den letzten Jahren mehrere Medikamente vom Markt genommen werden mussten, weil sie beim Menschen zu erheblichen Schädigungen führten, im Tierversuch jedoch als erfolgreich getestet worden seien. Die Lokalpresse berichtete in unserem Sinn über die Demonstration und es wurden an diesem Tag viele Menschen auf dem ein oder anderen Weg erreicht und sie alle erhielten die Message, dass Tierversuche der falsche Weg sind und dass Tiere Rechte haben.
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