Manege frei für Zirkus ohne Tiere!
Für die Tiere bedeutet der Zirkus ein Leben in einem winzigen Käfig. Gedemütigt jeden Tag irgendwelche entwürdigenden Mätzchen in der Manege vorzuführen. Die Tiere werden mit Zuckerbrot und Peitsche zu einem artwidrigen Verhalten gezwungen.
Tiernummern im Zirkus gehören bedingungslos verboten. Veränderungen zum Wohl der Tiere passieren jedoch nicht von selbst. Jahrelange Arbeit - sowohl hinter den Kulissen beim Zirkus, als auch Auseinandersetzung mit den Behörden - sind Voraussetzung dafür. Wichtig sind auch Gespräche mit interessierten Journalisten, die im Rahmen von Berichterstattung in lokalen Medien Meinungsbildner sein können, sowie Protestaktionen direkt vor Ort, um potentielle Besucher aufzuklären und den Druck auf die tierausbeutenden Unternehmen zu erhöhen.
Mängel in den Zirkussen in Bezug auf die Einhaltung der Mindestanforderungen der Leitlinien des Bundesverbraucherministeriums gibt es so gut wie bei jedem Zirkus, und genau hier sollten Tierrechtlerinnen ansetzen. Auch wenn unsere Forderungen in der kompletten Abschaffung der Tierausbeutung münden, kann man mit dem Umweg, sich an den Dingen festzuklammern, was eigentlich schon gesetzlich geregelt bzw. verboten ist, einiges erreichen und es den Tierausbeuterbetrieben schwer machen. Die TierrechtsInitiative Rhein-Main (TIRM) hat in den letzten Jahren Erfahrungen im Umgang mit Zirkusbetrieben gesammelt und stellt im Beitrag „Schluss mit Zirkus!“ einen kleinen Leitfaden zur Verfügung.
Kleine Checkliste:
10 ToDos für eine optimale Zirkusbetreuung
1. Augen auf: Regelmäßig checken, ob ein Zirkus in die Nähe kommt z.B. auf Plakatierungen achten, auf www.zirkusdatenbank.de recherchieren. Diese Datenbank bitte nicht nur passiv nutzen, sondern auch aktiv Termine von Zirkussen eintragen, auch falls diese in der Vergangenheit liegen. Es kann wichtig sein, nachvollziehen zu können, wann sich der Zirkus wo aufgehalten hat.
2. Startschuss: Zirkus kommt? Recherche beginnt Wo war er vorher, welche Tiere führt er mit sich, was schrieb die lokale Presse über ihn (z.B. news.google.de), Kontakt mit lokalen Aktivisten aufnehmen und befragen.
3. Studieren: Zirkusleitlinien und Säugetiergutachten In den „Leitlinien für die Haltung, Ausbildung und Nutzung von Tieren“ stehen sowohl allgemeine also auch spezielle Anforderungen je Tierart (gehe auf www.bmelv.de und dann auf „Tierschutzgutachten“). Führt der Zirkus Tiere mit, die dort nicht behandelt werden, gilt das strengere „Säugetiergutachten“ für die kommerzielle Haltung
4. Artgerecht ist nur die Freiheit! Aktionen vorbereiten Spezielles Flugi über diesen Zirkus entwerfen, zusätzlich noch allgemeine in ausreichender Menge vorrätig haben (z.B. bei den Tierbefreiern; Faustregel: ca. 250 pro Demo-Tag). Transparente malen, falls nicht vorhanden. Auch wenn nicht viele Aktivisten vor Ort sind, wirkt eine Transpi-Strecke sehr beeindruckend.
5. Kein Applaus für Tierausbeutung! Demos organisieren Mitstreiter gewinnen, Demo-Termine anmelden. Lieber vier Demos mit je fünf Leuten als eine mit zwanzig! Am besten natürlich vor jeder Vorstellung präsent sein
6. Hinter den Kulissen: Diplomatische Anstrengungen Pressemitteilung verfassen und möglichst mit Journalisten persönlich Kontakt aufnehmen. Von diesen erfährt man dann oft auch, ob sich schon ein Amtsveterinär mit diesem Zirkus beschäftigt hat. Die Presseleute gerne darauf hinweisen, dass es schon Probleme gegeben hat (was auch immer mit diesem Zirkus schon war, z.B. Entzug der Reisegewerbekarte, Nicht-Verlängerung der Tierhaltegenehmigung nach §11 TSchG, unlauterer Wettbewerb mit vermeintlichen Freikarten, Betteln mit Tieren, Todesfälle, Ausbrüche, Verurteilungen usw.). Aufpassen bei den Formulierungen, also am besten immer „Verdacht auf…“ sagen. Das Veterinäramt kontaktieren und schriftlich bitten, den Betrieb zu kontrollieren.
7. In der Höhle des Löwen: Tiere ansehen Wenn möglich, die Tiere anschauen (viele Zirkusse laden zur „Tiershow“ ein. Hier sieht man auch Tiere, die nicht in den Shows auftreten. Diese müssten eigentlich nach dem Säugetiergutachten gehalten werden!). Bei diesen Besuchen zur eigenen Sicherheit möglichst neutral auftreten, wobei wir auch schon erlebt haben, dass die Zustände so erbärmlich sind, dass erst einmal minutenlang einige Tiere getränkt werden mussten. Insbesondere auf die Platzverhältnisse und die Ausgestaltung achten. Viele Tiere zeigen stereotypes Verhalten. Selbst wenn man nicht die Möglichkeit hat, die Tiere anzusehen, können Anzeigen wegen zu wenig Platz meist schon allein von Abschätzungen von außen vorgenommen werden. Herbst/Winter? Dann besonders bei temperaturempfindlichen Tieren kontrollieren, ob es warm genug ist. Achtung: Tiere, die als „Nutztiere“ gelten (z.B. Pferde, Rinder, Schweine, Ziegen…) würden im Falle einer Beschlagnahmung beim Schlachter landen. Verstöße bei diesen Tieren bitte nur anzeigen, sofern ein Auffangplatz geboten werden kann. Die festgestellten Dinge gut merken und direkt nach dem Zirkusbesuch notieren. Mit den Mindestanforderungen vergleichen. Toll ist natürlich, wenn man jemanden dabei hat, der auch den körperlichen Zustand der Tiere beurteilen kann.
8. Tiere fühlen Tiere leiden! Anzeigen erstatten Natürlich möglichst unverzüglich, damit noch direkt am jetzigen Gastspielort etwas unternommen werden kann, oder gar wie im Fall Giovanni Althoff die Reisegewerbekarte entzogen wird bei schweren Verstößen.
9. Kein Applaus für Tierausbeutung! Presse beobachten Oft kooperieren lokale Medien mit Zirkussen: Berichterstattung gegen Kartenverlosung. In solchen Zusammenhängen liest man natürlich nur von einer schönen Glitzerwelt ohne kritische Zwischentöne. Leserbriefe schreiben oder am besten den Journalisten direkt kontaktieren und aufklären.
10. Zirkustiere Sklaven der Manege! Abschluss Es ist oft frustrierend, sehr viel Arbeit in diese Aktionen zu stecken, die dann im Sande verlaufen, weil die Anzeigen wegen „mangelndem öffentlichen Interesse“ eingestellt werden. Ohne Verbandsklagerecht bleibt allerdings kein anderer Weg als die Hoffnung auf einen Staatsanwalt, der sich der Sache annimmt. Um es späteren Aktivisten zu erleichtern, die gesammelten Recherchen weiterleiten: Kopien der Anzeigen an das Veterinäramt des nächsten Gastspielortes und die diversen anderen Infos an Tierrechtler, die sich um weitere Protest-Aktionen in Folge-Orten kümmern. Wenn möglich, vielleicht sogar selbst noch mit dabei sein…