Buchrezension
Vitamin B12-Mangel bei veganer Ernährung
Mythen und Realitäten, aufgezeigt anhand einer empirischen Studie
"Ist in Spirulina wirklich B12 drin?" "Kann ich meinen Bedarf über Sanddorn decken?" "Ist in Sperma genug Vitamin B12? Dann muss ich ja keine Tabletten nehmen …" "Sind die Spritzen, die man beim Arzt bekommt, vegan und sind die auch gut für mich?"
Wer auf diese Fragen keine Antwort weiß, ist hier genau richtig!
Dieses Buch ist die inhaltliche Auseinandersetzung mit Vitamin B12, auf die ich gewartet habe. Nachdem Gill Langleys „Vegane Ernährung“ schon längst überholt ist, geht Iris Berger auf die spezifischen Probleme veganer Ernährung ein, ohne sie in Frage zu stellen.
Sie verbindet ihr Fachwissen als Ernährungswissenschaftlerin (Ökotrophologin) mit der nötigen Sensibilität gegenüber den ethischen Aspekten der veganen Ernährungsform. Das kann und konnte nur eine VeganerIn so konstruktiv schreiben.
So kann sie es sich herausnehmen, das mangelhafte Wissen und die Leichtfertigkeit vieler VeganerInnen zu kritisieren, ohne dass dieses Buch Protest- und Trotzreaktionen hervorbringen wird.
Iris Berger ist bemüht, die Mythen um B12 aufzuklären, um der veganen Ernährungsweise gesamtgesellschaftlich höhere Anerkennung zukommen zu lassen. Dazu müssen VeganerInnen in Ernährungsfragen ihren Mitmenschen voraus sein. Es darf einfach nicht passieren, dass VeganerInnen ihre Kinder verhungern lassen. Das schadet dieser Ernährungsform, obwohl es selbstverständlich nicht repräsentativ ist.
Und so ist es begrüßenswert, dass Iris Berger ein klares Bild zeichnet, analysiert, wie viel Ahnung VeganerInnen von der nicht zu unterschätzenden Materie haben. Gleichzeitig übt sie auch harsche Kritik an verwirrenden Produktwerbungen.
Da dieses Buch auf einer Diplomarbeit fußt, ist sie nicht an allen Stellen so verständlich geschrieben, wie es für Fach-Unkundige wünschenswert wäre. Doch Iris Berger hat sich bemüht, wenigstens Teile der Arbeit allgemeinverständlich zu schreiben, so dass die LeserInnen schwierige Kapitel überspringen können.
Wer die Diskussion um Vitamin B12 nach wie vor für unwichtig hält, hat etwas verpasst und sollte sich schleunigst dieses (leider etwas teure) Buch besorgen! Und alle anderen VeganerInnen sollten wenigstens mal reinschnuppern und überprüfen, ob sie auch auf dem neuesten Stand sind.
Ein großes Dankeschön an Iris Berger, die sich durch ein Studium gequält hat, in dem sie oft genug von KommilitonInnen und ProfessorInnen als „Verrückte“ bezeichnet wurde einfach nur, weil sie ihren Veganismus verteidigt hatte. fb