Postmoderne – Veganismus – Anarchismus

Alter schützt vor Veränderung nicht – was Anarchisten noch lernen müssen!

In den letzten Monaten konnte mensch in der graswurzelrevolution (GWR) eine Diskussion verfolgen, die aus meiner Sicht deshalb so interessant ist, weil sie quasi seitenverkehrt - und damit genau richtig- geführt wird: ein veganes Thema in einer anarchistischen Zeitschrift!
Es hat zudem noch dadurch eine besondere Bedeutung, weil in dieser Diskussion eine Modernisierungsnotwendigkeit des Anarchismus sehr deutlich wird, vor der sich „der Anarchismus“ bisher drückt! Und so möchte ich nun auch „seitenverkehrt“ meine Überlegungen zu diesem Thema anbieten.
Während in der GWR-Ausgabe 336 (Februar 2009) noch über den Anarchismus im 21. Jahrhundert diskutiert und der (damals) bevorstehende anarchistische Kongress vorbereitet wurde (wo übrigens das Thema Veganismus eben kein Thema war), erschien in der Ausgabe 340 (Sommer 2009) ein Artikel mit der Überschrift „Anti-Speziesismus? Schmeckt mir nicht!“.
Schön, dachte ich, nun geht’s los- endlich wird mal wieder in anarchistischen Kreisen die Auseinandersetzung mit dem Veganismus geführt. Doch der Artikel, der zu Beginn mit der Bemerkung über die erfreulich hoch entwickelte und weit verbreitete Sensibilität für die Rechte der Tiere einsteigt, macht schon einige Sätze später die Absicht des Verfassers deutlich: „Ich möchte demgegenüber ein Plädoyer für den Speziesismus halten.“ Schade!
In den folgenden GWRs gab es jedoch etliche LeserInnenbriefe und eine Replik, die zeigen, dass sich innerhalb der anarchistischen Bewegung auch damit beschäftigt wird. Das ist ja auch schon mal was, aber leider wird sich viel zu wenig mit neuen theoretischen Ansatzpunkten beschäftigt. Die Reaktionen haben mich nun dazu angeregt, im Folgenden meine Thesen darzustellen, mit der sich der Anarchismus, also die sich anarchistisch nennenden Menschen (die Fleischessenden ebenso wie die Nicht-Fleischessenden), beschäftigen könnten/müssten. Mensch könnte/müsste es deshalb tun, weil sie dem Anarchismus damit die Chance geben, als (alte) Theorie auch in der Postmoderne eine Bedeutung zu behalten.
Im Folgenden möchte ich also erst einmal meine Thesen zum Besten geben und abwarten, ob sie eine Diskussion in Gang setzen und von welcher Seite eine Reaktion kommt.
Meine zentrale These lautet, dass der Veganismus eng mit postmodernen Tendenzen verbunden ist. Die Entstehung und Entwicklung des Veganismus wurde durch die Postmoderne wesentlich begünstigt und kann damit den durch eben diese Postmoderne unbedeutender gewordenen Anarchismus mit neuen Impulsen versehen.

These 1: Eine wesentliche und zu Beginn zu formulierende These besagt, dass die Theorie des Anarchismus eine Entwicklungsgeschichte hinter sich hat, in der sie sich neben den Großtheorien des Liberalismus, Sozialismus, Marxismus und Kapitalismus behaupten musste. Bei allen großen Leittheorien liegt der Ursprung in der Aufklärung, die in der beginnenden Moderne ihre jeweiligen Eigendynamiken entwickelten. Somit bezeichne ich den Anarchismus als ein Kind der Aufklärung, der von genau dessen Grundzügen geprägt ist und die historische Wurzeln damit ebenfalls eng mit den Idealen der Aufklärung verbunden sind. Damit hat der Anarchismus eine eindeutig anthropozentrische2 Grundhaltung und diese ist bei allen seinen TheoretikerInnen auch heute noch deutlich zu erkennen. Somit könnte diese Theorie des Anarchismus eigentlich keine Grundlage für vegan lebende Menschen sein.

These 2: Weiterhin behaupte ich, dass die Moderne als eine zeitgeschichtliche Epoche im 20. Jahrhundert im Wesentlichen an ihr Ende gekommen ist und ihre ursprüngliche Entwicklungsdynamik verloren hat. Viele Bedeutungsmuster aus der Aufklärung und der Moderne haben in unserer Zeit ihre Legitimation und damit Relevanz verloren und mussten der Postmoderne Platz machen. In diesem Bedeutungsverlust sehe ich ebenfalls den deutlichen Bedeutungsverlust des traditionellen Anarchismus begründet.

These 3: Dies bedeutet, dass der traditionelle Anarchismus den Anforderungen einer postmodernen Gesellschaft nicht gewachsen ist, bzw. sich bisher dieser Postmoderne nicht in der notwendigen Weise gestellt hat. Folgerichtig muss ein Zusammenhang zwischen Anarchismus, Postmoderne und Veganismus konstruiert und dabei berücksichtigt werden, dass die Postmoderne nicht als völlig neue, abgekoppelte Epoche zu verstehen ist. Es wird von einer sichtbaren Verbindungslinie zwischen beiden ausgegangen, auf welcher sich (auch) der Anarchismus befindet. Dies folgerichtig zu konstruieren ist nur durch die Darstellung einer durchgehenden Verbindungslinie zwischen Moderne und Postmoderne möglich.
Oscar Lubin schreibt dazu deutlich:
„Die Angst, mit der Vorsilbe „Post“ alle Errungenschaften des sich daran Anschließenden für endgültig vorüber und die damit verbundenen Ansprüche für überholt zu erklären, hatte auch schon die Debatte um die Postmoderne geprägt. Allerdings verweist der Präfix, ähnlich wie bei postmoderner Philosophie oder postkolonialer Kritik, keinesfalls auf ein für alle mal Vergangenes. Es geht um Revisionen, Erneuerungen, um Brüche, aber auch um Kontinuitäten.“ (Oskar Lubin, GWR 318)
Es geht tatsächlich um Brüche und um Revisionen, denn neben den Niederlagen in kriegerischen Konflikten (z. B. spanischer Bürgerkrieg) sehe ich in dem krampfhaften Festhalten an alten Theorien alter Theoretiker einen der Hauptgründe für die abnehmende Bedeutung des Anarchismus in der von mir bezeichneten postmodernen Zeit. Mit einer Theorie, die aus einer anderen zeitgeschichtlichen Epoche stammt, können keine Verknüpfungen mit heutigen Theorien und Praxen (also mit Lebenswelten von z.B. Jugendlichen) hergestellt werden.

These 4: Deshalb gibt es die These, dass der traditionelle Anarchismus in der Gefahr steht, ein historisches Produkt zu werden, eben weil mit seiner alten Theorie keine neuen Verknüpfungen geschaffen werden können. Wie sollte denn der geschlechtsspezifische Diskurs in eine Theorie Kropotkins der „Gegenseitige Hilfe im Menschen- und Tierreich“ eingebaut werden können, wenn an seinen Begrifflichkeiten in ursprünglicher Form festgehalten wird? Genau weil sich die anarchistischen Theoretiker und Aktivisten der 70er, 80er und 90er Jahre auf ihre theoretische Herkunft fixierten und nicht auf ihre Zukunft, ging die soziale Basis des Anarchismus verloren. Auch diese These sehe ich als belegt an, weil die soziale Basis aus älteren Menschen besteht, die die Jüngeren nicht mehr ausreichend erreichen können und der Anarchismus lebt in weiten Teilen von altgedienten Aktivisten, die zudem noch davon leben, alte Theoretiker immer wieder neu aufzulegen. Umso wichtiger ist es, durch Begriffserweiterungen Verknüpfungspunkte zu schaffen, die auch andere mit einbeziehen.

These 5: Dass sich die Gesellschaft, die ganze Welt verändert (hat), scheint bis vor einiger Zeit an vielen Anarchisten vorbei gegangen zu sein. Einen postmodernen Anschluss hat es bei ihnen auf jeden Fall nicht, oder nur vereinzelt gegeben (Mümken, Kastner). Dass sich auch die Art und Weise der sozialen Bewegungen verändert hat, auch die Inhalte und Begrifflichkeiten, das wurde bisher mehr oder weniger übersehen.

These 6: Und so kann darauf folgend eine Forderung lauten, dass der theoretische Stillstand überwunden werden muss, um in einer postmodernen, globalisierten Welt anarchistische Antworten geben, Trends setzen und Impulse geben zu können. Kurz gesagt: um wieder Anschluss an die Basis zu erhalten. Dazu gehört zuallererst einmal die Erkenntnis, dass zeitgemäße Antworten nur dann gegeben werden können, wenn der eigene Standpunkt zeitgemäß (postmodern) selber hinterfragt wird. Eine anarchistische Gesellschaftskritik kann also nur dann zeitgemäß sein, wenn sie die Postmoderne akzeptiert und die eigenen theoretischen Standpunkte einem postmodernen Update unterzieht.
Wenn mensch dem bisherigen Vorgehen folgen möchte, dann ist es naheliegend, dass nach neuen Methoden, neuen und unterschiedlichen Praxen gesucht werden muss, mit der (postmodern) der eigene Standpunkt hinterfragt werden kann. Diese Hinterfragung kann mit Hilfe der Dekonstruktion geschehen und damit wird (z.B. bei Mümken) eine neue Praxis für den Anarchismus eingeführt. Dekonstruktion ist dabei nicht als Methode zu verstehen, sondern als eine Praxis, die sich auf ein bestimmtes Thema bezieht (siehe Mümken). Dekonstruktion versucht, das „Mitgesagte“, das „Nichtgesagte“ herauszufiltern, also alles, was nicht behauptet, nicht gesagt und ausgelassen wurde, aber eben doch mitgedacht wurde. Dekonstruktion bedeutet in dem Verständnis dieses Textes ein zweigleisiges Vorgehen: es wird erstens eine Umkehrung (weg von Binarismen) und zweitens der Versuch einer Verschiebung der Logik vorgenommen. Gab es bisher These und Antithese, aus der die Synthese erschaffen wurde, so versucht die Dekonstruktion völlig neue Ebenen und Perspektiven zu erarbeiten. Perspektiven, die zudem noch in einem Konflikt zueinander stehen können und durch die Dekonstruktion sichtbar werden. Ganz praktisch gesehen bedeutet Dekonstruktion, dass z B. ein Begriff und dessen Entstehungsgeschichte hinterfragt wird, aber auch hinterfragt wird, was der jeweilige Nutzer dieses Begriffes damit verbindet, um auch dieses sichtbar zu machen. Aber auch die Grenzen der Begriffe, wie sie früher einmal existierten und sich im Laufe der Geschichte in einen Begriff hineingeschlichen haben, spielen eine Rolle. Dekonstruktion ist also immer Hinterfragung und Be-Fragung des Ursprunges, der Grundlage des Begriffes, der sich im Laufe der Zeit durchgesetzt und als selbstverständlich eingeführt hat.

These 7: Dies kann als neue anarchistische Praxis am Beispiel der veganen Bewegung nachvollzogen werden. Der Veganismus zeigt sehr genau, wie anarchistische (theoretische und praktische) Standpunkte hinterfragt werden können und wo die Revisionsmöglichkeiten liegen. Eine anarchistische Theorie, die den aufklärerischen Gedanken des Anthropozentrismus beibehält, kann keine neuen Antworten geben. Deshalb vollzieht sich durch den Veganismus der notwendige Umbruch der anarchistischen Theorie, dessen Ausgangspunkt demnach heute nur ein nicht-anthropozentrischer Ansatz sein kann.

Dies kann an einzelnen Begriffen deutlich gemacht werden, wie z.B. am Begriff der Solidarität, der Freiheit, der gegenseitigen Hilfe, etc. In einer neuen, dekonstruierten Form der Solidarität führt der Begriff zwangsläufig zu einer Offenheit für andere Lebewesen und zu neuen Verantwortlichkeiten.
Auf nichts anderes möchte auch dieser Artikel hinweisen, denn es können Verknüpfungsmöglichkeiten zwischen Postmoderne, Anarchismus und Veganismus geschaffen werden. Richard Day, ein kanadischer Soziologe und politischer Philosoph, differenziert die Aussagen zu den neuen Verknüpfungspunkten- und Möglichkeiten am Beispiel einer neuen Form und Interpretation des Begriffes der Solidarität. Day sieht eine neue Form der Solidarität entstehen, die eben nicht mehr vergleichbares Leid (oder Ausbeutung, Unterdrückung, soziale Herkunft, etc.) zur Grundlage hat. Diese neue Solidarität hat ihre Grundlage in der Einsicht, dass es einen Zusammenhang zwischen den eigenen Privilegien und der Unterdrückung anderer gibt. Das bedeutet, dass „der Andere“ (und auch das Tier) nun von dieser Solidarität partizipiert und damit Verantwortlichkeiten anders zu regeln und auf diese „Anderen“ zu übertragen sind. Für Veganer besteht die Notwendigkeit, Solidarität nicht unbedingt auf der Grundlage eigener Unterdrückungserfahrungen zu üben, sondern auf der Grundlage der Erkenntnis, durch eigene Privilegien sich Tiere halten zu können und andere (Lebewesen) zu unterdrücken. In der Offenheit für den Anderen (hier also für das Tier) kann sich eine neue Form der Verantwortlichkeit und Solidarität entwickeln. Ein „alter“, auch anarchistisch genutzter Grundbegriff wird damit inhaltlich weiterentwickelt und kann damit in der Postmoderne weiter genutzt werden.
Veganer wollen, ebenso wie Anarchisten, eine herrschaftsfreie Gesellschaft. Sie wollen keine Unterdrückungsverhältnisse unterstützen und sie erkennen in dem Verzehr von Tierfleisch und in der Nutzung von Tierprodukten ein Privileg, das sie ablegen wollen. Mit der Erkenntnis, dass ein persönliches Privileg (Fleisch essen) mit der Unterdrückung anderer (Tiere) zusammenhängt, kann eine anarchistische Theorie nicht-anthropozentrisch ausgerichtet werden. Denn dann kann auch Tieren gegenüber Solidarität gezeigt, Herrschaftsstrukturen abgebaut und Freiheitsaspekte entwickelt werden, die bisher in dieser Form in der traditionellen anarchistischen Theorie nicht möglich waren.
Dies also mit einem völlig neuen Ansatz und mit weit reichenden Konsequenzen: Solidarität mit Tieren ist möglich. Der Begriff „Solidarität“ hat damit die bisherige Verortung (in der Sozialdemokratie, im Anarchismus, im Arbeitermilieu) verlassen und ist nun nicht mehr nur ein Begriff aus der Arbeiterbewegung oder der anarchistischen Bewegung. Er kann ebenso genutzt werden, wenn es um die Solidarität mit Tieren geht. Genau diesen Vorgang meint dieser eigentlich so theoretisch festgelegte Begriff der Dekonstruktion. Damit werden Verknüpfungen hergestellt, mit denen viele Jugendliche ihren veganen, lebensweltlichen und nicht-anthropozentrischen Ansatz an eine anarchistische Theorie andocken können. Durch diese postmodernen Erweiterungen können sie die (ursprünglich anthropozentrische) anarchistische Theorie erweitern und sie für sich nutzbar machen und ihren Lebensalltag damit anarchistisch gestalten.
Dies zeigt nur an einem Punkt, wie eine anarchistische Theorie auch nicht-anthropozentrisch ausgerichtet sein kann und welche inhaltlichen Veränderungen sich für den ansonsten gleich gebliebenen Begriff (hier: Solidarität) vollzogen haben.
Die zentrale These dieses Schreibstückes ist demnach, dass es die Möglichkeit gibt, den (gedanklichen) Sprung hin zu einem nicht-anthropozentrischen Anarchismus zu wagen. Indem der Veganismus die anthropozentrische Fixierung (das wesentliche Element des historischen Anarchismus und der Aufklärung) scharf kritisiert, gleichzeitig jedoch das politische Konzept der Herrschaftslosigkeit nicht verlässt, hat er die Möglichkeit einer Erweiterung und Erneuerung der anarchistischen Theorie und Praxis entwickelt.

Vegan zu leben ist zuerst keine Befreiung der Tiere, allerdings die Bedingung ihrer möglichen Befreiung (GWR 343). Im Rahmen dieses, dann mit einem nicht-anthropozentrischen Ansatz zu beschreibenden Lebensstiles wird deutlich:
„Ethik ist kein Projekt, das sich Moralplaner ausdenken, sondern ein nachträgliches Reflektieren über ein schon wirksames Ethos.“ (Gronemeyer 1999: 23)
Die vegane Bewegung hat ein für sich wirkendes Ethos, das im Laufe der Zeit von einer nicht-anthropozentrischen Ethik theoretisch untermauert werden konnte. Das nachträgliche Reflektieren über diese nicht-anthropozentrische Grundhaltung begründet letztlich eine nicht-anthropozentrische Ethik und lässt Raum u.a. für die Entwicklung einer Tierrechtsbewegung.
Im Vordergrund der veganen Bewegung steht dementsprechend erst einmal das Handeln! Es ist ein Handeln, dass sich gegen Schlachthöfe, Tierversuche, Tierhaltung, Jäger und die Lebensmittelindustrie richtet.
„Es ist zweifellos wichtig zu handeln, präziser: dagegen, gegen den Speziesismus zu handeln. Allerdings trägt nicht jede Handlung ‚für die Tiere’ – so gut wie sie auch gemeint sein mag – dazu bei, das speziesistische Herrschaftsverhältnis zu destabilisieren und letztendlich aufzulösen.“ (Rogausch in Witt-Stahl 2007: 344)
Eine Handlung muss eingebettet sein in einen politischen Anspruch und in eine gesellschaftspolitische Perspektive, wenn sie gesamtgesellschaftliche Bedeutung erlangen will. Dieser politische Anspruch, diese gesellschaftspolitische Perspektive kann mit der Theorie des Anarchismus verbunden werden und so davor schützen, entweder nur handlungsgeleitet oder nur theoriegeleitet zu sein. Der politiktheoretische Aspekt des Veganismus zeigt, dass es nicht nur darum gehen kann, auf der einen Seite der „Guten“ (tierlieben) zu stehen, während auf der anderen Seite die Bösen (Fleischessenden) Menschen stehen. Sich für Tierrechte und für die Befreiung der Tiere einzusetzen bedeutet „an sich“ noch nicht allzu viel.
„Eine antispeziesistische politische Kritik muss über die Ebene des ‚Für’ oder ‚Gegen’ (auch über die Kategorie ‚Gut’ oder ‚Böse’) hinausgehen und ein Verständnis der Realität herstellen, das sich der ideologischen Wahrnehmung entgegenstellt- dazu gehört auch die Auffassung, dass es eine klare Front im ‚Krieg gegen Tierausbeutung’ gibt. Es bedarf einer kritischen Theorie, die sich nicht auf ein versimplifizierendes Freund-Feind-Schema zurückzieht, sondern vielmehr Speziesismus als eine sich nicht im sozialen Vakuum befindende Ideologie begreift.“ (Rogausch in Witt-Stahl 2007: 370)

Auch Veganer sind von allen gesellschaftlichen Bedingungen betroffen und auch sie reproduzieren Machtverhältnisse, sind von diesen betroffen und können diesen nicht nur dadurch entfliehen, dass sie sich auf die Seite der ‚Guten’ (also vegan lebenden Menschen) stellen. Auch Veganer müssen sich in ihren eigenen Zusammenhängen, die eben nicht vakuumisiert sind, kritisch hinterfragen und ihren Lebensstil überprüfen.
In diesem Sinne soll zum Schluss noch mal auf das Zitat von R. Gronemeyers hingewiesen werden. Was jetzt in der GWR passiert ist ein nachträgliches Reflektieren über ein schon längst wirksames Ethos, anhand eines um den Unity-of-Oppression-Ansatzes erweiterten Anarchismus, der somit als
„... ein Äquivalent zum (um z.B. Tierrechte) erweiterten anarchistischen Ansatzes, ... .“ (TAN-Reader 1993: 71) angesehen werden kann.

Bernd-Udo Rinas