„Forschung an der TiHo steht immer im Dienste von Mensch und Tier.“

Doch wer dient hier eigentlich wem?

Die Tiermedizinische Hochschule ist eine der ältesten in ganz Europa. Seit 225 Jahren stehen besonders Forschung und Weiterentwicklung im Vordergrund. Natürlich sollen auch die zukünftigen Tierärzte und Tierärztinnen ganz in diesem Sinne auf ihre Kosten kommen. Da darf ein unerfahrener Student auch eine Kastration ohne Betäubung und das Enthornen bei Kälbern vornehmen. Und wer glaubt, dass das den meist tierlieben und jungen Menschen keinen Spaß macht, hat sich gewaltig geschnitten.

Forschungsgut Ruthe

„In Ruthe, im Süden Hannovers, und in Bakum bei Vechta betreibt die TiHo zudem zwei Außenstellen, deren Aufgabe neben der Durchführung von Forschungsprojekten in der Ausbildung der Studierenden liegt. Auf dem Lehr- und Forschungsgut in Ruthe lernen Studierende das Sachgebiet moderner Tierproduktion praxisnah kennen.“ (tiho-hannover.de)

In einem 10-tägigen „Bauernhofpraktikum“ sollen die Studenten und Studentinnen den Alltag zwischen Nutztierhaltung und der „Aufzucht des Produktes“ kennenlernen. So müssen sie jeweils drei Tage beim Geflügel, den Rindern oder den Schweinen verbringen. Die Arbeit gestaltet sich sehr unterschiedlich mit den Betreuern.
Bei den Legehennen müssen vor dem eigentlichen Arbeitstag in den sehr dunklen Gängen und Käfigen die toten Tiere aufgesammelt werden. Die Atmosphäre ist grauenerregend und dennoch sehr bekannt: Sehr schlechte Haltungsbedingungen herrschen und es bleibt kaum Luft zum Atmen.
Um die Produktionskosten noch weiter zu senken, wird beispielsweise momentan getestet, wie viel Licht die Hennen brauchen, um noch Eier zu legen zu können. So sind diese Tiere, wie auch die Schweine und Rinder, nicht nur dem Stress der Haltung und dem Umgang der Pfleger ausgesetzt, sondern müssen auch zahlreiche Versuche und unerfahrene Studenten über sich ergehen lassen.

Auch in der Schweineaufzucht gestaltet sich der Tagesablauf ähnlich: Da die Sauen meist viel zu viele Jungtiere werfen, sie gnadenlos überzüchtet sind und durch ihre Bewegungseinschränkung zahlreiche Ferkel erdrücken, fallen der schlechten Haltung über Nacht viele Tiere zum Opfer. Schon kurz nach der Geburt werden die Schwänzchen abgeschnitten, um das „Annagen“ durch Artgenossen zu vermeiden. Sind die kleinen Eber aus dem Gröbsten heraus, müssen sie die Kastration ohne Betäubung ertragen. Meist übernehmen die Studenten und Studentinnen diese Aufgabe gerne.
Aber auch die Rinder haben ein schweres Los gezogen. Das Enthornen und die damit verbundene Betäubung wird von Studenten und Studentinnen gemacht, die erst das zweite Semester absolviert haben und das Werkzeug mit dem sie arbeiten, gar nicht kennen.

Die TiHo und Boehringer

„Spitzenforschung ist nur möglich, wenn man in seinem jeweiligen Fachgebiet die weltweit besten Wissenschaftler an sich binden kann. Diese wollen in engen Netzwerken („Clustern“) mit anderen führenden Wissenschaftlern zusammenarbeiten. Alle internationalen Erfahrungen besagen, dass eine enge räumliche Anbindung von Wissenschaftlern unverzichtbar ist.
Deshalb ist die Nähe zur TiHo so wichtig. Kreativität kann man nicht verordnen, sie ergibt sich vielmehr bei gemeinsamen Zusammentreffen. Man stimmt Grundlagenforschungsprojekte mit anwendungsnahen Projekten ab oder nutzt gemeinsam teure Infrastruktur.“ (tiho-hannover.de)

Für die Tiermedizinische Hochschule ist die Wahl des Standortes für das Tierversuchslabor von Boehringer ein Hauptgewinn. Man erhofft sich eine gute Zusammenarbeit und interessante Forschungsergebnisse. Die Studenten und Studentinnen werden nach Fertigstellung des Impfstoffzentrums wahrscheinlich auch dort tätig sein. Fragt man bei den jungen Menschen nach, erntet man nur Empörung. Für die TiHo und ihre Studenten und Studentinnen sei Boehringer nämlich eine „Bereicherung“ von der viele Menschen profitieren werden.
Nicht nur die Forschung an der Tiermedizinischen Hochschule zeigt besorgniserregende Auswüchse. Die Beispiele Forschungsgut und Boehringer sind nur exemplarisch für die Grausamkeiten und den Alltag an einer Universität, die eigentlich zum Besten der Tiere handeln sollte.

„Wissen schützt Tiere“ wird oft von an der Tiermedizinischen Hochschule involvierten Menschen argumentiert. Doch die Frage, die wir uns immer wieder stellen müssen, lautet: Rechtfertigt ein hoher Lebensstandard der einen wirklich die Qualen vieler anderer?
Helena Lauinger


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