Neue Wege der Solidarität
Internationaler Antirepressionskongress in Hamburg - Ein kleiner Einblick
Eins in Schmerz, in Ohnmacht, in Sehnsucht
„O, mein armer Büffel, mein armer, geliebter Bruder, wir stehen hier beide so ohnmächtig und stumpf und sind nur eins in Schmerz, in Ohnmacht, in Sehnsucht.“ Mit diesem Zitat beginnt das Programmheft des Kongresses. Es ist ein Zitat aus einem Brief von Rosa Luxemburg an Sonja Liebknecht, geschrieben im Dezember 1917 während ihrer Haftzeit in Breslau. Auf dem Gefängnishof beobachtet Rosa Luxemburg, wie Büffel, als Zugtiere vor einen Karren gespannt, von den Soldaten geprügelt werden, bis sie bluten. In den Augen der geprügelten Tiere sieht Rosa Luxemburg den Ausdruck eines verweinten Kindes, das hart bestraft wurde, nicht weiß, wofür und keinen Ausweg aus der Gewalt weiß. Sie empfindet Mitleid. „…ich stand davor und das Tier blickte mich an, mir rannen die Tränen herunter, es waren seine Tränen, man kann um den liebsten Bruder nicht schmerzlicher zucken, als ich in meiner Ohnmacht um dieses stille Leid zuckte.[…] O, mein armer Büffel, mein armer, geliebter Bruder, wir stehen hier beide so ohnmächtig und stumpf und sind nur eins in Schmerz, in Ohnmacht, in Sehnsucht.“ (Rosa Luxemburg, Briefe aus dem Gefängnis. 1929)
Die Büffel, so schreibt Luxemburg, kämen aus Rumänien. Einst wild und frei auf Weiden lebend, jetzt von Menschen als Kriegstrophäe zum Lastdienst benutzt, geprügelt, in dunkle Ställen gesperrt, das Leben in Freiheit unerreichbar. Luxemburg fühlt sich eins mit den Büffeln; sieht sich in den Büffeln, nennt sie Brüder, gefangen, ohnmächtig, voll Schmerz und Sehnsucht wie sie, als politische Gefangene in Breslau (und vorher in Berlin). Eingesperrt wegen Aufhetzung zum Ungehorsam und Landes- und Hochverrat. Sie fühlt sich solidarisch mit dem Tier, das sie Bruder nennt; beide sind Opfer von Gewaltherrschaft. Am 15. Januar 1919 wurde Rosa Luxemburg zusammen mit Karl Liebknecht verhaftet und ermordet.
Luxemburgs Zitat am Anfang des Programmheftes ist gut gewählt; es zeigt die Folgen von ausgeübter Repression gegen einen Menschen, dessen politische Überzeugung als abweichlerisch, revolutionär und somit als gefährlich eingestuft wird. Gleichzeitig wird empfundene Solidarität mit durch Menschen ausgebeuteten Tieren thematisiert. Ohnmacht, Schmerz, Sehnsucht; Gefühle, die oft mit erlebter Gewalt und Repression einhergehen. Der Internationale Antirepressionskongress in Hamburg kann vielleicht dazu beitragen, dass durch eine neue Solidarität unter den von Repressionen Betroffenen vor allem das Gefühl der Ohnmacht gegenüber dem Staat abnimmt, sich vielleicht sogar wandelt in neue Kraft zum Widerstand. Wichtig hierbei ist auch, dass zukünftig vermehrt positionsübergreifende Solidaritätsarbeit geleistet wird.
„War on Terror”
Über die letzten zwei Jahrzehnte drifteten internationale Politiken nach rechts. Einer der Folgen war und ist die Konstituierung von Sicherheits- und Überwachungsstaaten mit zunehmenden Repressionspotenzialen. Es gilt, neoliberalistische Politik auf allen Ebenen durchzusetzen. Wer sich nicht fügt, sich sogar wehrt, wird kriminalisiert. Betroffen sind, so der Ankündigungstext des Kongresses, „(…) alle, die im Kollektiv sozialer Bewegungen, autonomer Strukturen, MigrantInnen- und Flüchtlingsorganisationen, Gewerkschaften oder kapitalismuskritischen Parteien oder auch als Einzelne Widerstand leisten vor allem die, die nach einer ganz anderen Gesellschaft freier und mit der Natur versöhnter Menschen (…).“
Nicht nur Aktivist_innen der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung, sondern alle emanzipatorischen Bewegungen stehen im Fokus und sind betroffen von Repressionen, betroffen vom „War on Terror“.
Der Kongress bot den Teilnehmer_innen die Möglichkeit, diese gesellschaftliche Entwicklung, die auf internationaler Ebene stattfindet, zu erkennen, einen eigenen gesellschaftlichen Standpunkt zu entwickeln, sich auch themen- und gruppenübergreifend auszutauschen, Gespräche zu führen, sich zu vernetzen. Eines der Hauptziele war, von Repression Betroffenen Öffentlichkeit zu bieten. Während der drei Kongresstage fanden Diskussionen statt, sowohl vor und nach den Referaten, als auch im privaten Rahmen.
Die Veranstalter_innen sehen im nationalen und internationalen Austausch, der Vernetzung und Zusammenarbeit einzelner emanzipatorischer Bewegungen neue Wege der Solidarität. Isolation und Vereinsamung kann so überwunden, erlebte Erfahrungen mit Repressionen können neu eingestuft werden; die vermeintlich ganz eigenen privaten Probleme, die aus Repressionen resultieren, die Tatsache, überhaupt kriminalisiert zu werden, stellt sich als gesamtgesellschaftliche Problematik dar.
Das Rahmenprogramm des Kongresses war entsprechend themen-, professions- und länderübergreifend. Es referierten und diskutierten Melanie Bujok (Diplom-Sozialwissenschaftlerin), Georg Fülberth (Professor em., Politikwissenschaften), Wolfgang Fritz Haug (Professor em., Philosophie), Rolf Becker (Schauspieler, Gewerkschafter), Dr. Thomas Wagner (Sozialwissenschaftler), Jürgen Reents (Chefredakteur Neues Deutschland), Heinz-Jürgen Schneider (Rechtsanwalt), Will Potter (Journalist), Yossi Wolfson (Rechtsanwalt), Michael Schiffmann (Dozent der Linguistik und Kulturwissenschaft), Professor Moshe Zuckermann (Cohn Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas, Tel Aviv), Dr. Sabine Schiffer (Gründerin und Leiterin des Instituts für Medienverantwortung in Erlangen), Gavin Sullivan (Rechtsanwalt), Tobias Pflüger (DIE LINKE). Vor einigen Vorträgen wurden Grußworte von u.a. Noam Chomsky und Mumia Abu-Jamal abgespielt. Zusätzlich gab es Veranstaltungen mit von Repressionen direkt betroffenen Einzelpersonen und Gruppen / Organisationen. Im Foyer der Uni fanden parallel Kunstausstellungen statt; die Ausstellung „Right String But The Wrong Yo-Yo“, initiiert von Michel Chevalier in Form von Videoaufzeichnungen verschiedener Künstler_innen, sowie eine Diashow mit dem Titel „Die Befreiung der Tiere aus den Käfigen“ von Lin May mit ihren Arbeiten zum historischen Wandel des Mensch-Tier-Verhältnisses unter dem Aspekt der Tierbefreiung.
Wie oben aufgezeigt, war das Angebot an Vorträgen, Referaten und Diskussionsrunden sehr vielfältig und thematisch breit gesteckt. Wer den Kongress nicht besuchen oder lediglich an einigen Vorträgen teilnehmen konnte, kann sich auf der Homepage der Veranstalter_innen weiter informieren. Das Programmheft selbst bietet auch einen sehr ausführlichen Einblick in die Vortragsreihen. An dieser Stelle kann nicht über jeden einzelnen Kongresspunkt berichtet werden.
Im Folgenden möchte ich kurz auf zwei Kongresspunkte näher eingehen. Zunächst stelle ich den Beitrag zweier Aktivisten der Basisgruppe Tierrechte vor. Anschließend folgt die Zusammenfassung des Vortrags von Melanie Bujok „Das Spektakel der Drachenbändiger. Reflexionen zur Inszenierung des tierlichen Opfers und der Repression gegen die Tierbefreiung auf neoliberalen Marktplätzen.“
Repressionen und Solidarität am Beispiel einer Tierrechtsgruppe
Ein Kongressbeitrag wurde von zwei Aktivisten der Basisgruppe Tierrechte gestaltet. Sie stellten ihre Arbeiten und die Formen von Repressionen auf ihre Aktionen vor. Die Gruppe leistet Anti-Pelz-Kampagnenarbeit in Form von Infoständen, Demonstrationen und Aktionen des zivilen Ungehorsams. Der Gruppe unbekannte Aktivist_innen führten zusätzlich direkte Aktionen durch. Zur Kontrolle und Überwachung wurde die Sokogruppe „Pelztier“, bestehend aus 32 Beamten, gebildet. Bewegungsprofile über Handynutzung wurden erstellt. Kameras zur Überwachung der Häuser wurden installiert, Peilsender an Wagen angebracht. Insgesamt 10 Aktivist_innen wurden für 3,5 Monate in Untersuchungshaft genommen. Seit dem 13. März 2010 sind es 13. Bereits 52 Prozesstage sind gelaufen. Ende ist voraussichtlich Mitte nächsten Jahres.
Den Angeklagten wird die Idee der Doppelstrategie vorgeworfen (übernommen aus England). Sie seien für legale sowie für die illegalen Aktionen verantwortlich. Englische Ermittlungsbeamte arbeiten mit den österreichischen Beamten zusammen, geben Tipps.
Für den Umgang mit Repressionen, so die Referenten, ist ein Selbstschutz der Bewegung vor Repressionen wichtig. Ist man von ihnen betroffen, ist wichtig, wie man auch damit umgeht.
Verschlüsselte Kommunikation schützt. Wichtig ist, die eigenen Rechte zu kennen. Schutz ist auch der Gebrauch des Rechts von Aussageverweigerung. Die Referenten haben innerhalb der Gruppe gute Erfahrungen im Umgang mit Repressionen gemacht. In Österreich gibt es eine hohe Solidarität, es wurde eine Antirepressionsgruppe gebildet. Diese übernahmen auch praktische Arbeiten wie das Reparieren von Türen und Aufräumen der Wohnungen nach Hausdurchsuchungen. Haftbesuche fanden statt. Es wurde Druck auf die Gefängnisleitung ausgeübt (z.B. Thema veganes Essen), Solidemos wurden abgehalten, Pressemitteilungen geschrieben, es gibt Unterstützung bei Prozessvorbereitungen und nachbereitungen. Zusätzlich fanden während der Prozesse im Saal Soliaktionen statt. Die Solidarität kam und kommt überwiegend aus der eigenen Gruppe.
Blickumkehr als Voraussetzung für die Solidarität mit Tieren
Es folgt die Zusammenfassung des Vortrages von Melanie Bujok.
In allen europäischen Ländern ist die Repression gegen die Tierrechtsbewegung angestiegen. Repression findet in vielen verschiedenen Formen statt; von der Erstellung von Bewegungsprofilen über Handynutzung, Überwachung von Telefon und Mails, Kameraüberwachung der Häuser, Peilsender an Autos, Totalüberwachung bis hin zu Hausdurchsuchung und Beschlagnahmung von Unterlagen sowie Computern. Legitimiert durch die Einstufung, Tierrechtsaktionen seien terroristische Akte, gegen die der Staat vorzugehen hat. Frage ist, warum Tierrechtler_innen als Terrorist_innen eingestuft werden. Was macht dem Staat Angst? Angstauslösend sind Transformationsprozesse in Gesellschaften. Bei der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung geht es um die Reformulierung des Freiheitsgedankens. Die bestehende Definition von Freiheit als bloße Freiheit des Marktes wird in Frage gestellt. Widerstand wird geleistet. Diesen Widerstand gilt es zu brechen. Das bisherige Macht- und Gewaltverhältnis wird gegen grundlegende Veränderungen verteidigt.
Um grundlegende Veränderungen erzielen zu können, müssen Wege gefunden werden, sich mit Tieren zu solidarisieren. Dafür ist eine Blickumkehr notwendig. Der Warenverkehr gibt die Blickrichtung vor und stellt das herrschende Mensch-Tier-Verhältnis als ein natürliches, nicht als ein sozial konstruiertes Verhältnis dar. Es ist entscheidend, das Spektakel zu betrachten, das diese Ordnung bestimmt. In dem Mittelpunkt des Lebens ist die Ware gestellt. Und das Verhältnis zur Ware.
Der Kampf gegen wilde Tiere wird als Mythos erzählt. Das ist die Grundlage für die Herrschaft des Menschen über Tiere. Das Tier wird Objekt pathischer Projektionen; der Mensch tabuisiert eigene Triebe und bestimmte Gefühle und projiziert sie auf das Tier bei gleichzeitiger Abwertung dieser Triebe und Gefühle. Tiere werden z.B. als angsteinflößende Bestien und Monster konstruiert. Der Mythos lebt in Form von Angst vor der Natur nicht nur in den Kinderzimmern. Die Aufklärung hätte Licht in die Zimmer bringen sollen, die Furcht nehmen sollen. Diese Abwertung der Fremdgruppe (die Tiere) dient zur Aufwertung der Eigengruppe (die Menschen).
Der Beherrschung der Tiere geht eine materielle und symbolische Trennung von den Menschen voraus. Tiere werden abgetrennt, ausgeschlossen, weggesperrt hinter Mauern, Sicherheitsanlagen. Ähnlichkeiten zwischen Mensch und Tier werden geleugnet. Das Tier ist Natur, der Mensch Kultur. Das Tier ist das Fremde, der Mensch das Eigene. Das Tier repräsentiert die Gegenwelt.
Der Drache repräsentiert zunächst die soziale Kategorie „Tier“. Er ist es, den es zu beherrschen, zu bändigen gilt. Doch er hat etwas, was die Menschen haben: das Feuer. Ein Zugeständnis an eine Gemeinsamkeit zwischen Drache / Tier und Mensch. Und beiden gemein ist auch ihre Endlichkeit. Dennoch, das Tier wird durch entsprechende Zuschreibung als maximal Fremdes konstruiert. Diese Zuschreibungen manifestieren sich in verschiedenen Praxen nach der Logik des Marktes. Von Bedeutung sind dabei die Fragen: Was produziert das Tier? Was ist der Körper des Tieres? Der Körper wird angepasst an die Bedürfnisse des Marktes, Körperteile werden bewertet, markfähig gemacht. An der Zerlegungsstraße findet die Komplettzerlegung des Körpers statt. Das Tier als Individuum wird aufgelöst, Mitleid für zerlegte Körperteile wird nicht empfunden.
Wie damals die Maschinenstürmer in den Fabriken sollten Schlachthöfe gestürmt werden. Es gibt keinen Zweifel an der Legitimität. Auch die Marktbetreiber_innen wissen darum. Folge sind proaktive Maßnahmen gegen Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung. Es werden Daten gesammelt, es findet Totalüberwachung statt; Tierrechtler_innen und Tierbefreier_innen gelten als „unverbesserlich“, sie werden weggeschlossen, ausgeschlossen, gelten als überflüssig für den kapitalistischen Markt, da sie gegen Marktprinzipien verstoßen, sie bekämpfen. Verboten wird auch die Veröffentlichung der Erfahrungen, die Tierrechtler_innen und Tierbefreier_innen mit der kapitalistischen Ausbeutung von Tieren durch den Menschen machten. Dokumentationen des Elends, Filme des Elends, Zeugnisse der Ausbeutung, der Angst, des Schreckens, der Gewalt werden verboten sie heben die konstruierte Trennung zwischen Mensch und Tier auf und stellen so eine grundlegende Gefahr für das neoliberale Spektakel dar.
Direkte Tierbefreiung hebt das Wegsperren der Tiere auf. Die Gewalt der Welt wird sichtbar, anklagbar. Zusammenhänge werden hergestellt, Verantwortliche werden genannt. So erscheint die Ausbeutung von Tieren als Opfer-Täter-Verhältnis. Der Monolog der Menschen wird durch die direkte Befreiung von Tieren durchbrochen, ihr Leiden wird beredt gemacht. Die Befreiung von Tieren stellt sich so als ein umstößlerisches Unternehmen dar. Das Öffnen der Käfige ist mehr als die Beendigung von Gefangenschaft der tierlichen Individuen. Es geht nicht darum, Tieren Schlupflöcher zu geben, um in bestehenden Verhältnissen unterzuschlüpfen. Die Forderung nach Tierrechten ist im Neoliberalismus staatsgefährdend.
„Nutz“tier sein, der Zweck des Lebens ist nützlich sein. Das ist die Leitidee der Ökonomie. Dabei wird jede Bewegung, jedes Körperteil kontrolliert. Was bleibt, ist das Nicht-können, Leiden, Unfreiheit. Ein Dasein im Käfig. Das ist es, was Menschen mit Tieren verbindet. Ziel sollte sein, für die Freiheit beider zu kämpfen. Der Käfig ist in der Gesellschaft eingebaut. Der größere Käfig (der Käfig der Menschen) sitzt auf dem kleineren Käfig (der Käfig der Tiere).
Durch die Befreiung der Tiere würde der Referenzpunkt für den Menschen entfallen. Die Identifikation durch Abgrenzung, durch die Unterscheidung von Tieren gäbe es nicht mehr. Auch Menschen werden von Menschen aus der Gesellschaft ausgeschlossen, in dem sie mit Tieren gleichgesetzt werden. Sie werden dehumanisiert, animalisiert, wie Tiere behandelt, gelten als unzivilisiert. Wer sich mit Tieren solidarisiert, bekommt das Stigma des Bestialischen, wird wie das Tier als Unperson konstruiert; es folgt die Suspendierung von Grund- und Freiheitsrechten.
Durch den Umbruch in 1989/90 verlor der Kapitalismus sein Feindbild. Seitdem sind alle sozialen Aktionen von Repressionen betroffen. Eine Besonderheit gibt es in Bezug auf Repressionen gegen die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung; zu ihrer Kontrolle und Bekämpfung wurde eigens ein Gesetz erlassen, das jegliche Aktivitäten unter Strafe stellt, die ein „Loss of Profit“ zur Folge haben. Warum nun ausgerechnet gegen die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung? Das Tier ist als Ware die Grundlage des Marktes. Zusätzlich ist die Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung noch jung und schwach. Sie kann als Testfeld für Repressionen gegen andere emanzipatorische Bewegungen genutzt werden, wird getestet, wie Menschen Tiere testen. Testen, wie stark die Tiere, ihre Körper sich ausbeuten lassen, um größtmöglichen Profit zu erlangen.
Was bleibt?
Offen bleibt die Frage, was nach dem Kongress für einzelne Teilnehmer_innen im politischen und privaten Alltag bleibt und inwieweit tatsächlicher Austausch und Vernetzung zwischen den Gruppen und Aktivist_innen stattfindet; ob Abgrenzungen zu anderen Gruppen / Aktivist_innen aufgebrochen werden konnten bzw. können. Positive Rückmeldungen kamen u.a. von Menschen, die von Repressionen betroffen waren; der Kongress gebe ihnen neue Kraft. Angestoßen durch den Kongress findet auf internationaler Ebene politischer Austausch statt; so werden in Anlehnung an den Kongress ähnliche Veranstaltungen z.B. in den USA abgehalten. Einige Vorträge werden wiederholt.
Nacharbeit findet durch Dokumentation statt; die Veranstalter_innen bieten auf der Homepage http://www.antirepkongresshh2010.tk/ Grußworte, Berichte, einzelne Vorträge, weiterführendes Material und Links zum Nachlesen und -hören an. Am Ende des letzten Kongresstages wurde eine Abschlussresolution verlesen.
Eine persönliche Schlussbemerkung
Der Internationale Antirepressionskongress in Hamburg war aus meiner persönlichen Sicht allein deshalb ein Erfolg, weil es den Veranstalter_innen gelungen ist, viele verschiedene Aspekte von Repression durch die unterschiedlichen Referent_innen zu thematisieren. Wenn auch nicht alles bis in die Tiefe und abschließend diskutiert werden konnte, weil die Zeit und manchmal auch die Konzentration fehlte, kann der Kongress als Anstoß gesehen werden, seinen Blick immer mal wieder von der eigenen (kleinen) Tierrechtsarbeit und den damit verbundenen Erfahrungen von Repressionen und Soliaktionen abzuwenden, um zu erfahren, wie es anderen geht. Nicht nur, welche Erfahrungen andere Tierrechtler_innen und Tierbefreier_innen in Deutschland und in anderen Ländern mit der zunehmenden Kontrolle und Gewalt der Staatsapparate machen. Wie geht es den anderen emanzipatorischen Bewegungen? Von welchen Repressionen sind sie betroffen? Welche Strategien der Soliarbeit haben sie entwickelt? Wie sieht ihr Widerstand aus? Vielleicht ist das auch schon ein weiterer Schritt auf dem neuen Weg der Solidarität.
Clarissa Scherzer