Satire

„Who killed Gerber and Bauer?

Über das regressive Bedürfnis deutscher Antideutscher

Am 25. März 2011 durfte Frankfurt Zeuge der Aufführung „Who killed Bambi? Über das regressive Bedürfnis deutscher Tierschützer“ des
antideutschen Kasperletheaters um den Bahamas-Ideologen (1) Jan Gerber werden. Anlass dieser Wiederholung war die am Tag darauf stattfindende Frankfurt Pelzfrei Demonstration.

Die Veranstalter_innen des Theaterstücks (die Neo-kommunistische Kameradschaft (2)) wurden auf die „faschistoiden Tierschützer“ aufmerksam, als die Demo-Organisator_innen das Institut für vergleichende Irrelevanz (IvI) (3) als Ort für das Soli-Konzert anfragten. Da einer der Musiker in einem Text Verständnis für Steinewerfer_innen in Gaza erahnen lässt, konnte dieser Deutsche = Faschist = Nazi = Antisemit „selbstverständlich“ nicht auftreten. Der Demo-Orga wurde die Nutzung des IvI versagt. Stattdessen wurden der sympathische Anabolikaoptik-Gerber und sein unbeholfener Nebendarsteller Michael Bauer eingeladen. Topos des Stücks: die offensichtliche (???) Anschlussfähigkeit der Tierrechtsidee für rechte Ideologien. Anschließend gab es schön Techno bei lecker Pepp.


Eingangs entschuldigte sich das blau-weiße Duo für die erneute Vorführung einer Inszenierung, die bereits seit Jahren unverändert angeboten wird. Schuld daran, das klingt eingängig, sei nicht die Einfallslosigkeit der Schausteller, sondern jene der Tierrechtsbewegung, welche seit hundert Jahren die gleiche Scheiße in leicht modernisierter Form brabbele. In Anbetracht der kurzweiligen und unterhaltsamen Vorführung sei dies den ungewollten Kindern Davids vergeben. Das Kasperlestück war einfach gestrickt und durchweg albern. Ideal also für die deutschen antideutschen Jünger Israels, die in Israel ausgelacht werden. Ein bisschen Gleichsetzung, Geschichtsverfälschung, Fehldarstellung, Hetze, Provokation und Mythenbildung und fertig ist das BILD-Rezept für gut verkäufliche Scheiße. Als hätte das Publikum geahnt was Tolles auf sie zukommt war der Saal des IvI voll. Unter den 50-60 Besucher_innen fanden sich auch einige dieser „Wursthaarmenschen“, die Gerber so widerlich findet. Aber die Abneigung gegenüber ihren Frisuren war dem Publikum ebenso egal wie die Tatsache, dass sich die Schausteller in einem besetzten Haus über Hausbesetzungen und damit verbundene Lebensstile lustig machten. Auch die Moral von der Geschichte fand keine Beanstandung durch das PCPD-Publikum (Political Correctness Police Department), so sehr konnte das Duo mit der Geschichte von den bösen Nazi-Tierrechtler_innen punkten. In welchem linksradikalen Schauspielhaus und in welchem Setting ist es sonst möglich, dass eine Geschichte erzählt werden kann, die auf der Moral fußt, dass die Politisierung des Privaten totaler Unsinn sei. Denn diese Moral wurde nicht nur auf die Ernährungsweise bzw. das Mensch-Tier-Verhältnis bezogen, sondern explizit auf alles, was im Haus und im (im bürgerlichen Sinne) Privaten geschieht, solange es dem geltenden Recht entspricht! Ein Faustschlag ins Gesicht aller Frauenbewegten. Der wurde jedoch nicht gespürt, denn die haben „von dem tollen Vortag richtig Hunger auf ‘nen Burger bekommen“. Legga!

Alles in allem konnten die beiden Kasperle eine lustige Show liefern, das gestand sogar der einzige Tierrechtler, der sich outete, mit einem Schmunzeln ein. Die Schausteller haben ihre Message rübergebracht. Nach Eigenaussage ging es ihnen nicht um eine ernsthafte Auseinandersetzung mit der Thematik. Gut, dass sie ausdrücklich darauf hinwiesen. Das Kasperletheater und die alberne Show erweckten natürlich erst einmal einen ganz anderen Eindruck ;-). Aus meiner Perspektive war die Rolle und das Skript des Geschichtenerzählers (der Moderator und einer der „neokommunistischen“4 Veranstalter_innen) ungewollt jedoch noch erheiternder als jene des Hauptdarstellers Gerber und seines Bauern. Die Szene in der er erst nachfragte, ob es Tierrechtstheorien gibt, weil er keine kennt und dann dem Tierrechtler in der ersten Reihe die Phrase „was du Theorie nennst, nenne ich Ideologie“ erwiderte toppte sogar Gerbers Hitler-Vegetarier-Sketch. (Kauf dir mal ‘ne aktuelle Hitler-Biografie, du Antifaschist! Opfer ey!) Der arme Moderator wirkte noch unbeholfener als der Bauer, aber gerade das machte seine Rolle sympathisch. Dies macht Gerber jedoch nicht weniger eindrucksvoll, denn er wirkte zumindest selbstsicher und so, als hätte er sich immerhin minimal mit dem Kontext des Plots auseinandergesetzt. Außerdem bin ich mir sicher, dass er sexy mit den Brustmuskeln zucken kann, was auch einen Sympathiepunkt gibt *schnalzschnalz*. Fazit der anschließenden Gesprächsrunde über die Anschlussfähigkeit der Tierrechtsidee für Naziideologien war dennoch überraschender Weise – so zumindest meine ganz subjektive Wahrnehmung – dass der Antikapitalismus weitaus anschlussfähiger für rechtes Gedankengut zu sein scheint, als die Tierrechtsidee. Außerdem wurde klar, dass Kommunist_innen und nicht Tierrechtler_innen die wahren Paternalist_innen sind. Denn Tiere können sich meist nicht selbst befreien und bedürfen unserer Hilfe. Die Arbeiter_innen können sich hingegen selbst befreien, machen es aber nicht und finden Kommunismus scheiße. „Ja das kenne ich, wenn ich mich zu den Löwen in die Fabrik begebe und versuche den Kommunismus zu propagieren.“ Da haben Gerber, Bauer und der „kenne ich nicht, aber nenne ich Ideologie“-Mann etwas dazugelernt. Ich hoffe ich klaue hier nicht ihr patentiertes Stilmittel „Worte im Mund umdrehen“. Dank ans IvI und an die „Neokommunist_innen“ für die Organisation dieser unterhaltsamen Veranstaltung. Dank an Gerber und Bauer für das Schauspiel – bleibt so, ihr seid toll! Und zuletzt einen ganz besonderen Dank an den ungewollt witzigen Moderator der „Neokommunist_innen“ für seinen Debütauftritt – das wird schon irgendwann, einfach weiter versuchen und sonst: dabei sein ist alles! Haste ja bestimmt schon oft gehört ;-).

gabba *itzitz*
(hat kein Problem mit Antideutschen, die nicht kaputt im Kopp sind)

(1) Bahamas: Eine deutsche Zeitschrift für deutsche Antideutsche, die Elemente der BILD mit Elementen der TITANIC verbindet und besonders bei Jugendlichen nach der Pokémon-Phase sehr beliebt ist.
(2) Neokommunistische Kameradschaft: Frankfurter Gruppe roter, nationaldenkender Menschen, die das zionistische Weltreich errichten wollen.
(3) IvI: Das Haus in der Nähe vom Uni-Campus, bei dem manchmal eine Israel-Flagge hängt und Leute mit auffällig erweiterten Pupillen herum zappeln.
(4) Neokommunist_innen: Menschen, die 150 Jahre alte Theorie in leicht modernisierter Form „brabbeln“ und eine Sowjet-Flagge über dem Bett hängen haben.


TIERBEFREIUNG 71


Antideutsche und Tierrechte
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Eine Replik auf „Who killed Bambi?

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Eine Auseinandersetzung mit linkem Anti-Antispeziesismus

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