Termin

Tierbefreiungstage in Hamburg

2011 gab es keinen (sonst jährlich stattfindenden) Tierbefreiungskongress. Die Organisationsleute von 2010 boten ihre Unterstützung und Startkapital an, doch erst fand sich kein Nachfolge-Team, dann war es zu spät, um noch etwas zu organisieren. Damit die Tierbefreiungsbewegung nach anderthalb Jahren nun doch noch zusammenkommen kann, organisieren Aktivist_innen nun vom 13. bis 15. Januar Tierbefreiungstage in Hamburg.

Es soll Raum und Zeit zur Vernetzung, sowie zur Reflexion und Diskussion von drängenden Fragen der Tierbefreiungsbewegung geben. Im Aufruf der Orga ist von einer aktuell starken Fluktuation die Rede. Immer wieder würden Langzeitaktivist_innen weg brechen und große Lücken hinterlassen. Daher „soll diskutiert werden, ob Strategien entwickelt werden können, um der Fluktuation entgegenzuwirken, wie Wissen und Kompetenzen besser vermittelt und weitergegeben werden können und wie eine Professionalisierung in diversen Bereichen der alltäglichen Tierbefreiungsarbeit erreicht werden kann.“ Primäres Ziel ist die Stärkung der Bewegung, sowie die reflexive und zugleich praxisorientierte Überlegung, wie wir als soziale Bewegung gesellschaftlich an Bedeutung gewinnen können. Die Veranstaltung verspricht, sich eben nicht der theoretischen Auseinandersetzung zu verschreiben. Auch die theoretischen (oder besser: inhaltlichen) Elemente und Eingaben sollen Praxisrelevanz haben. Im Vordergrund werden vor allem zwei Themenkomplexe stehen. Das eine behandelt das Profil der Tierbefreiungsbewegung (Identität, mögliche Bündnisformen, Außendarstellung), das andere deren Strukturen (Bedeutungszuwachs, Organisation, Vermittlung, Teilnahmemöglichkeiten, Fluktuation). Unterschiedliche Positionen und Perspektiven sollen zu Wort kommen und diskutiert werden. Die Orga-Leute wünschen sich kontroverse – und zugleich konstruktive und produktive – Auseinandersetzungen und dafür „eine möglichst breite Teilnahme aus allen Spektren der Tierrechts- und Tierbefreiungsbewegung, um die drängenden Probleme auch wirklich als Bewegung besprechen zu können“. Es sollen weniger frontale Vorträge und Podiumsdiskussionen abgehalten, als Diskussionsrunden und Workshops eingeleitet und moderiert werden.

Einen Beitrag im Sinne der Vermittlung von Wissen und Kompetenzen wird als „alter Hase“ der Vorsitzende von tierbefreier e.V. , Ulf Naumann, leisten. Er bemängelt, dass seit einigen Jahren der Aktivismus stark abgeflaut sei. Es gibt immer weniger Aktionen des zivilen Ungehorsams. Der Trend geht offensichtlich dahin, den „Vegan Lifestyle“ zu leben und zu bewerben, vielleicht noch auf große Demos zu gehen oder bestenfalls einen Infostand zu machen. Aber auch die Passivität vieler theoretisch radikaler Gruppen stellt als Missverhältnis von Theorie und Aktivismus ein Problem dar. Dies soll sich wieder ändern. Die Bewegung soll wieder mutiger und aktiver werden. Möglicherweise mangelt es vielen Tierrechtsaktivist_innen an Bezug zu oder an Erfahrung mit radikalen und energischen Aktionen. In seinem Workshop möchte er daher (nach der Problemschilderung) seine Erfahrungen und sein Wissen zur Planung und Durchführung von Aktionen vermitteln. Sicherlich auch für Einsteiger_innen interessant!

Die Hamburger Tierbefreiungstage ersetzen nicht einen vollwertigen Tierbefreiungskongress, stellen aber einen notwendigen Ausgleich dar und werden trotz kürzerer Vorbereitungszeit ebenso gewissenhaft organisiert. Beginn der Tierbefreiungstage ist am Freitagnachmittag mit einer Auftaktveranstaltung. Ende ist voraussichtlich am Sonntag gegen 15 Uhr.

Weitere Infos auf
www.tierbefreiungskongress.org
Kontakt: tb-kongress@riseup.net

Emil Franzinelli





 

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