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Die Alltäglichkeit des Terrors gegenüber Tieren

Wenn Tierrechtler und Tierrechtlerinnen für die „Rechte der Tiere“ auf die Straße gehen, so tritt ihnen oft eine Mauer des Unverständnisses und oft auch offener Hohn entgegen. Zu tief ist das menschliche Überlegenheitsdenken in den Köpfen verankert, zu sehr der Alltag durch die selbstverständliche Ausbeutung der Tiere geprägt. Getötete Tiere bzw. Tierteile liegen als „Nahrung“ auf dem Teller, die tägliche Kosmetika ist selbstverständlich vorher an der sensiblen Tierhaut getestet und auch in anderen Bereichen stehen Tiere den Menschen zur „Verfügung“, egal ob im Zoo oder im Zirkus, als so genannte Haustiere oder als „Sportgeräte“. Nicht zuletzt soll eine tierfeindliche Sprache (mit Tiervergleichen formulierte Beleidigungen wie z.B. du „dumme Kuh“ etc. ) soll zum Ausdruck bringen, dass Tiere „minderwertigere“ Wesen sind, über die der Mensch verfügen darf. Bereits von Kindheitstagen an führt diese Gesellschaft vor, dass Menschen Tiere gebrauchen dürfen, mittlerweile oft mit einem kleinen Zusatz, einem kleinen Zugeständnis: „wenn sie denn gut behandelt werden“. Ein Mindestmaß an „Tierschutz“ ist mittlerweile ein gesellschaftspolitisches Anliegen geworden, nicht zuletzt durch die Aufnahme des Tierschutzes ins Grundgesetz. Grundlegende Veränderungen für die Tiere und eine Überprüfung des Verhältnisses des Menschen zum Tier hingegen werden damit nicht angestrebt, das Unrecht, dass den Tieren mit ihrer Knechtschaft auferlegt wird, wird weiterhin negiert.

Wenn es um die eigene Verantwortung gegenüber dem Leid der Tiere geht, lassen sich die wenigsten im alltäglichen Sinn die „Wurst vom Brot“ nehmen und die Argumente der TierrechtlerInnen verhallen im Nebel der Ignoranz. Zu weit hergeholt sind da die Appelle, die ihnen sagen wollen, dass Tiere Rechte haben und ihnen endlich ein unversehrtes und freies Leben zugestanden werden muss.

Tierrechtsbestrebungen im Laufe der Zeit

Auch wenn die Tierrechtsbewegung in Deutschland vielleicht mal gerade 20 Jahre zählt, die Ideen und das Unrechtsbewusstsein im Hinblick auf die Ausbeutung der Tiere ist nicht neu. Bereits im 19. Jahrhundert schrieb der bekannte Philosoph Arthur Schopenhauer: "Die vermeintliche Rechtlosigkeit der Tiere, der Wahn, dass unser Handeln gegen sie ohne moralische Bedenken sei, ist eine geradezu empörende Barbarei des Abendlandes. Die Tiere sind kein Fabrikat zu unserem Gebrauch. Nicht Erbarmen, sondern Gerechtigkeit ist man den Tieren schuldig." Und auch andere Zitate bekannter Vordenker sind Relikte aus vergangen Epochen, die zeigen, dass es immer Menschen gab, denen die unrechtmäßige Versklavung der Tiere durch den Menschen bewusst war und Tiere in ihr moralisches Denken einbezogen haben.

In den letzten Jahren gibt es immer mehr Bestrebungen, die Tierrechtsphilosophie auch in der Geisteswissenschaft zu etablieren, immer lauter werden die Appelle, endlich auch die Tiere in moralisch-ethische Überlegungen aufzunehmen und sich mit ihrer Entrechtung auseinander zu setzen und die Befreiung der Tiere zum Thema zu machen. Und nicht zuletzt bestimmen Mitgefühl, Empathie und das Wissen um die Empfindsamkeit des anderen, Mensch wie Tier, die Hoffnung auf eine Zukunft, in der Frieden und Respekt nicht nur innerhalb der menschlichen Gesellschaft, sondern auch im Mensch-Tier-Verhältnis vorangetrieben wird.

Kriterien für Tierrechte – Gründe für eine neue Ethik

Jeremy Bentham, ein bekannter englischer Jurist und Philosoph (1748-1832) fragt in seinem Plädoyer für das entrechtete Tier mit Recht nach der „unüberwindbaren Trennlinie“, die Menschen zum Tier gezogen haben[1]. Die Andersartigkeit, die es zwischen Menschen und Tieren gibt, darf kein Grund sein, ihnen eigene Interessen und Bedürfnisse abzuerkennen, zumal die Gemeinsamkeiten zwischen Mensch und Tier im Gegensatz zur übrigen Natur überwiegen.

Das wichtigste Indiz für eine geforderte Neuorientierung im Umgang mit dem Tier ist unzweifelhaft die Leidensfähigkeit, die Mensch und Tier verbindet. Auch ohne die mittlerweile umfassenden wissenschaftlichen Bestätigungen gibt es keinen Zweifel darüber, dass Tiere in hohem Maße Anzeichen von Gefühlsregungen zeigen. Beispiele hier sind z.B. Abwehr oder Flucht bei lauernden Gefahren, Angst vor Schmerz, sie zeigen Eifersucht oder Trauer oder auch positive Emotionen in Form von Freude und Wohlbefinden.

Die Reduktion der tierlichen Verhaltensweisen auf den bloßen Instinkt, die Tiere zu reinen Maschinen degradierten, ist schon lange als haltlos entlarvt worden. Viele Tierarten haben ein reichhaltiges Repertoire an Verhaltensweisen und nicht jedes Tier einer Art verhält sich gleich wie das andere. Jedes Tier hat ein eigenes Wesen, individuelle Eigenarten, die den Charakterzügen eines Menschen sehr ähnlich sind.

Die bisher geführte Bewertung und Kategorisierung der verschiedenen, mittlerweile vielfach gezüchteten Tiere (Beispiel: „Versuchstier“, „Nutz- oder Schlachtvieh“, „Wildtier“, „Zoo- oder Zirkustier“, „Haustier“, „Pelztier“), ist fast ausschließlich nach dem Nützlichkeitsfaktor für den Menschen ausgerichtet. Diese Kategorisierung wurde nach menschlichen Interessen vorgenommen, und ist auch nur möglich, weil Tiere dem Menschen hilflos ausgeliefert sind und nicht gegen die Übermacht der menschlichen Tyrannei ankommen. Bei einer tiergerechten Neuorientierung darf der Nützlichkeitsfaktor keine Rolle mehr spielen, sondern die Bedürfnisse des Tieres müssen an erster Stelle stehen.

Warum müssen wir Tieren Rechte geben?

Bei dieser Frage müssten TierrechtlerInnen eigentlich die Gegenfrage stellen: wie ist es möglich, dass wir den Tieren Rechte immer noch vorenthalten können? Es gibt keinen einzigen Grund, ihnen ein Recht auf Unversehrtheit und ein Leben frei von menschlicher Gewalt abzusprechen.

Wenn Rechte für Tiere gefordert werden, so bedeutet das nicht, dass man die Menschenrechte eins zu eins auf die Tiere übernimmt. Rechte sind dazu da, dem Individuum, also auch dem einzelnen Tier, mit seinen eigenen, artspezifischen Bedürfnissen und Interessen gerecht zu werden. Zweifellos hat ein Tier das Bedürfnis, frei von menschlicher Gewalteinwirkung zu sein und das Interesse, ein seinem Wesen entsprechendes Leben zu führen.

Vorgebrachte Einwände, dass nur diejenigen Rechte haben sollten, die selbst dafür zu kämpfen in der Lage und mit Vernunft ausgestattet sind, würden auch die Menschenrechte in Frage stellen. Denn menschliche Babies oder manch geistig schwache Mensch würde aus dem Raster fallen, lägen diese Kriterien zugrunde. Menschenrechte sind für alle Menschen gedacht, gleich welcher Ethnie sie zugehörig und mit welchen intellektuellen Fähigkeiten sie ausgestattet sind. Gleiches gilt für die Grundlage der Geschlechtergerechtigkeit. Nicht Gleichartigkeit, sondern Gleichwertigkeit ist das Grundprinzip eines moralisch-verantwortlichen Denkens und Handelns. Tierrechtler und Tierrechtlerinnen fordern dies auch für Tiere, die dem Menschen in ihrem Wesen so nahe sind. Eine nicht nur emotionale, vor allem auch eine logische und rationale Schlussfolgerung!

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